Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eine Million Euro für die Erforschung molekularer Ursachen neuropsychiatrischer Krankheiten

23.12.2010
Leibniz-Graduate-School für neurowissenschaftliche Forschung an Uni Magdeburg bewilligt

Wissenschaftler der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (OVGU) und des Leibniz-Instituts für Neurobiologie Magdeburg haben für den Aufbau einer gemeinsamen Graduiertenschule, der Leibniz-Graduate-School, eine Million Euro aus dem „Pakt für Forschung und Innovation“ der Leibniz-Gemeinschaft erhalten. Damit hat sich die Graduiertenschule im hoch kompetitiven Wettbewerbsverfahren der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL) durchgesetzt und wird über die nächsten vier Jahre finanziert.

Ziel des neurowissenschaftlichen Forschungsverbundes ist es, neuronale Netzwerke und deren krankhafte Veränderungen zu untersuchen, um Ursachen von Lern- und Gedächtnisstörungen zu erforschen. Langfristig wollen die Wissenschaftler durch das Verständnis von Abläufen bei neuropsychiatrischen Krankheiten, wie Parkinson oder Morbus Alzheimer, zur Entwicklung neuer Therapieansätze beitragen.

Unter Federführung des Leibniz-Instituts für Neurobiologie Magdeburg werden Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät und der Fakultät für Naturwissenschaften der Universität Magdeburg kleinste Bausteine neuronaler Netzwerke, so genannte Synapsen, untersuchen und deren Bedeutung bei Verschaltungs- und Lernmechanismen mit modernsten Ansätzen der Human-, Maus- und Fliegengenetik erforschen.

An der neuen Graduiertenschule werden zudem Doktoranden und Masterstudenten, die sich mit genetisch bedingten, krankhaften Veränderungen an den Synapsen und mit Verschaltungsstörungen im Zentralen Nervensystem befassen, umfassend auf dem Gebiet der Neurogenetik ausgebildet. Damit wird die Leibniz-Graduate-School eine Lücke im Magdeburger Forschungs- und Ausbildungskonzept zwischen dem Studiengang ‚Integrative Neuroscience’, dem DFG-Graduiertenkolleg 1167 ‚Zell-Zell-Kommunikation im Nerven- und Immunsystem’ sowie den DFG-Sonderforschungsbereichen 779 ‚Neurobiologie motivierten Verhaltens’ und 854 ‚Molekulare Organisation der Zellulären Kommunikation im Immunsystem’ schließen.

Die Leibnitz-Graduate-School wird im April 2011 mit acht Doktoranden und fünf Masterstudierenden starten. Die Ausschreibung der Stellen befindet sich in Vorbereitung.

Hintergrund
Synapsen sind Schlüsselstrukturen der Kommunikation im Nervensystem. Sie bilden sich während der Hirnentwicklung zunächst spontan aus und werden in einem anschließenden Reifungsprozess des heranwachsenden Organismus weiter auf- und umgebaut, bis ein leistungsfähiges Gehirn entstanden ist. Während dieses Reifungsprozesses werden häufig kommunizierende Synapsen stabilisiert, und seltener benutzte Synapsen eliminiert, bis ein komplex verschaltetes neuronales Netzwerk aufgebaut werden konnte.
Solche Netzwerke sind an allen Leistungen unseres Gehirns inklusive Lern- und Gedächtnisvorgängen und der Regulation von kognitiven Prozessen beteiligt. Entsprechend sind Funktionsstörungen von Synapsen bzw. von ihren molekularen Bausteinen, so genannte ‚Synaptopathien’, häufig ursächlich mit neuropsychiatrischen Erkrankungen assoziiert.
Viele dieser ‚Synaptopathien’, wie Formen von mentaler Retardierung, Autismus, Schizophrenie, Epilepsie, Morbus Parkinson oder Morbus Alzheimer, sind genetisch bedingt oder haben eine stark genetische Komponente in ihrer Ausprägung.
Die Erforschung von Tiermodellen, wie Maus und Taufliege, sowie verfeinerte genetische Methoden, wie etwa Technologien der Next-Generation-Sequenzanalyse oder der Funktionsgenomik, haben die Erforschung von Hirnfunktionen und deren Störungen maßgeblich vorangetrieben. Dieser Thematik soll die neue Leibniz-Graduate-School gewidmet sein, die am 1. April 2011 ihre Arbeit aufnehmen wird.

Die acht Teilprojekte werden ganz unterschiedliche Fragestellungen der Synapsenbiologie an Fliege, Maus oder menschlichen Probanden und Patienten bearbeiten und dadurch den Kollegiaten ein möglichst breites Ausbildungsspektrum anbieten.

Ansprechpartner: PD Dr. Constanze Seidenbecher, Leibniz-Institut für Neurobiologie Magdeburg, Tel.: 0391 6263211, -218, E-Mail: constanze.seidenbecher@ifn-magdeburg.de

Katharina Vorwerk | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifn-magdeburg.de

Weitere Berichte zu: Morbus Alzheimer Nervensystem Synapse

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscher finden neue Ansätze gegen Wirkstoffresistenzen in der Tumortherapie
15.12.2017 | Universität Leipzig

nachricht Moos verdoppelte mehrmals sein Genom
15.12.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik