Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Menschliches sezerniertes miRNome erstmals umfangreich beschrieben

05.05.2015

In einer aufwendigen Studie haben Biologen der Universität Luxemburg herausgefunden, dass kleine Moleküle namens mikroRNAs sich entgegen vieler Hoffnungen mit heutiger Technik noch nicht zur Früherkennung von Hautkrebs sowie vermutlich anderer Krebsarten in Blutproben eignen. Dafür analysierten sie erstmalig die Gesamtheit aller mikroRNAs im Serum gesunder Menschen und erstellten somit, in Anlehnung an das besser bekannte „Genom“, ein erstes vollständiges Abbild des menschlichen sezernierten „miRNomes“. Von ihren „Reviewern“, den Kollegen, die die Arbeit begutachten, wurden sie für ihre gründliche Arbeit sogar ausdrücklich gelobt – eine Seltenheit.

Um Krebs früh auf die Schliche zu kommen, suchen Forscher rund um den Globus nach Molekülen, die in Blutproben früh auf die Entstehung der Krankheit hinweisen könnten. Vielversprechend unter diesen sogenannten Biomarkern sind mikroRNAs - kleine Moleküle, die im Körper als universelle An- und Ausschalter agieren.


Dr. Christiane Margue (l.) und Dr. Stephanie Kreis von der Universität Luxemburg

(c) Frank Meiers (cheese.lu) / Fondation Cancer

„mikroRNAs könnten besonders gute Marker sein, weil sie sehr stabil, somit gut nachweisbar und außerdem gewebespezifisch sind“, so Dr. Stephanie Kreis, Hauptdozentin in der Forschungsgruppe „Signal Transduction“ der "Life Sciences Research Unit" an der Universität Luxemburg. In Gewebeproben können die „Molekül-Schnipsel“ tatsächlich zur Früherkennung von Krebs dienen. Doch funktioniert das auch bei der einfacher durchzuführenden Blutprobe?

Bisherige Studien widersprechen sich, weil meist nur zwei bis drei gesunde Personen als Kontrollgruppe genutzt wurden – viel zu wenige, angesichts der Tatsache, dass diese Molekülart auch sehr stark zwischen einzelnen Individuen variieren, teilweise sogar zwischen Mann und Frau und einige auch nach Tageszeit.

Nicht jede Variation kann also als Hinweis auf Krankheit interpretiert werden. Die Forscher in Luxemburg wollten es genau wissen. In der Studie, die Stephanie Kreis vor allem mit Christiane Margue, Susanne Reinsbach und Demetra Philippidou durchführte, analysierten sie in etwa 100 Blutproben jeweils 1100 einzelne mikroRNAs.

„Wir haben sehr viel Energie, Zeit und Geld in die technische Optimierung der mikroRNA Messungen gesteckt und haben bei jedem Schritt die Qualitätskontrollen mehr oder weniger neu erfunden“, unterstreicht Dr. Stephanie Kreis. Sogar ein neues bioinformatische Verfahren haben die Forscher entwickelt, um instabile mikroRNAs auszusortieren.

Nach rund zwei Jahren Arbeit ist so die weltweit erste Referenz über die meisten aller mikroRNAs im Blut gesunder Personen entstanden. Nun weiß man, welche dieser Moleküle in ähnlichen Mengen vorliegen und welche zwischen Individuen natürlich schwanken.

„Wir konnten auch herausfinden, dass manche Moleküle, die in anderen Studien als potentielle Biomarker gepriesen wurden, gar keine sein können, weil ihre Variation natürlich ist und nicht aufgrund einer Krankheit auftritt“, so Dr. Kreis.

Zwar gibt es auch interessante Schwankungen, die auf Hautkrebs hinweisen – der hier analysierten Krebsart – doch diese seien im Blut bisher nur in den Endstadien verlässlich als Indikator nutzbar, wenn der Patient schon längst weiß, dass er krank ist.

In wenigen Jahren, wenn die Nachweismethoden noch sensitiver geworden sind, werden mikroRNAs bei der Früherkennung von Krebs und anderen Krankheiten aber vermutlich eine große Rolle spielen. Den Grundstein für weitere Studien hat die Universität Luxemburg nun gelegt.

Weitere Informationen:

http://www.impactjournals.com/oncotarget/index.php?journal=oncotarget&page=a... - Link zur wissenschaftlichen Publikation
http://wwwen.uni.lu/recherche/fstc/life_sciences_research_unit - Link zur Life Science Research Unit der Universität Luxemburg

Britta Schlüter | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neue Maßstäbe für eine bessere Wasserqualität in Europa
27.02.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

nachricht Neurobiologie - Vorausschauend teilen
27.02.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Proteine Zellmembranen verformen

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor Oliver Daumke vom MDC erforscht. Er und sein Team haben nun aufgeklärt, wie sich diese Proteine auf der Oberfläche von Zellen zusammenlagern und dadurch deren Außenhaut verformen.

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor...

Im Focus: Safe glide at total engine failure with ELA-inside

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded after a glide flight with an Airbus A320 in ditching on the Hudson River. All 155 people on board were saved.

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded...

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Poseidon goes Politics – Wer oder was regiert die Ozeane?

27.02.2017 | Veranstaltungen

Fachtagung Rapid Prototyping 2017 – Innovationen in Entwicklung und Produktion

27.02.2017 | Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Herz-Untersuchung: Kontrastmittel sparen mit dem Mini-Teilchenbeschleuniger

27.02.2017 | Medizintechnik

Neue Maßstäbe für eine bessere Wasserqualität in Europa

27.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wenn der Schmerz keine Worte findet - Künstliche Intelligenz zur automatisierten Schmerzerkennung

27.02.2017 | Medizintechnik