Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Menschliches Genom: Exakte Analyse publiziert

06.09.2012
32 Institute beteiligt - 80 Prozent erfüllen spezifische Funktionen

Wissenschaftler haben die bisher genaueste Analyse des menschlichen Genoms veröffentlicht. Das internationale Team um Ewan Birney vom European Bioinformatics Institute hat dabei entdeckt, dass ein viel größerer Teil unseres genetischen Codes aktiv ist als bisher angenommen. Die Forscher hoffen, dass diese Ergebnisse zu einem besseren Verständnis und damit zu neuen Behandlungsmöglichkeiten für zahlreiche Krankheiten führen werden.


Genom: 80 Prozent haben eine bestimmte Funktion (Foto: SPL)

Drei Mrd. Genpaare analysiert

An dem Projekt haben mehr als 400 Wissenschaftler in 32 Forschungseinrichtungen in Großbritannien, Amerika, Spanien, Singapur und Japan teilgenommen. Ihre Forschungsergebnisse werden jetzt in insgesamt 30 wissenschaftlichen Publikationen in Nature http://nature.com Genome Biology http://genomebiology.com und Genome Research http://genome.cshlp.org veröffentlicht.

Die Encyclopedia of DNA Elements (Encode) http://de.wikipedia.org/wiki/ENCODE wurde 2003 mit dem Ziel ins Leben gerufen, alle funktionalen Elemente des menschlichen Genoms zu identifizieren. 2007 wurde ein Pilotprojekt, das ein Prozent des menschlichen Genoms untersucht hatte, veröffentlicht. Jetzt hat das Encode-Team die drei Mrd. Paare des genetischen Codes analysiert, die die menschliche DNA ausmachen.

Dabei zeigte sich, dass 80 Prozent unseres Genoms eine spezifische Funktion erfüllen. Bis jetzt konzentrierte sich die Aufmerksamkeit auf die proteinkodierenden Gene, die allerdings nur zwei Prozent des Genoms ausmachen. Gene sind kleine Bereiche der DNA, die Anweisungen enthalten, welche Chemikalien, also welche Proteine, produziert werden sollen. Das Encode-Team analysierte den großen Bereich der DNA, der fallweise als "Müll-DNA" bezeichnet wurde, da er so wenig spezifische Funktionen zu haben schien und über den nur wenig bekannt war.

Vier Mio. Gen-Schalter identifiziert

Laut Birney gehört die Bezeichnung "Müll-DNA" jetzt selbst auf den Müll. "Jetzt ist klar, dass ein viel größerer Teil des Genoms biologisch aktiv ist, als bisher angenommen." Die Wissenschaftler haben zusätzlich vier Millionen Gen-Schalter identifiziert. Dabei handelt des sich um Bereiche der DNA, die kontrollieren, welche Gene in den Zellen aktiviert werden oder auch nicht.

Diese Schalter befinden sich laut den Forschern häufig weit entfernt von dem Gen, das sie kontrollieren. Birney zeigt sich in einem BBC-Bericht davon überzeugt, dass damit ein genaueres Verständnis der menschlichen Biologie ermöglicht wird. "Viele der identifizierten Schalter stehen mit Veränderungen in Zusammenhang, die das Risiko von Herzerkrankungen, Diabetes oder psychischen Erkrankungen beeinflussen können."

Dennoch wird es wahrscheinlich noch Jahre dauern, bis die Patienten Vorteile von den Ergebnissen haben. Ian Dunham, ein Mitglied des Encode-Teams, betonte allerdings, dass die neuen Daten letztlich Vorteile für alle Bereiche der Erforschung von Krankheiten bringen könnten. "Encode ermöglicht eine ganze Reihe sehr wertvoller Hinweise zur Entdeckung der Mechanismen, die bei Gesundheit und Krankheit eine entscheidende Rolle spielen. Sie können für die Entwicklung neuer Medikamente eingesetzt werden", so Dunham.

Michaela Monschein | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.ebi.ac.uk

Weitere Berichte zu: Birney DNA ENCODE Encode-Team Genom Müll-DNA Schalter psychischen Erkrankunge

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Spot auf die Maschinerie des Lebens
23.08.2017 | Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts, Erlangen

nachricht Immunsystem kann durch gezielte Manipulation des Zellstoffwechsels reguliert werden
23.08.2017 | Medical University of Vienna

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Zukunft des Leichtbaus: Mehr als nur Material einsparen

23.08.2017 | Veranstaltungen

Logistikmanagement-Konferenz 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Spot auf die Maschinerie des Lebens

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die Sonne: Motor des Erdklimas

23.08.2017 | Physik Astronomie

Entfesselte Magnetkraft

23.08.2017 | Physik Astronomie