Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mechanismen der fehlerhaften Zellzyklusregulation in Tumorzellen

02.07.2009
Bei vielen Tumorkrankheiten ist in den Krebszellen das p53 Gen mutiert. In einem von der Wilhelm-Sander Stiftung geförderten Projekt untersucht jetzt die Arbeitsgruppe von Prof. Stefan Gaubatz wie p53 den LINC Multiproteinkomplex reguliert, der eine entscheidende Rolle bei der Zellteilung spielt.

Zellen teilen sich ständig im Körper des Menschen. Kommt es dabei zu Fehlern kann Krebs entstehen. Darum kontrolliert der Organismus diesen komplizierten Prozess sehr sorgfältig.

Bei jeder Zellteilung gibt es bestimmte Kontrollpunkte, an denen die Zelle den ordnungsgemäßen Ablauf der Teilung überprüft, eventuell entstandene Schäden aufspürt und repariert. Falls die DNA beschädigt wurde, tritt beispielsweise das Protein p53 auf den Plan. p53 bewirkt unter anderem, dass sich ein größerer Proteinkomplex namens LINC von einem aktivierenden in einen inhibierenden Komplex umlagert. Der inhibierende LINC-Komplex legt dann Gene still, die normalerweise die Teilung der Zelle vorantreiben.

Die Umlagerung von LINC trägt dazu bei, dass die Zelle ihr Wachstum einstellt und so ausreichend Zeit gewinnt, um Schäden zu reparieren. Dieser Signalweg ist jedoch in Tumorzellen, in denen das p53-Gen mutiert ist, außer Kraft gesetzt. Deshalb kann sich in diesen Zellen der LINC-Proteinkomplex nach Schädigung der DNA nicht umlagern, und p53-negative Tumorzellen können den Zellzyklus trotz Defekte an der DNA nicht mehr vollständig anhalten. Diesen Mechanismus hat die Arbeitsgruppe von Stefan Gaubatz kürzlich aufgeklärt.

Es ist möglich, dass sich durch die Fehlregulation von LINC Schäden anhäufen, die das Tumorwachstum weiter fördern und den Tumor immer schlechter therapierbar machen. In der zweiten Förderperiode des von der Wilhelm-Sander Stiftung geförderten Projektes soll nun untersucht werden, wie sich die Fehlregulation von LINC auf das Tumorwachstum auswirkt. Dazu wollen die Forscher den LINC Proteinkomplex experimentell in Tumorzellen inaktivieren und dann das Tumorwachstum und Überleben in Zellkulturen und im Tiermodell untersuchen. Außerdem wollen die Wissenschaftler genauer untersuchen, welche Signalwege die Zusammensetzung des LINC Proteinkomplex regulieren, und wieso LINC in Tumorzellen verändert ist.

Die Ergebnisse dieser Untersuchungen können die Grundlage für die Entwicklung von Krebstherapeutika sein, die gezielt die Aktivität von LINC in Tumorzellen und damit das Tumorwachstum hemmen.

Kontakt: Prof. Dr. Stefan Gaubatz, Biozentrum, Physikalische Chemie I, Universität Würzburg, Am Hubland, 97074 Würzburg

Telefon: 0931/318 41 38 / Telefax: 0931/888 41 50

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 100.000 €.
Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 170 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.sanst.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung
26.04.2017 | Universität Ulm

nachricht Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt
26.04.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

200 Weltneuheiten beim Innovationstag Mittelstand in Berlin

26.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Naturkatastrophen kosten Winzer jährlich Milliarden

26.04.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie