Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

MERS-Coronavirus von Kamel auf Mensch übertragbar

02.05.2014

Das MERS-Coronavirus breitet sich derzeit in der arabischen Welt rasant aus. Eine Infektion betrifft Menschen wie auch Dromedare und kostete mittlerweile mehr als 100 Personen das Leben. Forschende der Vetmeduni Vienna zeigen, dass MERS-Coronaviren von Menschen und Dromedaren aus derselben geografischen Region fast identisch sind. Die Erkenntnisse sprechen für eine Übertragung zwischen Tier und Mensch und wurden im Journal Eurosurveillance veröffentlicht.

Das so genannte Middle East Respiratory Syndrome (MERS)-Coronavirus wurde im Juni 2012 erstmals in einem Patienten aus Saudi Arabien, der an einer schweren Lungenentzündung litt, gefunden. Seither erkrankten mehr als 300 Menschen an einer Infektion, wovon etwa ein Drittel starb. Dass Dromedare der Ursprung der Infektionskrankheit sind, gilt seit Kurzem als bestätigt. Die Übertragungswege der Viren sind bislang jedoch noch unklar.


Der Kontakt zwischen Dromedar und Mensch birgt das Krankheitsrisiko.

Foto: Norbert Nowotny / Vetmeduni Vienna

Viren von Menschen und Kamelen aus derselben Region sind identisch

Die Virologen Norbert Nowotny und Jolanta Kolodziejek vom Institut für Virologie an der Vetmeduni Vienna erforschen die Übertragungswege des MERS-Coronavirus. Sie fanden, dass Viren aus infizierten Menschen und Dromedaren aus derselben Region fast identische RNA-Sequenzen aufweisen. „Das deutet auf eine Übertragung zwischen Tier und Mensch hin. In diesem Fall spricht man von einer sogenannten Zoonose. Mit diesem Wissen können wir gezielt auf die Ausbreitung des Virus reagieren. Es sind etwa Impfungen von Kamelen im Gespräch. So könnte eine Verbreitung gebremst werden“, führt Nowotny weiter aus.

Virus-RNA unterscheidet sich regional

Die Forschenden aus Wien untersuchten dazu Nasenschleimhaut- und Bindehautabstriche von 76 Dromedaren aus dem Oman. In fünf Tieren fanden sie das MERS-Coronavirus und verglichen die virale RNA mit jener von MERS-Coronaviren aus Katar und Ägypten. Die Analyse zeigte, dass sich die Viren regional unterscheiden. „Dies bedeutet, dass es keinen spezifischen „Kamel-MERS-Coronavirus-Stamm“ gibt, sondern dass ein und das selbe Virus Kamele und Menschen infiziert“, so Studienleiter Norbert Nowotny.

Übertragungsweg über Mund und Augen wahrscheinlich

Die Virus-Mengen im Nasen- und Augensekret der Dromedare waren überraschend hoch. Die Forschenden gehen deshalb davon aus, dass der Übertragungsweg von Tier auf Mensch höchstwahrscheinlich über diese Kontaktstellen passiert, vor allem über Nasensekret.

Das Virus führt beim Menschen zu schweren Lungenentzündungen und zu Nierenversagen, während Kamele keine oder kaum Symptome - eventuell Nasenausfluss - zeigen. Bisher fanden alle Infektionen beim Menschen auf der Arabischen Halbinsel statt. Einige erkrankten allerdings erst nach der Rückkehr in ihre Heimatländer, davon bisher elf in Europa. Das MERS-Coronavirus wird auch von Mensch zu Mensch übertragen, zum Beispiel in Familien, bei Veranstaltungen aber auch beim Kontakt zwischen Patienten und medizinischem Personal.

MERS- und SARS-Coronaviren sind Verwandte

Das MERS-Coronavirus ist eng mit dem SARS-Coronavirus verwandt. SARS nahm seinen Ursprung in China und forderte in den Jahren 2002 und 2003 über 800 Todesfälle weltweit. „Während das SARS-Coronavirus vermutlich nur einmal die Artenbarriere übersprang, indem es von Fledermäusen auf den Menschen überging, müssen wir beim MERS-Coronavirus von laufenden Übertragungen von Kamelen auf Menschen ausgehen“, erläutert Nowotny.

Dass MERS-Coronaviren Dromedare infizieren, zeigten Nowotny und KollegInnen bereits in einer früheren Studie, in der sie Antikörper gegen das Virus in den Tieren nachwiesen. Link zur Studie: http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1473309913701646 Die aktuelle genetische Analyse der MERS-Coronaviren selbst lässt nun noch genauere Rückschlüsse zu.

Der Artikel “Middle East respiratory syndrome coronavirus (MERS-CoV) in dromedary camels, Oman, 2013” von Nowotny N. und Kolodziejek J. wurde im Journal Eurosurveillance veröffentlicht. http://www.eurosurveillance.org/ViewArticle.aspx?ArticleId=20781

Über die Veterinärmedizinische Universität Wien
Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ist eine der führenden veterinärmedizinischen, akademische Bildungs- und Forschungsstätten Europas. Ihr Augenmerk gilt der Tiergesundheit und der Lebensmittelsicherheit. Im Forschungsinteresse stehen die Gesundheit von Tier und Mensch sowie Themen der Tierhaltung und des Tierschutzes. Die Vetmeduni Vienna beschäftigt 1.200 MitarbeiterInnen und bildet zurzeit 2.300 Studierende aus. Der Campus in Wien Floridsdorf verfügt über fünf Universitätskliniken und zahlreiche Forschungseinrichtungen. Zwei Forschungsinstitute am Wiener Wilhelminenberg sowie ein Lehr- und Forschungsgut in Niederösterreich gehören ebenfalls zur Vetmeduni Vienna. http://www.vetmeduni.ac.at

Wissenschaftlicher Kontakt:
Ao.Univ.-Prof. Norbert Nowotny (derzeit im Oman)
Institut für Virologie
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
norbert.nowotny@vetmeduni.ac.at

Aussenderin:
Dr.rer.nat. Susanna Kautschitsch
Wissenschaftskommunikation | Public Relations
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 25077-1153
susanna.kautschitsch@vetmeduni.ac.at

Weitere Informationen:

http://www.vetmeduni.ac.at/de/infoservice/presseinformationen/presseinfo2014/mer...

Dr. Susanna Kautschitsch | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Stammzellen verlassen Blutgefäße in strömungsarmen Zonen des Knochenmarks
17.02.2017 | Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin, Münster

nachricht Der Entropie auf der Spur
17.02.2017 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Im Focus: Weltweit genaueste und stabilste transportable optische Uhr

Optische Strontiumuhr der PTB in einem PKW-Anhänger – für geodätische Untersuchungen, weltweite Uhrenvergleiche und schließlich auch eine neue SI-Sekunde

Optische Uhren sind noch genauer als die Cäsium-Atomuhren, die gegenwärtig die Zeit „machen“. Außerdem benötigen sie nur ein Hundertstel der Messdauer, um eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

Ökologischer Landbau: Experten diskutieren Beitrag zum Grundwasserschutz

17.02.2017 | Veranstaltungen

Von DigiCash bis Bitcoin

16.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Stammzellen verlassen Blutgefäße in strömungsarmen Zonen des Knochenmarks

17.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

LODENFREY setzt auf das Workforce Mangement von GFOS

17.02.2017 | Unternehmensmeldung

50 Jahre JULABO : Erfahrung – Können & Weiterentwicklung!

17.02.2017 | Unternehmensmeldung