Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mikroben-Matten der Größe Griechenlands gefunden

19.04.2010
Meereszählung: Überraschungen bei Zwerglebewesen am Ozeangrund

Bevor am 4. Oktober 2010 das finale Ergebnis des Census of Marine Life der Zählung aller Lebewesen in den Meeren - veröffentlicht wird, weisen Forscher erneut auf die Bedeutung von Mikroben und Zwerglebewesen in den Ozeanen hin. "Diese Lebewesen sind für das Leben auf der Erde immens wichtig", betont der Biologe Paul Snellgrove vom Ocean Science Centre an der Memorial University in Neufundland im pressetext-Interview.

Bei Untersuchungen vor der Westküste Südamerikas sind Wissenschaftler in mittleren Tiefen auf Mikrobenmatten gestoßen, die der Größe von Griechenland entsprechen. "Diese Lebensgemeinschaften gehören zu den größten Lebensmassen des Planeten überhaupt", erklärt der Wissenschaftler Ron O'Dor von der Dalhousie University http://www.dal.ca gegenüber pressetext.

Schlüsselrolle in der Nahrungskette

"Unsere Untersuchungen mit dem modernsten technischen Equipment erlauben erstmals einen Einblick in die Welt der Mikroben", so Snellgrove. Bisher sei nicht abschätzbar gewesen, welche wichtige Rolle sie im Meer überhaupt spielen. Ihre gesamte Zahl dürfte bei Quintillionen (eine eins mit 30 Nullen dahinter) liegen. "Diese Lebewesen machen zwischen 50 und 90 Prozent der gesamten Biomasse in den Ozeanen aus", erklärt der Forscher. "Aufgrund ihrer großen Menge spielen sie auch eine Schlüsselrolle in der Nahrungskette."

Ein Forschungsprojekt von Victor Gallardo, dem Vize-Vorsitzenden des Census Scientific Steering Committee, in Chile und O'Dor hat ergeben, dass verschiedene mikrobielle Ökosysteme in Schwefelwasserstoff-Umgebungen gut wachsen und gedeihen. "Das sind Bedingungen, die auf der Erde vor 2,5 Mrd. bis 650 Mio. Jahren vorgeherrscht haben", so O'Dor. "In mittleren Tiefen ist der Sauerstoffgehalt aufgrund verschiedener physikalischer Effekte sehr gering. Hier gibt es nur sehr wenige Lebewesen", erklärt O'Dor. Hier haben die Forscher riesige Matten von Mikroben entdeckt.

Große Mikroben in großer Zahl

"Üblicherweise sind Mikroben klein. Doch unsere Funde haben gezeigt, dass sie zwischen zwei und sieben Zentimeter groß werden", so der Wissenschaftler. Gefunden wurden diese Matten am Kontinentalschelf vor der Küste Chiles. "Wir gehen davon aus, dass sie in sauerstoffarmen Zonen bis Panama vorkommen und wahrscheinlich sogar in anderen sauerstoffarmen Meeresgebieten." Die Forscher nehmen an, dass menschliches Zutun die Bildung solcher Mikrobenmatten ebenfalls fördern kann.

Obwohl die Mikrobenmatten per se nicht gefährlich sind, sind sie anderen Lebensformen gegenüber nicht freundlich, wie O'Dor meint. "Denn andere Lebewesen überleben unter diesen Bedingungen eben nicht." Welche Rolle diese Mikrobenmatten im Meer spielen, ist den Forschern unklar. "Unter dem Aspekt, dass die Biomasse der Mikroben so groß ist, gibt es auch Hinweise darauf, dass sie im gesamten Nahrungskreislauf eine Rolle spielen."

Schwämme mit 3.000 verschiedenen Bakterien

Ein Forscherteam am Great Barrier Reef in Australien hat bei Untersuchungen an Meeresschwämmen festgestellt, dass hier fast 3.000 Bakterienarten vorkommen. "Alleine die Verfolgung und Visualisierungen solcher komplexen Populationen waren vor zehn Jahren noch nicht möglich", so John Baross von der University of Washington und Vorsitzender des Scientific Advisory Council der International Census of Marine Microbes IcoMM.

Die Zahl der marinen Viren könnte die Zahl der Mikroben sogar noch übersteigen. "Der erste Zensus von solchen Viren sollte also ein Ziel der kommenden Dekade sein", meint der Forscher.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.coml.org
http://www.ucs.mun.ca

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Besser lernen dank Zink?
23.03.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Raben: "Junggesellen" leben in dynamischen sozialen Gruppen
23.03.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen