Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr als ein Viertel der europäischen Heuschrecken sind bedroht

01.02.2017

Europäische Rote Liste veröffentlicht – Experten empfehlen Monitoring-Programm

Unter der Leitung des Biogeographen Dr. Axel Hochkirch von der Universität Trier wurde erstmals der Gefährdungsstatus der 1.082 in Europa vorkommenden Heuschreckenarten bewertet. Mehr als 150 Heuschrecken-Experten beteiligten sich an dem Projekt. Heuschrecken sind wertvolle Bioindikatoren für den Zustand von Ökosystemen und für die biologische Vielfalt von Grünland-Lebensräumen.


Ein männliches Exemplar der Adriatischen Sumpf-Beißschrecke (Zeuneriana marmorata)

Dr. Axel Hochkirch


Ein Crauschrecke-Weibchen (Prionotropis rhodanica)

Dr. Axel Hochkirch

Sie sind eine wichtige Nahrungsquelle für zahlreiche gefährdete Vögel und Reptilien, und ihre Gesänge erzeugen eine vertraute sommerliche Geräuschkulisse. Das Projekt wurde über zwei Jahre durch die Europäische Kommission gefördert und von der International Union for Conservation of Nature (IUCN) koordiniert.

Die Europäische Rote Liste zeigt, dass 25,7 Prozent der Heuschrecken gefährdet sind. Damit sind sie die Insektengruppe mit der höchsten Gefährdung in Europa. Die wichtigsten Gefährdungsursachen sind die Intensivierung der Landwirtschaft, die ansteigende Zahl von Feuern im Mittelmeerraum sowie Urbanisierung und touristische Erschließung von Küsten und Gebirgen. Für einige Arten war jedoch die Datenlage nicht ausreichend, um eine Einstufung in das Gefährdungssystem der IUCN vornehmen zu können.

Die starke Gefährdung der Heuschrecken hängt auch mit ihren extrem kleinen Verbreitungsgebieten zusammen. Viele Arten kommen nur auf einzelnen Inseln oder an kleinen Berghängen vor. Jede Veränderung der Landnutzung auf solch kleinen Flächen kann daher schnell zum Aussterben von Arten führen.

Traditionelle extensive Landnutzung mit geringen Beweidungsdichten oder einmaliger Mahd im Jahr ist für viele der Heuschreckenarten förderlich, wird jedoch zunehmend durch intensive Bewirtschaftung ersetzt. Grünland wird in Ackerland umgewandelt, oder der Einsatz von schwereren Maschinen, Düngemitteln, Pestiziden oder anderer Nutztierrassen führt zu drastischen Veränderungen der Vegetationsstruktur.

In anderen Fällen wird die extensive Nutzung ganz aufgegeben, was zu einer Verbuschung der Flächen und Verdrängung seltener Arten führt. Hierzu gehört zum Beispiel die Adriatische Sumpf-Beißschrecke (Zeuneriana marmorata), deren Lebensraum (Seggenwiesen) zunehmend in Maisäcker für die Gewinnung von „Bio-Energie-Pflanzen“ umgewandelt wird.

Zu den Empfehlungen der Wissenschaftler um Axel Hochkirch gehört die Etablierung eines europäischen Monitoring-Programms, um die Bestandstrends der Heuschrecken besser zu verstehen. Die Zahl der Heuschreckenexperten sei zu gering und die Daten für die Erstellung von Roten Listen würden weitgehend ehrenamtlich erhoben. „Es gibt zahlreiche Arten, die seit einigen Jahrzehnten nicht mehr gesichtet wurden – es gibt aber auch kaum jemanden, der nach ihnen sucht“, so Hochkirch.

Um den Status der Heuschrecken zu verbessern, sind gezielte Naturschutzmaßnahmen nötig. Hierzu gehören die Wiederherstellung und der Schutz geeigneter Lebensräume und die Entwicklung und Implementierung eines gezielten Managements. Für einige Heuschreckenarten hatte die Rote-Liste-Einstufung bereits Konsequenzen.

So wurde für die vom Aussterben bedrohte Crauschrecke (Prionotropis rhodanica) eine Schutzstrategie entwickelt, die derzeit umgesetzt wird. Die Forschungsaspekte der Naturschutzstrategie werden maßgeblich durch das Fach Biogeographie der Universität Trier abgedeckt. Hierbei geht es insbesondere darum, die Gefährdungsursachen der Art zu verstehen, da diese in Mitten eines Naturschutzgebietes nahezu ausgestorben ist.

Die Europäische Rote Liste erscheint zu einem wichtigen Zeitpunkt, da sie der Europäischen Union hilft, den Fortschritt in Bezug auf die EU 2020-Biodiversitätsstrategie zu prüfen. Sie zeigt, dass eine bessere Implementierung der Europäischen Naturschutzdirektiven nötig ist, um das Ziel zu erreichen, den Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen.

Die Publikation kann unter folgendem Link heruntergeladen werden: http://ec.europa.eu/environment/nature/conservation/species/redlist/orthoptera/s...

Peter Kuntz | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht In Hochleistungs-Mais sind mehr Gene aktiv
19.01.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Warum es für Pflanzen gut sein kann auf Sex zu verzichten
19.01.2018 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie