Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zur Mauser in die Antarktis oder nach Brasilien

11.03.2010
Nicht nur Landvögel, auch manche Seevögel legen ungeheure Distanzen zurück: Der Dunkle Sturmtaucher beispielsweise umrundet auf seiner Reise anderthalb Mal die Erde. Trotzdem ist das Zugverhalten von Seevögeln im Vergleich zu ihren auf dem Land lebenden Verwandten kaum bekannt.

Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Ornithologie haben das Zugverhalten von Dünnschnabel-Walvögeln untersucht und entdeckt, dass die Tiere ihre Mauserzeit in zwei weit auseinander liegenden Gebieten verbringen. Manche Seevögel können also offenbar ihren Lebensraum äußerst flexibel wechseln, wenn es die Bedingungen erfordern - eine lebensnotwendige Anpassung an die unvorhersehbaren Bedingungen auf hoher See.

Während das Zugverhalten einiger der größten Hochseevögel, vor allem der Albatrosse, seit einigen Jahren erfolgreich mit Satellitensendern verfolgt werden kann, ist das bei kleineren Arten noch nicht möglich. Auch Beringungsmethoden oder Radiotelemetrie, wie sie an Land eingesetzt werden, haben auf dem offenen Ozean geringe Erfolgsaussichten. Einem Forscherteam um Petra Quillfeldt am Max-Planck Institut für Ornithologie in Radolfzell ist es gelungen, trotz dieser Schwierigkeiten Details im Zugverhalten von Dünnschnabel-Walvögeln zu entschlüsseln.

Diese etwa amselgroße Art aus der Familie der Röhrennasen, zu denen auch die Albatrosse, Sturmvögel und Sturmschwalben gehören, brüten von November bis Februar auf den Falkland-Inseln sowie benachbarten Inselgruppen im Südatlantik. Bereits in einer früheren Untersuchung hatten die Max-Planck-Wissenschaftler nachgewiesen, dass zumindest ein Teil der Vögel für die Mauser in ein Gebiet südlich der antarktischen Konvergenzzone fliegt, um ihre Federn zu erneuern. Gleichzeitig wurden Dünnschnabel-Walvögel jedoch auch vor dem südamerikanischen Schelf und der Küste Brasiliens gesichtet.

Den Forschern zufolge suchen 90% der Dünnschnabel-Walvögel die antarktischen Gewässer auf. Dort bleiben die meisten während der gesamten Mauserzeit vom April bis in den Juni. Einzelne Vögel mausern jedoch auch weiter nördlich vor Südamerika. Trotz dieser unterschiedlichen Reiseziele handelt es sich bei den beiden Populationen nicht um genetisch getrennte Gruppen. Die Wissenschaftler konnten einzelne Walvögel während ihrer Brutaufenthalte beringen und anschließend über mehrere Jahre hinweg verfolgen. Beringte Vögel flogen zwar bevorzugt wieder in das gleiche Gebiet, das sie schon im Vorjahr angeflogen hatten. Es gab aber auch Individuen, die im jeweils anderen Gebiet mauserten. Zudem kam es auch vor, dass ein Vogel im Laufe des Winters erst in die Antarktis und später weiter nach Norden wanderte. "Die Ergebnisse zeigen, dass sich nicht nur die gesamte Art, sondern auch einzelne Dünnschnabel-Walvögel äußerst flexibel verhalten. So können sie in den riesigen Meeresgebieten mit ihren oft unvorhersagbaren, durch Wetterlagen und ozeanografische Zyklen beherrschten Gebieten erfolgreich den Winter überleben, ihr Federkleid erneuern und Reserven für die kommende Brutsaison anlegen", erklärt Petra Quillfeldt.

Federn als Reise-Archiv

Möglich gemacht haben diese Ergebnisse unterschiedlich schwere Kohlenstoff- und Stickstoffatome in den Federn. Die Forscher entnahmen von Brutvögeln auf den Falklandinseln im Südwestatlantik je eine kleine Feder. Außerdem sammelten sie Flügel von Tieren, die Raubmöwen zum Opfer gefallen waren. Kleine Proben dieser Federn wurden dann am Leibniz Institut für Zoo- und Wildtierbiologie in Berlin mit einem hochsensiblen Massenspektometer auf ihren Gehalt an stabilen Isotopen der Elemente Kohlenstoff und Stickstoff untersucht. Insbesondere das schwere Isotop C13 des Kohlenstoffs ist auf dem Meer nicht gleichmäßig verteilt. Seine Häufigkeit in Algen, die die Grundlage der ozeanischen Nahrungsnetze bilden, nimmt mit geringerer Meerestemperatur ab. Dadurch haben Vögel im Nahrungsnetz des Antarktischen Ozeans einen niedrigeren Gehalt an C13 als Tiere in gemäßigten Meeresgebieten. Während der Mauser werden neue Federn gebildet und C13 je nach Aufenthaltsort in unterschiedlicher Menge eingebaut. Die neuen Federn speichern so in einem charakteristischen Isotopenmuster, wo sich der Vogel gemausert hat.

Originalveröffentlichung:
Quillfeldt, P., Voigt, C. C. & Masello, J.F.
Plasticity versus repeatability in seabird migratory behaviour.
Behavioral Ecology and Sociobiology, 9. März 2010 online first, DOI 10.1007/s00265-010-0931-2
Ansprechpartner:
Dr. Petra Quillfeldt
Max-Planck-Institut für Ornithologie
Vogelwarte Radolfzell
Tel.: +49 (0) 7732 1501-14
E-Mail: quillfeldt@orn.mpg.de
Leonore Apitz, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Ornithologie
Vogelwarte Radolfzell
Tel.: +49 (0)7732 1501-74
apitz@orn.mpg.de

Dr. Harald Rösch | idw
Weitere Informationen:
http://orn.mpg.de/nwg/abtquillfeldt.html
http://www.falklandswildlife.com/PAGES/scienceresearch.html#prion2

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Der Evolutionsvorteil der Strandschnecke
28.03.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Mobile Goldfinger
28.03.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von Agenten, Algorithmen und unbeliebten Wochentagen

28.03.2017 | Unternehmensmeldung

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit