Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Viren Krebs bekämpfen

20.09.2016

Eine Forschungsgruppe der TH Mittelhessen arbeitet im Rahmen des geförderten Projekts „OnkoVir“ an der Kultivierung von Viren, die in der Krebstherapie eingesetzt werden können. Unter der Leitung von Prof. Dr. Peter Czermak konzentriert sich das Team am Institut für Bioverfahrenstechnik und Pharmazeutische Technologie (IBPT) darauf, zu diesem Zweck Masernviren in der benötigten Menge und Qualität herzustellen.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt das Vorhaben mit rund 430.000 Euro. Auf seiner Homepage präsentierte das BMBF im Juli OnkoVir als „Projekt des Monats“.


Das THM-Team kultiviert im Labor Viren, die für den Einsatz in der Tumortherapie geeignet sind.

THM


Prof. Peter Czermaks (links) Forschungsgruppe OnkoVir gehören u. a. (von links) Daniel Loewe, Dr. Tobias Weidner und Hauke Dieken an.

THM

Nach den Herz-Kreislauferkrankungen ist Krebs die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Pro Jahr sterben bundesweit 224.000 Patienten an Krebs. Weltweit wird an unterschiedlichsten Methoden zur Krebsbekämpfung geforscht. Großes Potenzial erkennt die Wissenschaft im Einsatz onkolytischer Viren.

Dabei nutzt man bestimmte Wirkmechanismen von Masern-, Pocken- oder Polioviren dazu, Krebszellen zu infizieren und den Tumor gezielt aufzulösen. Dieser neuartige Behandlungsansatz soll eine immunschwächende Chemotherapie ersetzen und - so die Hoffnung der Forscher - auch bei bisher unheilbaren Tumoren angewandt werden können.

In aktuellen klinischen Studien stellte sich heraus, dass für eine wirksame Behandlung von Krebspatienten onkolytische Viren in großen Mengen gebraucht werden. Pro Dosis werden bis zu zehn Billionen Viren benötigt. Mit herkömmlichen Verfahren kann man aber nur einen Bruchteil davon produzieren.

Hier setzt die Forschungsarbeit des THM-Teams an. Am IBPT leitet Prof. Czermak seit vielen Jahren die Arbeitsgruppe Bioverfahrenstechnik, Membrantechnologie und Zellkulturtechnik. Das Projekt OnkoVir, das bis Ende November 2018 läuft, hat das Ziel, die Herstellungsprozesse für onkolytische Masernviren so zu verbessern, dass aktive Viren in ausreichender Zahl für die Krebsbehandlung zur Verfügung stehen. Entscheidende Bedeutung hat dabei die Auswahl der produzierenden Wirtszellen und des Reaktionssystems.

Um eine maximale Virenausbeute zu erzielen, untersucht die Gruppe, der Dr. Denise Salzig und Dr. Tobias Weidner, die Doktoranden Tanja Grein, Hauke Dieken und Daniel Loewe sowie Master-Studierende angehören, unterschiedliche Wirtszellen. Darüber hinaus entwickelt man neuartige Verfahren, um die Viren nach der Produktion von anderen Substanzen zu trennen, damit sie den hohen qualitativen Ansprüchen für einen therapeutischen Einsatz genügen.

Nach dem ersten Projektjahr zieht Prof. Czermak eine positive Zwischenbilanz: „Ich bin sehr stolz darauf, dass es meinem hochmotivierten Team inzwischen gelungen ist, eine geeignete Wirtszelle zu identifizieren, mit welcher in einem noch nicht optimalen Herstellungsprozess hohe Ausbeuten erreichbar sind. Die Ergebnisse wurden inzwischen zur Veröffentlichung bei einer renommierten internationalen Fachzeitschrift eingereicht. Ich bin zuversichtlich, dass wir auch für die Aufreinigung der Viren im Projektverlauf Lösungen finden werden.“

Weitere Informationen:

http://www.thm.de/lse/2016-01-25-10-19-54.html

Erhard Jakobs | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Live-Verfolgung in der Zelle: Biologische Fussfessel für Proteine
19.06.2018 | Universität Basel

nachricht Tag it EASI - neue Methode zur genauen Proteinbestimmung
19.06.2018 | Max-Planck-Institut für Biochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Im Focus: Overdosing on Calcium

Nano crystals impact stem cell fate during bone formation

Scientists from the University of Freiburg and the University of Basel identified a master regulator for bone regeneration. Prasad Shastri, Professor of...

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Hengstberger-Symposium zur Sternentstehung

19.06.2018 | Veranstaltungen

LymphomKompetenz KOMPAKT: Neues vom EHA2018

19.06.2018 | Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Rätselhaftes IceCube-Ereignis könnte von Tau-Neutrino stammen

19.06.2018 | Physik Astronomie

Automatisierung und Produktionstechnik – Wandlungsfähig – Präzise – Digital

19.06.2018 | Messenachrichten

Überdosis Calcium

19.06.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics