Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mexikanische Arbeiterhummeln übernehmen königliche Aufgaben

19.08.2011
Nicht nur der Mensch ist ein soziales Wesen, auch im Tierreich gibt es viele Arten, die ohne soziales Verhalten nicht überleben könnten.

„Arbeiterinnen eines Hummelstaats unterstützen zum Beispiel die Königin bei der Brutpflege“, erklärt Anett Huth-Schwarz, Molekularökologin an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). Trotzdem gebe es nicht nur Kooperationen im Hummelstaat, sondern auch Konflikte – beispielsweise bei der Produktion der Männchen, die meist von der Königin dominiert werde. Die Forscherin hat herausgefunden, dass der Konflikt um die Reproduktion bei einer tropischen Hummelart ganz anders endet als bei europäischen Hummeln.


Hummeln der mexikanischen Art „Bombus wilmattae“.
Foto: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Dr. Frank Bernhard Kraus

Die meisten Männchen der mexikanischen Art „Bombus wilmattae" stammen - im Unterschied zu europäischen HummelnArten - von Arbeiterinnen und nicht von der Königin. Eine weitere Besonderheit: „Einige Königinnen dieser Art paaren sich mit mehreren Männchen - und nicht wie bei vielen anderen Arten nur mit einem. Das bedeutet auch, dass der Hummelstaat durch die höhere genetische Variabilität besser gegen Parasiten geschützt sein kann", erläutert Anett Huth-Schwarz. Warum in den fünf von ihr untersuchten Kolonien die Männchen überwiegend von den Arbeiterinnen stammen, ist eine neue Forschungsfrage, die sich aus ihren Untersuchen ergibt.

Mit der Hilfe der Kollegen vor Ort sammelte die Doktorandin in den mexikanischen Bergen 120 Hummeln aus fünf Kolonien. Diese Hummelnester konnten nur in Schutzkleidung aus dem Boden ausgehoben werden. „Mexikanische Hummeln sind aggressiver als deutsche. Wenn man sich ihrem Nest nähert, greifen sie an." In Halle untersuchte Huth-Schwarz die Insekten dann mit molekulargenetischen Methoden auf ihre Verwandtschaftsbeziehungen und unter dem Mikroskop auf Darmparasiten.

„Dazu entnehme ich den Darm der Hummel. Er wird zerkleinert und auf Sporen von Parasiten untersucht", erläutert die Diplombiologin. „Bombus wilmattae" war zwar nicht von dem speziellen Parasiten befallen, den sie für ihre Promotion bereits bei schwedischen und deutschen Hummeln untersucht hat. Dafür waren die genetischen Beziehungen unter den Hummeln aber so außergewöhnlich, dass Huth-Schwarz sie gemeinsam mit Kollegen kürzlich in der Fachzeitschrift „Frontiers in Zoology" veröffentlicht hat. Die Beziehung zwischen Arbeiterinnen und Königin werden vor allem von Soziobiologen erforscht, um die sozialen Strukturen in einem Hummelstaat zu verstehen. „Die übergeordnete Frage dahinter lautet: Warum unterstützten sich Tiere? Warum hat sich im Tierreich Sozialität entwickelt?", erläutert die Molekularökologin.

Anett Huth-Schwarz hat an der MLU Biologie studiert und promoviert seit 2008 im Institutsbereich für Zoologie, AG Molekulare Ökologie. Sie ist Higrade-Stipendiatin am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung im Department Biozönoseforschung. Ihr Aufenthalt in Mexiko kam durch eine Kooperation der MLU mit dem mexikanischen Forschungszentrum EcoSur zustande.

Die Veröffentlichung in „Frontiers in Zoology":
http://www.frontiersinzoology.com/content/8/1/13
(doi: 10.1186/1742-9994-8-13)
Ansprechpartnerin:
Anett Huth-Schwarz
Molekulare Ökologie
Telefon: 0345-55 26219
E-Mail: anett.huth@zoologie.uni-halle.de

Carsten Heckmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-halle.de
http://www.mol-ecol.uni-halle.de/staff/huth-a/
http://www.frontiersinzoology.com/content/8/1/13

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise