Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Molekulare Schere macht Viren den Garaus

08.03.2011
Der Biochemiker Jens Kurreck forscht an der Behandlung von Virusinfektionen und an Schmerztherapien

Das Virus löst Herzmuskelentzündungen aus. Die Infektion schädigt das Herz extrem und kann letztendlich eine Herztransplantation erforderlich machen. Der Name des Virus: Coxsackievirus B3, kurz CVB-3. Eine spezifische Therapie gegen CVB-3 gibt es bislang nicht. Jens Kurreck, neuberufener Professor für das Fachgebiet „Angewandte Biochemie“ forscht daran.

„Bei der Bekämpfung des Virus nutzen wir die sogenannte RNA-Interferenz. Das ist ein natürlicher Schutzmechanismus der Zelle, bei dem fremde Gene ausgeschaltet werden. Und so ein Eindringling kann eben auch eine Virus-RNA sein“, erklärt Jens Kurreck. RNA steht für Ribonukleinsäure. Seit es 1998 gelang, das Phänomen der RNA-Interferenz wissenschaftlich zu erklären, wurde sie als eine Methode der Genregulation zum großen Hoffnungsträger in der Medizin – sei es bei der Bekämpfung von Krebs, Erblindungen oder eben von Virusinfektionen. Denn wenn sich Gene in ihrer Aktivität stilllegen lassen, muss dies auch bei Genen, die Krankheiten auslösen, möglich sein.

Bei der RNA-Interferenz ist die Boten-RNA das Zielobjekt. Sie bildet aus den Genen, also dem Erbmaterial, die Proteine. Erst durch die Proteine kommt der genetische Bauplan überhaupt in Bewegung, sie sind „die Akteure der Zelle, bestimmen ihre Funktion und ihren Zustand“, so Kurreck und erklärt das Prinzip der RNA-Interferenz-Technologie: „Während des Umwandlungsprozesses der genetischen Information in ein Protein durch die Boten-RNA wird diese zerschnitten. Die Folge: Das krankhafte Protein kann nicht gebildet werden. Im Falle des Coxsackievirus B3, das ein Einzelstrang RNA-Virus ist, wird dessen RNA zerstört.“ Zerschnitten wird die Einzelstrang-Boten-RNA mit einer Art molekularen Schere, die in die Zelle geschleust wird. Diese ‚Schere‘ ist eine chemisch synthetisierte kurze Doppelstrang-RNA, die nur aus 21 RNA-Bausteinen besteht und zelluläre Proteine anleitet, die ins Visier genommene RNA zu zertrennen. „Um das Potenzial der RNA-Interferenz-Technologie auf CVB-3 auszuloten, haben wir verschiedene kurze Doppelstrang-RNAs getestet. Unser bester Kandi-dat verringerte die Ausbreitung des Virus um 90 Prozent“, sagt Jens Kurreck. Aber auch in der Schmerzforschung will er die RNA-Interferenz-Technologie anwenden, weil sich damit Schmerzrezeptoren ausschalten lassen.

Ein weiterer Forschungsbereich ist der Einfluss von G-Quadruplex-Strukturen (Nukleinsäuresequenzen) auf die „Übersetzungsarbeit“ der Boten-RNA. Das „G“ steht für Guanin und ist als eine von vier Nukleinbasen der Grundbaustein der DNA und RNA. Mit diesen Forschungen wird eine völlig neue Ebene der Genregulation betreten. Diese stecken allerdings noch in den Kinderschuhen. Für Kurreck, der an der FU Berlin Biochemie und Philosophie studierte, eine Herausforderung mehr. Sybille Nitsche

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Prof. Dr. Jens Kurreck, Institut für Biotechnologie der TU Berlin, Fachgebiet Angewandte Biochemie, Seestr. 13, 13353 Berlin, Tel.:030/314 27582, Fax:030/314 27502, E-Mail: jens.kurreck@tu-berlin.de

Die Medieninformation zum Download:
www.pressestelle.tu-berlin.de/medieninformationen/
„EIN-Blick für Journalisten“ – Serviceangebot der TU Berlin für Medienvertreter:
Forschungsgeschichten, Expertendienst, Ideenpool, Fotogalerien unter:
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/?id=4608

Stefanie Terp | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-berlin.de/?id=98217
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/medieninformationen/
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/?id=4608

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers
28.04.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Forschungsteam entdeckt Mechanismus zur Aktivierung der Reproduktion bei Pflanzen
28.04.2017 | Universität Hamburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie