Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

MHH-Forscher erkunden Zell-Zell-Kommunikation

19.11.2010
Infizierte Epithelzellen geben Information an benachbarte Epithelzellen weiter / Veröffentlichung in Fachzeitschrift PLoS Pathogens

Meldet eine Zelle den umliegenden Zellen, wenn sie von einem Krankheitserreger infiziert wurde? Und wenn ja, wie wird diese Information weitergegeben?


Die Abbildung zeigt, dass Listeria monocytogenes (Rot)-infizierte polarisierte Darmepithelzellen (Zellkerne in Blau) reaktive Sauerstoffradikale (Grün) produzieren. Die Bildung reaktiver Sauerstoffradikale erlaubt die indirekte Aktivierung benachbarter Epithelzellen und damit eine kooperative Wirtsabwehr. Quelle M. Hornef/MHH

Diesen Fragen sind Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) um Professor Dr. Mathias Hornef vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene nachgegangen.

Sie konnten zeigen, dass eine Zelle, die von krankheitserregenden Bakterien infiziert wurde, diese Botschaft tatsächlich an die umliegenden Nachbarzellen weitergibt. Darüber hinaus konnten sie den Mechanismus der Zell-Zell-Kommunikation identifizieren. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher jetzt in der Fachzeitschrift „PLoS Pathogens“. Erstautor ist Tamas Dolowschiak, PhD-Student aus Ungarn im Zentrum für Infektionsbiologie der MHH.

Die Forscher infizierten Dünndarm-Epithelzellen mit den Listeria monocytogenes. Diese Bakterien werden mit Lebensmitteln aufgenommen und können Listeriose verursachen – eine Erkrankung, die beim Menschen tödlich enden kann. Obwohl ausschließlich infizierte Zellen die Bakterien erkannten, antworteten vor allem die umliegenden nicht-infizierten Epithelzellen mit der Produktion von Botenstoffen. Die Aktivierung der umliegenden nicht-infizierten Zellen war abhängig vom Enzym NADPH Oxidase 4, das die Bildung reaktiver Sauerstoff-Intermediate (ROIs) und die Weitergabe der Information einer Infektion ermöglichte. Der Befund könnte eine Bedeutung auch für andere Infektionserkrankungen haben, da alle Bakterien durch ähnliche Mechanismen des angeborenen Immunsystems erkannt werden und sich die initiierten Signalwege ähneln.

„Im Hinblick auf zukünftige Therapien wäre es theoretisch möglich, diese Kommunikation bei Infektionen, eventuell sogar bei nicht-infektiösen Entzündungsprozessen, zu beeinflussen“, sagt Professor Hornef. Wichtig sei der Befund aber insbesondere für das grundlegende Verständnis der nach einer Infektion stimulierten zellulären Prozesse. Bei herkömmlichen Analysen wird meist die Antwort sowohl der infizierten als auch der nicht-infizierten Zellen gemeinsam analysiert. Die neuen Ergebnisse legen jetzt nahe, dass beide getrennt voneinander untersucht werden müssen, da in ihnen verschiedene Prozesse ablaufen.

Weitere Informationen erhalten Sie von Professor Dr. Mathias Hornef, Telefon (0511) 532-4540, hornef.mathias@mh-hannover.de Die Originalarbeit finden Sie unter http://www.plospathogens.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.ppat.1001194

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de
http://www.plospathogens.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.ppat.1001194

Weitere Berichte zu: Bakterien Epithelzelle Hornef Infektion Zell-Zell-Kommunikation Zelle pathogens

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen
09.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP

nachricht Wolkenbildung: Wie Feldspat als Gefrierkeim wirkt
09.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Speicherdauer von Qubits für Quantencomputer weiter verbessert

09.12.2016 | Physik Astronomie