Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mondzyklus bestimmt Jagdverhalten von nachtaktiven Möwen

18.03.2013
Gabelschwanzmöwen jagen am häufigsten bei Neumond, wenn die Fische im Schutz der Dunkelheit an die Oberfläche kommen

Zooplankton, kleinere Fische und Kalmare halten sich bei Vollmond kaum an der Meeresoberfläche auf. Um sich vor Fressfeinden zu schützen, verstecken sie sich in helleren Nächten nämlich in tieferen Wasserschichten, während sie bei Neumond im Schutz der Dunkelheit an die Oberfläche steigen.


Gabelschwanzmöwen leben auf den Galapagos-Inseln. Sie halten sich tagsüber an ihrem Nest an Land auf. Nachts fliegen sie zum Fischen aufs Meer.
© MPI f. Ornithologie

Wissenschaftlern am Max-Planck Institut für Ornithologie in Radolfzell zufolge beeinflusst dies auch das Verhalten von Gabelschwanzmöwen (Creagrus furcatus) einer einzigartigen nachtaktiven Möwenart aus Galapagos. Sie rüsteten die Vögel mit Fahrtenschreibern und Feuchtigkeitssensoren aus, anhand derer sie feststellten, wie viel Zeit die Tiere nachts auf dem Meer verbrachten.

Ihre Ergebnisse zeigen, dass die Aktivität der Vögel bei Neumond am stärksten war, also genau dann, wenn sich die meiste Beute an der Wasseroberfläche befand. Der Mondzyklus beeinflusst demnach auch das Verhalten von Seevögeln.

Der Mondzyklus steuert das Verhalten verschiedener Tierarten: Eulen, Schwalben und Fledermäuse, beispielsweise, richten ihre Aktivität nach der Mondphase aus, um ihren Jagderfolg zu maximieren. Doch auch die Lebewesen des Meeres werden vom Mond beeinflusst. Viele Fischarten verstecken sich beispielsweise tagsüber vor Feinden in der Tiefe und wandern erst in der Dunkelheit zur Wasseroberfläche. Diese sogenannte Vertikalmigration wird zusätzlich vom Mondzyklus beeinflusst. So vermeiden die Fische, dass sie an der Wasseroberfläche bei Vollmond wie auf einem Präsentierteller schwimmen. In helleren Nächten ist die Vertikalmigration deswegen eingeschränkt und die Tiere bleiben in tieferen Bereichen. Bei Neumond dagegen werden die Organismen aktiv und wandern an die Oberfläche.

Doch auch in der Dunkelheit der Nacht warten Jäger auf sie, beispielsweise die Gabelschwanzmöwe Creagrus furcatus von den Galapagos-Inseln. Mit ihren an Dunkelheit gut angepassten Augen sieht sie selbst bei schwachen Lichtverhältnissen noch Fische unter der Wasseroberfläche und braucht den Mond deshalb nicht als Lichtquelle. Wissenschaftler des Max-Planck Instituts für Ornithologie wollten deshalb herausfinden, welche Auswirkung der Mondzyklus auf das Jagdverhalten der Möwen hat.
Sie versahen dafür 37 Tiere mit Sensor-bestückten Fahrtenschreibern, mit denen die Forscher messen konnten, wo, wann und wie lange die Vögel im Wasser waren. „Die Möwen fliegen auf der Jagd über das offene Meer und lassen sich kurz auf die Wasseroberfläche fallen, um Tintenfische oder kleine Fische zu schnappen“, erläutert Martin Wikelski vom Max-Planck-Institut in Radolfzell. „Aus der Kontaktzeit der Sensoren mit dem Wasser konnten wir deshalb schließen, in welchen Nächten des Monats die Möwen besonders aktiv waren.“ Durchschnittlich 120 Tage lang wurde das Verhalten jedes Vogels aufgezeichnet, um so mehrere Mondphasen zu erfassen.

Die Vögel hielten sich streng an die Mondzyklen: Bei Neumond waren die Möwen besonders oft im Wasser. War es nachts sehr hell, blieben die Vögel dagegen eher im Trockenen. „Für die Gabelschwanzmöwen ist es sinnvoll, sich bei der Jagd am Mondzyklus zu orientieren, denn mit einer Tauchtiefe von nur maximal einem Meter ist in Vollmondnächten die Beute schnell außerhalb ihrer Reichweite“, sagt Wikelski.

Gabelschwanzmöwen haben für die nächtliche Jagd im Laufe der Evolution lichtempfindliche Augen entwickelt, die besonders an die dunklen Nächte über dem Meer angepasst sind. Außerdem haben sie ihren Melatonin-Rhythmus verloren – einen wichtigen Taktgeber zur Schlafsteuerung. So können die Gabelschwanzmöwen eine einzigartige, neue ökologische Nische besetzen.
Ansprechpartner
Prof. Dr. Martin Wikelski,
Max-Planck-Institut für Ornithologie, Teilinstitut Radolfzell, Radolfzell
Telefon: +49 7732 1501-62
Fax: +49 7732 1501-69
E-Mail: martin@­orn.mpg.de
Originalpublikation
Sebastian M. Cruz, Mevin Hooten, Kathryn P. Huyvaert, Carolina B. Proano, David J. Anderson, Vsevolod Afanasyev, Martin Wikelski
At–Sea Behavior Varies with Lunar Phase in a Nocturnal Pelagic Seabird, the Swallow-Tailed Gull

PLoS ONE 8(2): e56889. doi:10.1371/journal.pone.0056889

Prof. Dr. Martin Wikelski | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de/7031840/gabelschwanzmoewen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sollbruchstellen im Rückgrat - Bioabbaubare Polymere durch chemische Gasphasenabscheidung
02.12.2016 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht "Fingerabdruck" diffuser Protonen entschlüsselt
02.12.2016 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie