Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Marker für Morbus Still: Neue Methode erleichtert Diagnostik und Therapie in der Kinderrheumatologie

02.07.2009
Dass schon Kinder unter Diabetes mellitus leiden können, ist weithin bekannt.

Dass das auch für rheumatische Erkrankungen gilt, hingegen kaum. Dabei sind diese im Kindesalter wesentlich verbreiteter als die "Zuckerkrankheit". Das Tückische dabei: Gerade die schwerste der rheumatischen Gelenkerkrankungen, der Morbus Still, lässt sich anfangs nur schwer erkennen, weshalb Betroffene oft erst verspätet die richtige Therapie erhalten.

Das lässt sich künftig vermeiden: Am Institut für Immunologie der Universität Münster wurde eine Methode entwickelt, mit der der Morbus Still erstmals schnell und sicher diagnostiziert werden kann. Für seine Arbeiten zu diesem Thema erhielt Dr. Dirk Holzinger vom Institut für Immunologie von der europäischen Gesellschaft für pädiatrische Rheumatologie (PRES) deren "Young Investigators Award".

Die systemische juvenile rheumatische Arthritis, bekannt als Morbus Still, betrifft neben Gelenken auch viele innere Organe. Die sonst typischen Symptome einer rheumatischen Erkrankung fehlen bei ihr aber in den ersten Wochen und Monaten oftmals ganz. Die Patienten klagen über hohes Fieber und starke, generelle Entzündungszeichen, die selbst für erfahrene Ärzte kaum von einer schweren Infektion zu unterscheiden sind. Häufig werden die Betroffenen daher über Wochen erfolglos mit Antibiotika behandelt, bevor die eigentliche Krankheit erkannt und mit der notwendigen entzündungshemmenden Therapie begonnen wird.

Die nun am Institut für Immunologie der Universität Münster unter Leitung von Prof. Dr. Johannes Roth entwickelte Methode erleichtert die Diagnose wesentlich. Sie basiert auf dem Nachweis bestimmter Arten von Entzündungsproteinen, nämlich MRP8 und MRP14. Diese werden von Phagozyten (Fresszellen), einer Gruppe von weißen Blutkörperchen, freigesetzt, und in diesem Umfang nur bei einem Auftreten des Morbus Still gefunden. Hierbei handelt es sich aber nicht nur um einen unverwechselbaren "Marker" für diese Krankheit: Vielmehr konnte Dr. Holzinger mit seiner Forschungsarbeit zeigen, dass die Methode auch für die Steuerung der Therapie sehr wertvoll ist.

So konnte er nachweisen, dass Kinder, denen nach erfolgreicher Therapie ein Rückfall der Erkrankung droht, schon Monate im Voraus erhöhte Werte bei dem Entzündungsmarker aufweisen. Umgekehrt zeigen Patienten mit lang anhaltender Ruhe der Grunderkrankung normale Werte für MRP8 und MRP14. Aufgrund dieser Erkenntnis lassen sich Medikamente, beispielsweise Cortison, für den einzelnen Patienten wesentlich genauer dosieren und unnötige Verabreichungen vermeiden, was mögliche Nebenwirkungen minimiert. Neue Ergebnisse weisen darauf hin, dass dieser Anwendungsbereich auch nutzbar ist bei anderen chronisch-entzündlichen Erkrankungen, wie rheumatischen Erkrankungen des Erwachsenen oder entzündlichen Darmerkrankungen. In Kooperation mit einer Biotech-Firma arbeiten die münsterschen Wissenschaftler zurzeit an der Entwicklung eines marktreifen Nachweissystems.

An der Universität Münster besteht seit mehr als 15 Jahren ein klinischer und wissenschaftlicher Schwerpunkt zu rheumatischen Erkrankungen im Kindesalter. "Mitarbeiter der Arbeitsgruppe haben in den letzten acht Jahren bereits sechs europäische Forschungspreise erhalten, was die Stellung des Teams in der internationalen Forschungslandschaft auf diesem Gebiet unterstreicht", freut sich der Direktor des Instituts für Immunologie, Prof. Johannes Roth. Der an seinen Kollegen Holzinger verliehene Nachwuchspreis der Europäischen Gesellschaft für pädiatrische Rheumatiologie wird jährlich ausgelobt und ist mit 1.500 Euro dotiert.

Norbert Frie | idw
Weitere Informationen:
http://ederma.klinikum.uni-muenster.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Multifunktionaler Mikroschwimmer transportiert Fracht und zerstört sich selbst
26.04.2018 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme

nachricht Der lange Irrweg der ADP Ribosylierung
26.04.2018 | Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Why we need erasable MRI scans

New technology could allow an MRI contrast agent to 'blink off,' helping doctors diagnose disease

Magnetic resonance imaging, or MRI, is a widely used medical tool for taking pictures of the insides of our body. One way to make MRI scans easier to read is...

Im Focus: Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

Das Kleben der Zellverbinder von Hocheffizienz-Solarzellen im industriellen Maßstab ist laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und dem Anlagenhersteller teamtechnik marktreif. Als Ergebnis des gemeinsamen Forschungsprojekts »KleVer« ist die Klebetechnologie inzwischen so weit ausgereift, dass sie als alternative Verschaltungstechnologie zum weit verbreiteten Weichlöten angewendet werden kann. Durch die im Vergleich zum Löten wesentlich niedrigeren Prozesstemperaturen können vor allem temperatursensitive Hocheffizienzzellen schonend und materialsparend verschaltet werden.

Dabei ist der Durchsatz in der industriellen Produktion nur geringfügig niedriger als beim Verlöten der Zellen. Die Zuverlässigkeit der Klebeverbindung wurde...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Konferenz »Encoding Cultures. Leben mit intelligenten Maschinen« | 27. & 28.04.2018 ZKM | Karlsruhe

26.04.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zur Marktentwicklung von Gigabitnetzen in Deutschland

26.04.2018 | Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

IFAT 2018: Phosphorgewinnung aus Klärschlamm und andere regionale Nutzungskonzepte für Biomassen

26.04.2018 | Messenachrichten

Der Mensch im Zentrum: wandlungsfähige Produktion in der Industrie 4.0

26.04.2018 | Informationstechnologie

Konferenz »Encoding Cultures. Leben mit intelligenten Maschinen« | 27. & 28.04.2018 ZKM | Karlsruhe

26.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics