Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

„Meerespilze“ für mehr Gesundheit

25.05.2011
EU-Projekt zur Gewinnung mariner Wirkstoffe startet in Kiel

Das Meer birgt einen riesigen, bisher kaum genutzten Schatz an Substanzen, die in der Medizin angewendet werden können. Elf Institutionen aus sieben Ländern wollen in einem gemeinsamen Projekt speziell die Wirkstoffe mariner Pilze für die Entwicklung von Krebsmedikamenten besser nutzen. Die EU finanziert das Projekt für drei Jahre mit drei Millionen Euro. Es wird koordiniert vom Kieler Wirkstoff-Zentrum am IFM-GEOMAR (KiWiZ).

Rohstoffe aus dem Meer – dabei denkt man unwillkürlich an Nahrungsmittel oder an Brennstoffe wie Öl und Gas. Doch die Ozeane bieten noch viel mehr. In ihnen wartet beispielsweise ein bisher kaum genutztes Reservoir an medizinisch wirksamen Substanzen auf seine Entdeckung. „Hier gibt es noch ein riesiges Potenzial“, sagt der Mikrobiologe Prof. Dr. Johannes F. Imhoff vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR). Imhoff ist Leiter des Kieler Wirkstoff-Zentrums (KiWiZ) am IFM-GEOMAR, das zusammen mit zehn Partnereinrichtungen aus sieben Ländern jetzt im Rahmen des Forschungsprojekts MARINE FUNGI diesen Rohstoff-Schatz wenigstens teilweise heben will.

In den kommenden drei Jahren suchen die Projekt-Partner nach Wegen, wie aus marinen Pilzen (Fungi) Komponenten für Krebsmittel extrahiert und in größerem Maßstab hergestellt werden können. „Wichtiger Bestandteil des Projekts ist aber auch, diese Produktion nachhaltig zu gestalten, also ohne die Umwelt zu schädigen“ erklärt Imhoff. Das Projekt MARINE FUNGI startete heute mit einem Treffen von Vertretern aller Projektpartner im Wissenschaftszentrum Kiel.

Das Projekt verfolgt dabei parallel zwei Strategien. Zum einen werden bereits existierende Pilzstämme, in denen wirksame Substanzen nachgewiesen wurden, eingehend charakterisiert und auf ihre medizinischen Wirksamkeiten hin detailliert untersucht. Zum anderen werden noch unbekannte Pilzkulturen aus besonders ausgewählten Standorten wie zum Beispiel tropischen Korallenriffen, marinen Schwämmen des Mittelmeers und von Großalgen aus den Küstengebieten Chiles isoliert, im Labor weiter kultiviert und auf krebsbekämpfende Wirksamkeiten hin untersucht.

Finanziert wird das Projekt MARINE FUNGI als Teil des 7. Rahmenprogramms der Europäischen Union mit rund drei Millionen Euro in den kommenden drei Jahren. „Wir wollen das Potenzial mariner Pilze als exzellente Quelle für natürliche medizinische Wirkstoffe ausloten“, so Professor Imhoff, „dazu haben wir ein sehr gutes Netzwerk an Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft zusammengebracht, die Erfahrungen über alle wichtigen Stationen des Prozesses, vom marinen Habitat bis zur vorklinischen Analyse, mitbringen.“

Zusatzinformationen: Marine Wirkstoffe im Wissenschaftsjahr „Gesundheit“
Im Wissenschaftsjahr „Gesundheit“ stellt sich die Marine Wirkstoffforschung auch auf der „MS Wissenschaft“ vor. Das von der Initiative „Wissenschaft im Dialog“ gestaltete Ausstellungsschiff startete seine jährliche Tour durch Deutschland am vergangenen Wochenende in Stuttgart. Exponate des Kieler Wirkstoff-Zentrums veranschaulichen die Potentiale der mariner Substanzen. Nähere Informationen gibt es auf der unten angegebenen Webseite.

Andreas Villwock | idw
Weitere Informationen:
http://www.kiwiz.org
http://www.ifm-geomar.de
http://www.ms-wissenschaft.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise