Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

MHH-Neuroanatomen entdecken molekularen Mechanismus für die Regulation der Zellkernstruktur

20.07.2009
Neue Perspektiven für die Erforschung der Spinalen Muskelatrophie bei Kindern / Veröffentlichung in "Proceedings of the National Academy of Sciences USA"

Sie fliegen durch den Zellkern wie Ufos: Körperchen im Zellkern. Professor Dr. Peter Claus und sein Team vom Institut für Neuroanatomie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben einen neuen Mechanismus entdeckt, der für die Stabilität dieser sehr beweglichen Strukturen verantwortlich ist.

Diese Kernkörperchen sind bei Patienten mit der häufig tödlich verlaufenden Erkrankung spinale Muskelatrophie verändert. Die Ergebnisse hat jetzt die renommierte Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences USA" in ihrer Online-Ausgabe veröffentlicht (http://www.pnas.org/content/early/2009/07/16/0900122106.full.pdf+html). Diese Untersuchungen werfen ein neues Schlaglicht auf die Ursachen der Erkrankung.

Die Spinale Muskelatrophie wird durch die Mutation eines Gens hervorgerufen und ist die häufigste genetische Todesursache bei Kindern. Bei dieser Erkrankung degenerieren die motorischen Nervenzellen im Rückenmark, bei einem schweren Verlauf sterben die betroffenen Kinder früh. Jeder vierzigste Mensch ist ein Träger dieses defekten Gens und eines von 6000 Kindern ist von der Krankheit betroffen.

Eine Therapie ist bisher nicht verfügbar. Das von dem betroffenen Gen kodierte Protein findet sich im Zellkern in punktförmigen Strukturen. Bei den Patienten sind Anzahl und Struktur dieser Kernkörperchen verringert. "Wir haben einen neuen Mechanismus entdeckt, der diese Kernstrukturen durch ein anderes Protein destabilisiert", erklärt Professor Claus. "Dieser sogenannte Wachstumsfaktor wird von Nervenzellen eigentlich zur Kommunikation untereinander verwendet. Überraschenderweise gelangt das Molekül aber in den Zellkern und verringert dort direkt die Anzahl der Kernkörperchen", sagt Professor Claus weiter.

Noch ist nicht bekannt, wie der neue Faktor in die Entstehung der Spinalen Muskelatrophie eingreift. Möglicherweise reguliert der Wachstumsfaktor durch die Bindung an das betroffene Protein dessen normale Funktionen. Dies soll nun in einer weiteren Studie untersucht werden. "Ein wichtiges Ziel ist natürlich die Entwicklung einer Therapie für die sehr schwer erkrankten Kinder", betont Professor Claus.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Professor Dr. Peter Claus, MHH-Institut für Neuroanatomie, claus.peter@mh-hannover.de; www.mh-hannover.de/neuroanatomie.html; Telefon (0511) 532-2932. Ein Profil der Arbeitsgruppe in Englisch finden Sie unter http://www.zsn-hannover.de/Profil_Claus_neu%2006%202009.pdf

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de/
http://www.zsn-hannover.de/Profil_Claus_neu%2006%202009.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neuer Mechanismus der Gen-Inaktivierung könnte vor Altern und Krebs schützen
23.02.2017 | Leibniz-Institut für Alternsforschung - Fritz-Lipmann-Institut e.V. (FLI)

nachricht Alge im Eismeer - Genom einer antarktischen Meeresalge entschlüsselt
23.02.2017 | Universität Konstanz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus

23.02.2017 | Förderungen Preise

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor

23.02.2017 | Physik Astronomie