Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mikroben in der Raumschiff-Werkstatt: Forscher entdecken neues Leben in Reinräumen der NASA und ESA

02.12.2013
Ein internationales Forscherteam hat eine neue Form von Bakterien entdeckt, die in Reinräumen der NASA und der ESA überleben können.

In diesen Reinräumen werden Raumschiffe und Raumsonden gebaut. Gemeinsam mit Kollegen aus den USA konnten die Forscher um Dr. Christine Moissl-Eichinger vom Lehrstuhl für Mikrobiologie der Universität Regensburg die Mikroorganismen bereits an zwei Orten nachweisen, die zudem 4.000 km voneinander entfernt sind: im Kennedy Space Center in Florida/USA und im ESA-Raumfahrtzentrum in Kourou/Französisch-Guyana.


Mikroskopaufnahme von Tersicoccus phoenicis.
Bildnachweis: Dr. Rüdiger Pukall (DSMZ) – Zur ausschließlichen Verwendung im Rahmen der Berichterstattung zu dieser Pressemitteilung.

Die Entdeckung wurde in der Fachzeitschrift „International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology“ veröffentlicht (DOI: 10.1099/ijs.0.047134-0).

Die NASA und die ESA nutzen sterile Reinräume für den Bau von Raumschiffen oder Raumsonden, um jegliche Form der Kontamination bei der Suche nach extraterrestrischem Leben im Vorfeld zu vermeiden. Die entsprechenden Räume werden regelmäßig mit speziellen Chemikalien gereinigt und bei Überdruck gehalten. Ultraviolettes Licht und Hitzebehandlung werden dazu genutzt, um Objekte zu säubern, die in die Räumlichkeiten gelangen. Die Arbeiter müssen zudem Spezialanzüge tragen. „Es ist einer der saubersten Plätze auf Erden“, erklärt der Mikrobiologe Dr. Parag Vaishampayan vom NASA Jet Propulsion Laboratory im kalifornischen Pasadena, der an der neuen Entdeckung maßgeblich beteiligt war.

Allen Sicherheitsvorkehrungen zum Trotz finden sich aber immer wieder Mikroben in den Reinräumen. NASA und ESA nehmen regelmäßig Proben auf der Suche nach möglichen Verunreinigungen durch Bakterien. Allerdings konnte bislang noch kein Organismus an zwei unterschiedlichen und weit voneinander entfernten Orten nachgewiesen werden.

Doch nicht allein deshalb ist das beerenförmige Bakterium Tersicoccus phoenicis ungewöhnlich, das jetzt erstmals entdeckt wurde. Es hat auch weniger als 95 % der genetischen Informationen mit seinen nächstverwandten Balkterien gemeinsam, weshalb Tersicoccus phoenicis nicht nur als neue Art, sondern sogar als neue Gattung klassifiziert wurde.

Die lediglich einen Mikrometer großen Bakterien können sich gut an die in den Reinräumen vorherrschenden extremen Umweltbedingungen – Trockenheit, Nahrungsmangel oder besondere Desinfektionsmittel – anpassen. „Wir sind uns aber derzeit noch nicht sicher, ob Tersicoccus phoenicis nur in Reinräumen zu finden ist, oder ob es auch woanders vorkommt und bislang einfach einer Entdeckung entkommen konnte“, so Dr. Moissl-Eichinger.

Seinen Beinamen hat das Bakterium aber auf jeden Fall seinem ersten Fundort zu verdanken. Während der „Vorname“ auf die lateinischen Begriffe „tersus“ für rein oder sauber und „coccus“ für Beere zurückgeht, bezieht sich der Beiname „Phoenicis“ auf den Phoenix Mars Lander; das Vehikel, das sich in Florida im Bau befand, als das Bakterium erstmals gefunden wurde.

Die biochemische Analyse der Bakterien erfolgte in Kooperation mit Forschern der Deutschen Kulturensammlung (www.dsmz.de). In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum in Köln (DLR) wurde dort bereits eine eigene Sammlung für Raumfahrt-Mikroben aufgebaut (www.dsmz.de/catalogues/catalogue-microorganisms/specific-catalogues/esa-strains.html).

So ist die Entdeckung von Tersicoccus phoenicis auch für die Suche nach extraterrestrischem Leben von Bedeutung. Detaillierte Informationen über die in den Reinräumen vorkommenden Mikroben können dabei helfen zu klären, ob man bei einem neuen Fund wirklich außerirdisches Leben vor sich hat oder lediglich Anzeichen auf blinde Passagiere von der Erde.

Der Originalaufsatz im Netz unter:
http://ijs.sgmjournals.org/content/63/Pt_7/2463.full.pdf
Ansprechpartnerin für Medienvertreter:
Dr. Christine Moissl-Eichinger
Universität Regensburg
Institut für Biochemie, Genetik und Mikrobiologie
Lehrstuhl für Mikrobiologie
Tel.: 0941 943-4534
Christine.Moissl-Eichinger@biologie.uni-regensburg.de

Alexander Schlaak | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-regensburg.de

Weitere Berichte zu: Bakterien ESA Mikrobe Mikrobiologie NASA Raumschiff-Werkstatt Raumsonde Reinräume Tersicoccus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Spot auf die Maschinerie des Lebens
23.08.2017 | Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts, Erlangen

nachricht Immunsystem kann durch gezielte Manipulation des Zellstoffwechsels reguliert werden
23.08.2017 | Medical University of Vienna

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Zukunft des Leichtbaus: Mehr als nur Material einsparen

23.08.2017 | Veranstaltungen

Logistikmanagement-Konferenz 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Spot auf die Maschinerie des Lebens

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die Sonne: Motor des Erdklimas

23.08.2017 | Physik Astronomie

Entfesselte Magnetkraft

23.08.2017 | Physik Astronomie