Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Motor des Monsuns

01.08.2011
Der australisch-indonesische Monsun ist eines der wichtigsten Klimasysteme Der Monsun kann mit Wirbelstürmen und Wolkenbrüchen einhergehen, aber auch Dürren verursachen. Die Faktoren, die seine Intensität beeinflussen, sind jedoch wenig erforscht.

Jetzt zeigen MARUM-Forscher, wie und warum sich der Monsun vom Höhepunkt der letzten Eiszeit bis heute verändert hat. Überraschende Erkenntnis: Offenbar wird die Intensität des australisch-indonesischen Monsuns auf der Südhalbkugel von Klimaphänomenen auf der Nordhalbkugel gesteuert.

Diesen und weitere Befunde veröffentlicht die Fachzeitschrift Nature Geoscience in ihrer August-Ausgabe.

Von Juli bis September herrscht auf der Südhalbkugel Winter. Dann bläst der australisch-indonesische Monsun aus Südost. Von Januar bis März drehen die Winde um 180 Grad: Mit nordwestlichen Luftströmungen werden dann große Regenmengen über dem östlichen Indonesien und den Nordosten Australiens abgeladen. Langfristig, d.h. über Jahrtausende betrachtet, ist die Intensität des Monsuns jedoch sehr unterschiedlich ausgeprägt: Im Südwinter ist es mal mehr, mal weniger trocken und kühl, im Südsommer mal mehr, mal weniger nass.

Auf die Frage, warum das so ist, hat ein internationales Wissenschaftlerteam jetzt eine überraschende Antwort gefunden: „Unsere Daten zeigen, dass Unterschiede in der Intensität des australisch-indonesischen Monsuns von Phänomenen auf der Nordhalbkugel gesteuert werden“, erklärt MARUM-Wissenschaftler Dr. Mahyar Mohtadi. Der Erstautor der Nature Geoscience-Studie betont: „Das gilt sowohl für den Sommer- als auch den Wintermonsun.“

Gemeinsam mit Kollegen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Hannover sowie aus den USA und Chile haben MARUM-Wissenschaftler Meeresablagerungen untersucht, die vor der Küste Javas gewonnen wurden. Die Sedimente bilden ein sehr genaues Klimaarchiv, denn sie enthalten Informationen über die jahreszeitlichen Schwankungen des Monsuns. „Nach unseren umfassenden Untersuchungen können wir feststellen, dass die größten Regenmengen während des Sommermonsuns immer dann fielen, wenn es auf der Nordhalbkugel relativ mild war, also während der letzten 2.500 Jahre, aber auch im Zeitraum vor etwa 13.000 bis 14.500 Jahren“, sagt Co-Autor Dr. Stephan Steinke vom MARUM.

Um z.B. die Veränderungen des Wintermonsuns der letzten 20 000 Jahre nachzuzeichnen, untersuchten die Wissenschaftler die Häufigkeit von Kalkschalen einer bestimmten Foraminiferenart in einzelnen Sedimentschichten. Diese winzigen Meeresorganismen brauchen nährstoffreiches Wasser aus größeren Tiefen, um besonders zu vermehren. Der winterliche Südost-Monsun funktioniert dabei wie eine Umwälzpumpe. Er drückt Oberflächenwasser von der Küste Javas weg. Im Gegenzug wird nährstoffreiches Wasser aus der Tiefe nach oben gepumpt. Im Fall der untersuchten Schichten fanden sich jedoch immer dann relativ wenig Schalen dieser Foraminiferenart, wenn die Sonneneinstrahlung auf der Nordhalbkugel besonders gering war. Es ist ein Hinweis darauf, dass die Sonneneinstrahlung auf der Nordhalbkugel die Stärke der Tiefwasserpumpe und der Wintermonsune auf der Südhalbkugel beeinflusst.

„Wir wollen unsere Arbeiten fortsetzen und planen bereits weitere Schiffsexpeditionen nach Südostasien“, sagt Dr. Mahyar Mohtadi. „Zwar untersuchen wir Klimaphänomene der Vergangenheit, doch werden unsere Arbeiten langfristig dazu beitragen, das Risiko zukünftiger klimabedingter Extremereignisse besser abschätzen zu können.“

Weitere Informationen / Interviewanfragen / Bildmaterial:
Albert Gerdes
MARUM-Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 0421 218 65540
Email: agerdes@marum.de

Albert Gerdes | idw
Weitere Informationen:
http://www.marum.de
http://www.marum.de/Motor_des_Monsuns.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Ionen gegen Herzrhythmusstörungen – Nicht-invasive Alternative zu Katheter-Eingriff
20.01.2017 | GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH

nachricht Leibwächter im Darm mit chemischer Waffe
20.01.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise