Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Menschliches Gewebe aus dem 3D-Drucker

09.05.2014

Am Freitag, 9. Mai, erfolgt der offizielle Startschuss für den weltweit ersten internationalen Master-Studiengang „Biofabrikation“. An dem Programm beteiligt sind Universitäten aus Australien, den Niederlanden und Deutschland. Deutscher Vertreter ist die Universität Würzburg.

Es hört sich ein wenig wie Science Fiction an: Unfallopfer bekommen Ersatz für ihre zerstörten Knochen, der exakt an die defekte Stelle passt. Das Material stammt aus dem 3D-Drucker und wurde dort schichtweise mit Hilfe spezieller Biomaterialien aufgebaut, in denen sich anschließend Zellen des Patienten ansiedeln konnten.

Aber nicht nur Knochen, auch Muskeln, Nerven und Haut kann der Drucker für jeden Patienten passgenau herstellen. Weil das Implantat aus körpereigenen Zellen aufgebaut wurde, kommt es zu keiner Abstoßungsreaktion; das Immunsystem muss nicht medikamentös unterdrückt werden.

Tatsächlich ist dieses Szenario schon seit einiger Zeit Realität – zumindest, wenn es darum geht, Knochendefekte zu heilen. Doch die Wissenschaftler sind zuversichtlich, dass sie in wenigen Jahren in der Lage sein werden, mit Hilfe der 3D-Technik beispielsweise Frauen nach einer Brustkrebs-OP das Brustgewebe wieder aufbauen zu können oder gleich ganze Organe zu produzieren.

Im kommenden Wintersemester geht ein neuer, internationaler Masterstudiengang an den Start, in dessen Mittelpunkt exakt dieses Forschungsgebiet steht: BIOFAB oder ausgeschrieben Biofabrication Training for Future Manufacturing. Beteiligt an diesem weltweit ersten Angebot sind:

• Queensland University of Technology (Australien)
• University of Woollongong (Australien)
• University Medical Center Utrecht (Niederlande)
• Julius-Maximilians-Universität Würzburg (Deutschland)

Finanziell unterstützt wird der Studiengang von der Europäischen Union und der Regierung von Australien.

„Die Universität Würzburg verfügt seit einiger Zeit über eine hervorragende Expertise im Bereich des 3D-Drucks menschlicher Gewebe und im Tissue Engineering“, sagt Professor Jürgen Groll. Groll leitet seit August 2010 den Würzburger Lehrstuhl für Funktionswerkstoffe in der Medizin und der Zahnheilkunde. Eines seiner Spezialgebiete ist es, aus biokompatiblen Polymeren feinste Fäden zu produzieren und damit Netze zu spinnen, die als Implantate Verwendung finden. Mit einer bislang in Europa einzigartigen Technik, dem sogenannten Melt Electrospinning Writing, kann Groll in einer Art Tintenstrahldrucker eine Polymerschmelze durch eine Düse auf einem Träger verteilen und dabei jede gewünschte Struktur erzeugen.

Professor Paul Dalton, der das Programm maßgeblich organisiert, ist einer der führenden Pioniere auf dem Gebiet des Melt Electrospinning Writings. In seinem Labor am Institute of Health and Biomedical Innovation der Queensland University of Technology hat er diese Technik entwickelt und vorangetrieben. Er wird den neuen Masterstudiengang auch für die Universität Würzburg mitbetreuen.

Der neue Masterstudiengang

Jeweils zehn Studierende werden die vier beteiligten Universitäten in das Masterprogramm aufnehmen. Etwa die Hälfte des Studiums werden sie in Australien und in Europa absolvieren. Am Ende erhalten sie einen internationalen Master sowohl in Australien wie in Europa.

„Biofabrikation ist ein Forschungsgebiet, das viele Disziplinen einschließt“, sagt Paul Dalton. Wer auf diesem Gebiet arbeiten möchte, sollte sich unter anderem mit Chemie, Physik, Biologie, Medizin, Robotik und Informatik auskennen. Dementsprechend können sich Absolventen aus diesen Fächern um einen Studienplatz in dem neuen Studiengang bewerben. Sie erwartet ein Studium, das stark forschungsorientiert ist mit einem hohen Anteil an Laborarbeit. In den vier Semestern werden sie in Europa und Australien in den besten Labors im Bereich der Biofabrikation forschen, mit den führenden Experten zusammen arbeiten und dabei internationale Kontakte knüpfen.

„Die Biofabrikation braucht Forscher mit einem breit gefächerten Wissen und bietet eine Karriereoption für generell Wissenschaftsinteressierte. Die Absolventen dieses Studiengangs werden international gesuchte Spezialisten sein“, verspricht Dalton. Dank ihrer Ausbildung werden sie in der Lage sein, „diese aufregende Revolution in der Medizin anzuführen – eine Revolution, die für eine immer älter werdende Gesellschaft von zunehmender Bedeutung sein wird.“

Kontakt

Prof. Dr. Jürgen Groll, T: +49 (0) 931 - 201 73610; office@fmz.uni-wuerzburg.de
Prof. Dr. Paul Dalton, daltonlab@gmail.com

Weitere Informationen:

http://www.biofabdegree.net

Gunnar Bartsch | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen
09.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP

nachricht Wolkenbildung: Wie Feldspat als Gefrierkeim wirkt
09.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie