Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Drohnen Pinguine zählen

18.11.2016

Ökologen der Universität Jena erforschen Auswirkungen des Klimawandels in der Antarktis

Während es hierzulande langsam Winter wird und die Temperaturen sinken, startet eine Gruppe Ökologen der Friedrich-Schiller-Universität Jena in den Sommer. Allerdings kann von Urlaub und Wärme keine Rede sein.


Die Jenaer Masterstudentin Marie-Charlott Rümmler bringt ein künstliches Ei, das mit einem Mikrofon ausgestattet ist, in einem Pinguinnest unter.

Foto: Hans-Ulrich Peter/FSU

Denn die Nachwuchswissenschaftler werden in der Antarktis, genauer gesagt in der Umgebung der Bellingshausen-Station auf King George Island, die Folgen des Klimawandels erforschen. Als Projektleiter begleitet sie Dr. Hans-Ulrich Peter vom Institut für Ökologie der Universität Jena, der in diesem Jahr bereits zum 28. Mal den Weg in den äußersten Süden antritt.

Seit den 1980er Jahren beobachtet er die Veränderungen in der Antarktis. „Die höheren Temperaturen sind deutlich zu spüren“, sagt Peter. „Der Gletscher ist in den vergangenen drei Jahrzehnten zurückgegangen, der Einfluss des Menschen hat zugenommen.“

Diese Entwicklung hat deutliche Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt. Im Auftrag des Umweltbundesamtes erfassen, zählen und kartieren die Jenaer Ökologen auf einer Fläche von 30 Quadratkilometern in der Maxwell Bay regelmäßig alle Nester bzw. Kolonien der Vögel und Liegeplätze der Robben mittels GPS. Um die Tiere in Zukunft weniger stören zu müssen und diese Aufgabe effizienter erledigen zu können, erproben Antarktisexperten der Universität Jena gemeinsam mit Wissenschaftlern des Thüringer Instituts für Nachhaltigkeit zunehmend den Einsatz von Drohnen.

Allerdings fehlen noch die Erfahrungswerte, wie nah man einer Pinguinkolonie mit einem solchen Fluggerät kommen darf, ohne Panik auszulösen. Deshalb hat sich Marie-Charlott Rümmler diesem Thema im Rahmen ihrer Masterarbeit angenommen. Während ihres inzwischen dritten Aufenthalts auf dem eisigen Kontinent wird sie untersuchen, wie Pinguine auf eine Drohne reagieren. „Für die Flughöhe von Flugzeugen gibt es bereits Richtwerte, für kleinere Flugobjekte wollen wir diese mit unserer Arbeit bestimmen“, sagt die Jenaer Nachwuchswissenschaftlerin.

„Beispielsweise legen wir dafür ein mit einem Mikrofon ausgestattetes künstliches Ei in ein Nest, um den Herzschlag der Elterntiere aufzunehmen, wenn sich die Drohne nähert. So erfahren wir, ab wann die Pinguine eine Gefahr wahrnehmen, schließlich kann das Fluggerät schnell mit einem Raubvogel verwechselt werden.“

Solche Raubvögel sind ebenfalls Forschungsgebiet der Jenaer Ökologen. Hans-Ulrich Peter beobachtet bereits seit 1983 Skuas. „Es gibt sogar beringte Tiere, die ich nun schon seit 30 Jahren jedes Jahr wiedersehe“, erzählt er. Insgesamt widme er sich vor allem zwei Arten dieser Raubmöwen, die sich u. a. durch ihre Ernährungsweise unterscheiden.

„Die braune Skua frisst vor allem Pinguine und deren Eier, die kleinere Südpolarskua jagt eher über dem Meer und ernährt sich von Fisch und Krill“, erklärt Daniel Prowaznik. Gemeinsam mit Raphael Ritter, der dieses Jahr zum ersten Mal die Reise in die Antarktis antritt, unterstützt er Hans-Ulrich Peter bei der Skua-Forschung. „Wir sammeln vor allem Kotproben und Gewölle und können daraus Rückschlüsse auf die Nahrung der beiden Arten ziehen“, informiert Prowaznik. Die bisherigen Ergebnisse legen nahe, dass vor allem die Meeresjäger unter den Raubmöwen zurückgehen, da sie durch den Klimawandel weniger Nahrung finden. Weitere Forschung sei in diesem Bereich aber notwendig.

Auch die Pinguine bleiben von den höheren Temperaturen in ihrer Umgebung nicht verschont. So habe sich in den vergangenen 30 Jahren die Zahl der Brutpaare bei den Adeliepinguinen von 1.500 auf 300 reduziert. Der besser angepasste Eselspinguin hingegen hat sich weiter verbreitet, ebenso wie die Vegetation, die die eisfreien Flächen zunehmend erobert.

Trotz aller wissenschaftlichen Fixierung, auch beim 28. Mal sei die Reise zum südlichsten Kontinent der Erde immer noch etwas ganz Besonderes, erzählt Hans-Ulrich Peter. „Es ist schon vergleichbar mit einem Virus. Wenn man einmal dort war, will man immer wieder hin.“ Auch wenn die Anreise nicht gerade einfach ist. So fliegen die Jenaer erst nach Argentinien und legen den Rest der Strecke in zwei bis zehn Tagen – je nach Wetterlage – mit dem Schiff zurück. Vor Ort ist es dann ähnlich kalt wie im europäischen Winter, nur liegen aufgrund des meist wehenden Windes die gefühlten Temperaturen deutlich unter denen hierzulande.

Kontakt:
Dr. Hans-Ulrich Peter
Institut für Ökologie der Universität Jena
Dornburger Straße 159, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949415
E-Mail: hans-ulrich.peter[at]uni-jena.de

Weitere Informationen:

http://www.uni-jena.de

Sebastian Hollstein | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Berichte zu: Antarktis Drohne Drohnen Pinguine Raubmöwen Tier- und Pflanzenwelt Ökologen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neurobiologie - Die Chemie der Erinnerung
21.11.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

nachricht Diabetes: Immunsystem kann Insulin regulieren
21.11.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wasserkühlung für die Erdkruste - Meerwasser dringt deutlich tiefer ein

21.11.2017 | Geowissenschaften

Eine Nano-Uhr mit präzisen Zeigern

21.11.2017 | Physik Astronomie

Zentraler Schalter

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie