Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Molekül zur Regulation von Autoimmunität auch an chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen beteiligt

13.11.2014

T-Zellen sind ein wichtiger Bestandteil der Immunabwehr. Veränderungen dieser Zellen können zu übermäßigen Entzündungsreaktionen im Körper führen. Ein internationales Forschungsteam unter Leitung von Prof. Richard Blumberg vom Brigham and Women’s Hospital der Harvard Medical School in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Entzündungsforschung“ sowie dem Institut für Klinische Molekularbiologie (IKMB) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel entdeckte eine bisher unbekannte Interaktion zwischen den Molekülen TIM-3 und CEACAM1. Das Kieler Forschungsteam untersuchte die Genetik des Moleküls TIM-3. Die neuen Erkenntnisse wurden in der internationalen Fachzeitschrift Nature veröffentlicht.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wiesen die Interaktion von zwei Proteinen, TIM-3 und CEACAM1, auf der Oberfläche von aktivierten T-Zellen nach. Diese Interaktion spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation von Autoimmunität und der Bekämpfung von Krebszellen durch das Immunsystem.


Die Abbildung zeigt die Interaktion zwischen den Proteinen TIM-3 und CEACAM1.

Quelle: Yu-Hwa Huang, Harvard Medical School

Im Modell konnte gezeigt werden, dass eine Störung dieses Mechanismus außerdem zu starken Entzündungsreaktionen im Darm führt. Am IKMB in Kiel untersuchten Dr. Britt-Sabina Petersen und Professor Andre Franke genetische Varianten in TIM-3 in Patientinnen und Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) und gesunden Individuen.

Insbesondere eine Variante wurde dabei verstärkt bei CED-Patientinnen und -Patienten entdeckt. Das weist auf eine Rolle dieses Proteins auch bei der Entstehung von CED hin.

In Deutschland sind aktuell etwa 320.000 Menschen von einer CED betroffen, die beiden häufigsten Formen sind Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Der Krankheitsverlauf ist unterschiedlich schwer und verläuft oft in Schüben. Er umfasst hauptsächlich Darmbeschwerden, die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können. Die Ursachen für diese Erkrankungen sind bisher nicht vollständig entschlüsselt.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vermuten eine Kombination aus genetischen Faktoren, der individuellen Zusammensetzung der Darmflora, Infektionen sowie dem Ernährungsverhalten. Dem Kieler Forschungsteam ist es gelungen, mit Hilfe von genetischen Analysen dem Verständnis, warum Menschen an einer CED erkranken, einen Schritt näher zu kommen.

„Im Zusammenhang mit einer CED erkranken Menschen auch häufiger an einem Tumor im Darm“, so Petersen vom Exzellenzcluster „Entzündungsforschung“, Co-Autorin der aktuellen Studie. „In dieser Studie konnten wir einen Zusammenhang zwischen Defekten, die zu Krebs führen, und der Entstehung von CED zeigen.“

Mit den neu gewonnen Erkenntnissen will das Kieler Forschungsteam das Verständnis, warum manche Menschen eine CED entwickeln und andere nicht, weiter ergänzen. Gerade weil diese Erkrankungen vermutlich durch eine Vielzahl von Faktoren ausgelöst werden, ist es komplex, sie zu erforschen. Petersen plant schon die nächsten Analysen:

„Wir arbeiten weiter an der Identifikation seltener genetischer Risikovarianten. Derzeit untersuchen wir insbesondere Kinder mit einer CED sowie Familien, in denen mehrere Individuen erkrankt sind, da wir hier eine starke genetische Komponente bei der Entstehung der Erkrankung vermuten. Damit tragen wir dazu bei, die Genetik um komplexe Erkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa zu entschlüsseln.“

Originalpublikation:
Huang, Y.-H., Zhu, C., Kondo, Y., Anderson, A.C., Gandhi, A., Russell, A., Dougan, S.K., Petersen, B.-S., Melum, E., Pertel, T., Clayton, K.L., Raab, M., Chen, Q., Beauchemin, N., Yazaki, P.J., Pyzik, M., Ostrowski, M.A., Glickman, J.N., Rudd, C.E., Ploegh, H.L., Franke, A., Petsko, G.A., Kuchroo, V.K. and Blumberg, R.S. (2014): CEACAM1 regulates TIM-3-mediated tolerance and exhaustion. Nature, http://dx.doi.org/10.1038/nature13848

Kontakt:
Dr. Britt-Sabina Petersen
Exzellenzcluster „Entzündungsforschung“ und IKMB
Telefon: (0431) 597-1415
E-Mail: b.petersen@ikmb.uni-kiel.de

Pressekontakt:
Dr. Tebke Böschen
Telefon: (0431) 880-4682, E-Mail: tboeschen@uv.uni-kiel.de
Internet: www.inflammation-at-interfaces.de


Weitere Informationen:

http://inflammation-at-interfaces.de/de/newsroom/aktuelles/ced-gen

Dr. Tebke Böschen | Exzellenzcluster Entzündungsforschung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neurobiologie - Die Chemie der Erinnerung
21.11.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

nachricht Diabetes: Immunsystem kann Insulin regulieren
21.11.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Gene für das Risiko von allergischen Erkrankungen entdeckt

21.11.2017 | Studien Analysen

Wafer zu Chip: Röntgenblick für weniger Ausschuss

21.11.2017 | Informationstechnologie

Nanopartikel helfen bei Malariadiagnose – neuer Schnelltest in der Entwicklung

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie