Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

MHH-Forscher können aus Nabelschnurblut Stammzellen herstellen, die nahezu unbegrenzt vermehrbar sind

05.10.2009
Aus ihnen können alle Zellarten entstehen / Hoffnung auf neue Therapien / Veröffentlichung im Magazin Cell Stem Cell

Wissenschaftlern der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ist es gelungen, aus Zellen des menschlichen Nabelschnurblutes so genannte induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen) herzustellen.

Diese können sich - wie embryonale Stammzellen - zu allen Zellen des Körpers weiterentwickeln. Somit sind sie Hoffnungsträger für Therapien zahlreicher Krankheiten. Das Team um Professor Dr. Ulrich Martin, stellvertretender Koordinator des Exzellenzclusters REBIRTH, veröffentlichte seine Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe des renommierten Magazins Cell Stem Cell. Erstautorin ist die Biologin Alexandra Haase. Es ist die erste Publikation aus Deutschland zu menschlichen induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS).

Bereits im Jahre 2007 gelang es japanischen Forschern, aus menschlichen Zellen von Erwachsenen iPS-Zellen herzustellen. Diese Zellen sind im Hinblick auf ihr Vermehrungspotential und ihre Fähigkeit, sich in unterschiedlichste Zelltypen zu entwickeln, den so genannten embryonalen Stammzellen (ES-Zellen) vergleichbar. Im Gegensatz zu den aus Embryonen gewonnenen ES-Zellen sind sie jedoch ethisch unbedenklich. Zudem würden sie bei einer therapeutischen Anwendung nicht vom Körper des Patienten abgestoßen werden, insofern es sich um seine eigenen Zellen handelt.

Vermutlich bergen iPS-Zellen, welche aus älteren Patienten hergestellt werden, allerdings ein bisher unbeachtetes Risiko: Im Laufe des Lebens reichern sich, beispielsweise aufgrund von Umwelteinflüssen, in den Körperzellen fehlerhafte Gene an. Solche Mutationen betreffen auch die aus ihnen hervorgehenden Zellen und könnten nach einer Transplantation zum Beispiel zur Bildung unerwünschter Tumore führen. Die MHH-Forscher haben deshalb eine sehr junge Zellquelle, das Nabelschnurblut, verwendet - welches nach der Abnabelung des Kindes entnommen werden kann.

Die Zellen, die das Team zur Stammzellherstellung verwendet, sind im Nabelschnurblut vorhandene so genannten Endothelzellen. Um aus ihnen iPS-Zellen zu machen, "reprogrammieren" die Wissenschaftler sie. Dazu isolieren sie die Endothelzellen zunächst aus dem Blut und schleusen anschließend mit Hilfe von Viren bestimmte Gene in sie ein. Diese Gene bewirken, dass die Zellen verstärkt bestimmte Eiweißstoffe - so genannte Transkriptionsfaktoren - produzieren und dadurch in einen embryonalen Zustand versetzt werden.

"Bisher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch Nutzen aus seinem eigenen aufbewahrten Nabelschnurblut zieht, extrem gering. Eingelagertes Nabelschnurblut wurde bisher vor allem zur Therapie von Leukämien verwendet", erläutert Professor Martin. Er hofft jedoch, dass mit den iPS Zellen in zehn bis fünfzehn Jahren viele weitere Anwendungsmöglichkeiten bestehen. Neben den eigenen Zellen, dessen Einlagerung schon heutzutage von kommerziellen Nabelschnurblutbanken angeboten wird, könnte eine Behandlung auch mit den iPS-Zellen eines fremden Spenders durchgeführt werden, wenn, wie bei der Knochenmarkstransplantation üblich, möglichst gut passende Zellen ausgewählt würden, erläutert der Biologe.

"Wir gehen davon aus, dass sich die iPS-Zellen zur Therapie von Herzkreislauferkrankungen, besonders dem Herzinfarkt und zur Herstellung von Ersatzgewebe, beispielsweise in der Orthopädie, eignen werden", sagt REBIRTH-Sprecher Professor Dr. Axel Haverich.

"Die Herstellung und Verwendung von iPS-Zellen hat sich innerhalb des Exzellenzclusters REBIRTH, einem der in Europa führenden Zentren für regenerative Medizin, und an der MHH bereits zu einem Schwerpunktthema entwickelt", sagt Professor Martin. Die Forscher haben für Projekte bereits Drittmittel in Höhe von mehr als 2,6 Millionen Euro eingeworben.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Professor Dr. Ulrich Martin, Telefon (0511) 532-8821.

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Treibjagd in der Petrischale
24.11.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

nachricht Dinner in the Dark – ein delikates Wechselspiel der Mikroorganismen
24.11.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Metamaterial mit Dreheffekt

Mit 3D-Druckern für den Mikrobereich ist es Forschern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gelungen ein Metamaterial aus würfelförmigen Bausteinen zu schaffen, das auf Druckkräfte mit einer Rotation antwortet. Üblicherweise gelingt dies nur mit Hilfe einer Übersetzung wie zum Beispiel einer Kurbelwelle. Das ausgeklügelte Design aus Streben und Ringstrukturen, sowie die zu Grunde liegende Mathematik stellen die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Science vor.

„Übt man Kraft von oben auf einen Materialblock aus, dann deformiert sich dieser in unterschiedlicher Weise. Er kann sich ausbuchten, zusammenstauchen oder...

Im Focus: Proton-Rekord: Magnetisches Moment mit höchster Genauigkeit gemessen

Hochpräzise Messung des g-Faktors elf Mal genauer als bisher – Ergebnisse zeigen große Übereinstimmung zwischen Protonen und Antiprotonen

Das magnetische Moment eines einzelnen Protons ist unvorstellbar klein, aber es kann dennoch gemessen werden. Vor über zehn Jahren wurde für diese Messung der...

Im Focus: New proton record: Researchers measure magnetic moment with greatest possible precision

High-precision measurement of the g-factor eleven times more precise than before / Results indicate a strong similarity between protons and antiprotons

The magnetic moment of an individual proton is inconceivably small, but can still be quantified. The basis for undertaking this measurement was laid over ten...

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mathematiker-Jahrestagung DMV + GDM: 5. bis 9. März 2018 an Uni Paderborn - Über 1.000 Teilnehmer

24.11.2017 | Veranstaltungen

Forschungsschwerpunkt „Smarte Systeme für Mensch und Maschine“ gegründet

24.11.2017 | Veranstaltungen

Schonender Hüftgelenkersatz bei jungen Patienten - Schlüssellochchirurgie und weniger Abrieb

24.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mathematiker-Jahrestagung DMV + GDM: 5. bis 9. März 2018 an Uni Paderborn - Über 1.000 Teilnehmer

24.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Maschinen über die eigene Handfläche steuern: Nachwuchspreis für Medieninformatik-Student

24.11.2017 | Förderungen Preise

Treibjagd in der Petrischale

24.11.2017 | Biowissenschaften Chemie