Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Minimaler Einsatz bei guten Verbindungen – Körpereigene Antigene schaffen Abhilfe bei Multipler Sklerose

24.09.2010
Neues Licht auf Therapieansätze für die Autoimmunerkrankung Multiple Sklerose werfen aktuelle Ergebnisse von Wissenschaftlern am DFG-Forschungszentrum für Regenerative Therapien der TU Dresden und der Harvard Universität in Boston, USA.

Durch eine geschickte Kombination von geringsten Mengen an körpereigenen Antigenen (Autoantigene) und Antikörpern könnte die zerstörerische Abwehrreaktion des Körpers gegen das zentrale Nervensystem verhindert werden.

Bei Autoimmunerkrankungen, wie Multiple Sklerose (MS) oder Typ-1-Diabetes, richtet sich unser Immunsystem gegen körpereigene gesunde Zellen und zerstört diese. Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Sie wird durch T-Zellen (Zellen des Immunsystems) ausgelöst, die sich gegen die elektrische Isolierung unserer eigenen Nervenzellen wenden und sie zerstören.

Dr. Karsten Kretschmer vom DFG-Forschungszentrum für Regenerative Therapien an der TU Dresden (CRTD) hat in enger Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Harvard Universität (Boston, USA) herausgefunden, dass die Lieferung bereits geringster Mengen an körpereigenen Antigenen – gebunden an Antikörper – ausreicht, die zerstörerische Immunreaktion der T-Zellen bei MS langanhaltend zu deaktivieren. Die Ergebnisse wurden in der aktuellen Ausgabe der Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht.

Um den Mechanismus hinter der Methode herauszufinden, wurden winzige Mengen eines von mehreren Autoantigenen (kleine Proteine), die unsere Nervenbahnen ungeben und elektrisch isolieren, an den Antikörper anti-DEC-205 gekoppelt. „Mit diesem Komplex wurden dann unreife Dendritische Zellen – weitere Zellen des Immunsystems – versorgt. Der Antikörper erkennt Oberflächenmoleküle von Dendritischen Zellen, welche dann die Antigene den zerstörerischen T-Zellen präsentieren“, erklärt Dr. Kretschmer. Dadurch kann die unerwünschte Funktion dieser autoimmunen T-Zellen inaktiviert werden. Nach der Lieferung der Antigene waren Mäuse vor der Erkrankung „Experimental Autoimmune Encephalomyelitis (EAE)“, die der menschlichen Krankheit MS in vielen Aspekten gleicht, langfristig geschützt. Sie zeigten keine Krankheitsanzeichen.

Diese Methode wurde von Karsten Kretschmer und seiner Forschungsgruppe auch schon in früheren Studien bei der Autoimmunerkrankung Typ-1-Diabetes angewandt (siehe CRTD Pressemitteilung vom 7. Juli 2010). Herkömmliche T-Zellen konnten durch zielgerichtete Lieferung von Insulin an Dendritische Zellen in rettende regulatorische T-Zellen umgewandelt werden, die vor Typ-1-Diabetes schützten.

In der vorliegenden Studie wurden die zerstörerischen T-Zellen sowohl deaktiviert also auch in regulatorische T-Zellen umgewandelt. Für therapeutische Ansätze könnten sich die Wissenschaftler vorstellen, dass man eine Mischung von mehreren unterschiedlichen, an DEC-205 Antikörper gekopplete Autoantige kombiniert, um die Wirkung dieser vorbeugenden Behandlung weiter zu verbessern.

Zukünftige Studien konzentrieren sich auf die Frage, ob diese Impfung gegen Autoimmunkrankheiten auch geeignet ist, bereits ausgebrochene Erkrankungen zu mildern oder sogar zu heilen.

Joel N. H. Stern, Derin B. Keskin, Zenichiro Kato, Hanspeter Waldner, Sonja Schallenberg, Ana Anderson, Harald von Boehmer, Karsten Kretschmer, Jack L. Strominger: Promoting tolerance to proteolipid protein-induced experimental autoimmune encephalomyelitis through targeting dendritic cells. Proceedings of the National Academy of Sciences. 2010. Doi: 10.1073/pnas.1010263107

Kontakt für Journalisten:
Katrin Boes, Pressesprecherin CRTD
Tel.: 0351 463 40347, E-Mail: katrin.boes@crt-dresden.de
Karsten Kretschmer, Forschungsgruppenleiter am CRTD
Tel.: 0351 458 6442, E-Mail: karsten.kretschmer@crt-dresden.de

Katrin Boes | idw
Weitere Informationen:
http://www.crt-dresden.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress
23.02.2018 | Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

nachricht Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren
23.02.2018 | Max-Planck-Institut für molekulare Genetik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics