Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Mikrolaboranten

01.07.2013
In Industriestaaten nimmt die Zahl multiresistenter Krankheitserreger drastisch zu.

Um schneller potentielle Heilmittel entwickeln zu können muss der Durchsatz in der Wirkstoffforschung gesteigert werden. Eine vielversprechende Technik dazu sind Biomikrosysteme. Diese kompakten Chipsysteme übernehmen komplette Laborabläufe und ermöglichen einen höheren Probendurchsatz. Sie sparen Platz, Reagenzien, Energie, Analysenaufwand und damit Kosten und Zeit.


Biochip zur Detektion von Krankheitserregern.
IPHT

Die deutschen Experten auf dem Gebiet der Mikrosystemtechnik in den Lebenswissenschaften trafen sich in Jena zur Jahrestagung des Vereins BioMST (Biomikrosystemtechnik). Über 40 Forscher und Anwender des Netzwerkes präsentierten und diskutierten ihre neuesten Erkenntnisse. „Besonders auf der Suche nach neuen Antibiotika werden Biochips zunehmend an Bedeutung gewinnen“, so Dr. Thomas Henkel, der Gastgeber der Veranstaltung und Gruppenleiter für Mikrofluidik am Institut für Photonische Technologien Jena (IPHT). Um neue Wirkstoffe gegen multiresistente Erreger zu finden, baut er mit seiner Gruppe Mikrolabor-Chips, die in schneller Abfolge von Mikroorganismen freigesetzte, bislang unbekannte Naturstoffe auf antimikrobielle Aktivität testen.

Forschungspartner am Leibniz Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie in Jena, an der Universität Jena, am Institut für Bioprozess- und Analysenmesstechnik in Heiligenstadt und an der Technischen Universität Ilmenau konfrontieren mit Hilfe des Chipsystems unbekannte Mikroorganismen mit multiresistenten Erregern. Unter kontrollierten Bedingungen bilden die Mikroorganismen als Abwehrmechanismus sekundäre Metaboliten aus, die dann Grundlage für die Entwicklung neuer Wirkstoffe sind. Viele tausend unterschiedliche Proben werden als mikroskopisch kleine Tropfen (ein Teelöffel fasst ca. 165.000 davon) auf dem Chip erzeugt und in einer Kette durch Kanäle über den Chip geführt, prozessiert und analysiert.

Auf diese Weise lassen sich um ein Vielfaches mehr Proben untersuchen als in den klassischen Titerplatten der Mikrobiologie. Das am IPHT entwickelte System übernimmt eine Schlüsselfunktion beim Auslesen der Interaktionen zwischen Wirkstoffen und Mikroorganismen. Dazu kommen die Kernkompetenzen der IPHT-Forscher zum Tragen, die mit optischen Technologien auch molekulare Informationen mit einer räumlichen Auflösung im Nanometerbereich aus den Proben gewinnen können.

„Um das System zu einem marktreifen Prototypen weiter zu entwickeln, müssen wir neben der anwendungsorientierten Forschung wissenschaftliche Grundlagen schaffen,“ sagt Henkel. Flüssigkeiten in diesem Maßstab zu hantieren, erfordere neue Herangehensweisen. Fragestellungen zur Oberflächenveredlung der Mikrokanäle, der Materialbeschaffenheit und zu kostengünstigen Fertigungs- und Standardisierungsverfahren stehen daher im Fokus der Wissenschaftler des BioMST-Netzwerkes. Ein weiteres Anwendungsgebiet der Mikrosystemtechnik ist die Untersuchung von Nanopartikeln. Im Rahmen der BioMST-Tagung präsentierte Jessica Teuber von der TU Ilmenau die Ergebnisse ihrer Arbeit bei der sie Algen mit verschiedenen Nanopartikeln in einem Mikrosystem konfrontierte. Sie konnte nachweisen, dass die biologische Aktivität von einem komplexen Zusammenspiel, bestehend aus Größe, Form, chemischer Zusammensetzung und Oberflächenstruktur der Nanopartikel abhängt.
Im kommenden Jahr findet die BioMST-Tagung im Rahmen der Festveranstaltungen zum zehnjährigen Bestehen des BioMST-Netzwerkes in Hamburg statt.

Ihr Ansprechpartner:
Dr. Thomas Henkel
Arbeitsgruppenleiter Mikrofluidik
Telefon +49 (0) 3641 · 206-307
Telefax +49 (0) 3641 · 206-399
Thomas.henkel@ipht-jena.de

Dr. Andreas Wolff | IPHT Jena
Weitere Informationen:
http://www.ipht-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Ionen gegen Herzrhythmusstörungen – Nicht-invasive Alternative zu Katheter-Eingriff
20.01.2017 | GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH

nachricht Leibwächter im Darm mit chemischer Waffe
20.01.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise