Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

MHH-Wissenschaftler finden Mittel gegen Fibroseentwicklung nach Herztransplantation

26.02.2016

Im Tierversuch erfolgreich: Forscher hemmen schädliche microRNA

Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben eine Therapiemöglichkeit gegen die häufig nach Herztransplantationen auftretende Fibroseentwicklung im Spenderorgan (Allograft) gefunden. Das Team um Professor Dr. Dr. Thomas Thum hat einen Weg entdeckt, um eine bestimmte microRNA auszuschalten, die für die Steuerung der gefährlichen Bindegewebseinlagerung in das Spenderherz verantwortlich ist. Die Ergebnisse wurden jetzt im Forschungsjournal „Cardiovascular Research“ veröffentlicht.


Janika Viereck, Postdoc, (links) und Shambhabi Chatterjee, PhD-Studentin im Institut von Professor Thum, wie sie wichtige biologisches Proben in flüssigem Stickstoff lagern.

"Foto:MHH/Kaiser"

„Wir haben festgestellt, dass in Patienten, die nach einer Herztransplantation starke Abstoßungsreaktionen zeigen, die Konzentration einer bestimmten microRNA namens MiR-21 deutlich erhöht ist“, erklärt Professor Thum, Leiter des Instituts für Molekulare und Translationale Therapiestrategien, das an der MHH unter anderem in das Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum Transplantation (IFB-Tx) und den Exzellenzcluster REBIRTH eingebunden ist.

Eine Herztransplantation ist die einzige Heilungsmöglichkeit bei drohendem Herzversagen durch chronische Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Doch dieser Eingriff kann eine Reihe von Komplikationen nach sich ziehen. Eine der häufigsten ist die Entwicklung einer Fibrose.

Dabei wird das körperfremde Spenderorgan umgebaut und verstärkt Bindegewebe in den Herzmuskel eingelagert. Der Herzmuskel wird weniger elastisch, die Pumpleistung sinkt, die Gefahr von Herzrhythmusstörungen steigt.

MiR-21 fördert Abstoßungsreaktionen

Für diese Entwicklung sind offenbar microRNAs von entscheidender Bedeutung. Dabei handelt es sich um kleine, nicht-codierende Ribonukleinsäuren, die zwar keine genetische Information enthalten, aber die eine wichtige Rolle bei der Genregulation spielen. „Wir haben die Rolle von MiR-21 untersucht“, sagt Professor Thum.

Diese microRNA wird offenbar durch die Produktion von Interleukin-6 beeinflusst, einem körpereigenen Eiweiß, das entscheidend an immunologischen Reaktionen und bei Abstoßungsreaktionen nach einer Transplantation beteiligt ist. MiR-21 wiederum aktiviert ein genetisches Programm, das den Fibroseprozess im transplantierten Herzen auslöst.

„Wir haben eine pharmakologische Behandlungsmöglichkeit gefunden, um bei Tieren nach Herztransplantation einen Fibroseschutz zu erreichen“, sagt Thum. Die Wissenschaftler behandelten die Transplantate mit der Nukleinsäure LNA-21, die MiR-21 hemmt. Die Folge: Nach der Transplantation entwickelten die Spenderorgane deutlich weniger Fibrose. Thum vermutet, dass der MiR-21-Hemmer generell ein großes therapeutisches Potenzial hat.

„Wir nehmen an, dass LNA-21 auch bei anderen Fibroseprozessen erfolgreich eingesetzt werden kann, und nach Organtransplantationen die Fibroseneigung generell ausschalten könnte“, erklärt er. In den USA wird der pharmakologische Inhibitor derzeit bei Patienten mit Nierenfibrose untersucht.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Professor Dr. Dr. Thomas Thum, Telefon (0511) 532-5272, thum.thomas@mh-hannover.de

Stefan Zorn | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht 'Fix Me Another Marguerite!'
23.06.2017 | Universität Regensburg

nachricht Schimpansen belohnen Gefälligkeiten
23.06.2017 | Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften