Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Malaria-Schutz bei Schimpansen

29.05.2013
Auch frei lebende Schimpansen verfügen im fortgeschrittenen Alter über einen besseren Immunschutz gegenüber Malaria-Erregern

Frei lebende Menschenaffen sind häufig von Plasmodien befallen, einem Erreger, der bei Menschen Malaria verursacht. Über die biologischen Hintergründe dieser Infektionen bei Wildtieren ist bisher aber wenig bekannt.


Schimpansengruppe im Taï-Nationalpark an der Elfenbeinküste. Sonja Metzger

Ein internationales Forscherteam vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und vom Robert Koch-Institut in Berlin hat jetzt anhand von Kotproben frei lebender Schimpansen untersucht, wie sich das Alter der Tiere auf die Erkennungsrate des Malaria-Erregers auswirkt.

Die Wissenschaftler entdeckten einen engen Zusammenhang zwischen dem Alter der Tiere und dem Vorhandensein von Malaria-Parasiten, wobei sich bei erwachsenen Tieren wesentlich weniger Erreger nachweisen ließen als bei Jungtieren. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Schimpansen beim Eintritt ins Erwachsenenalter eine schützende Immunität gegenüber Malaria auslösenden Parasiten aufgebaut haben, wie das auch beim Menschen der Fall ist.

Bei in Malaria-Gebieten lebenden Menschen sinken mit steigendem Alter sowohl die im Körper nachweisbare Anzahl an Erregern als auch die mit Malaria im Zusammenhang stehende Krankheitshäufigkeit und Sterblichkeit. Das zeigt, dass im Laufe des Lebens progressiv ein Immunschutz aufgebaut wird. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie und vom Robert Koch-Institut haben analysiert, inwiefern es auch bei frei lebenden Schimpansen einen Zusammenhang zwischen Alter und Malaria-Infektion gibt.

Dazu sammelten die Forscher im Taï-Nationalpark an der Elfenbeinküste 141 Kotproben von sieben weiblichen und zwölf männlichen Schimpansen im Alter von drei bis 47 Jahren. Den Kotproben entnahmen die Forscher DNA, analysierten diese und konnten so herausfinden, welche Proben Malaria-Erreger enthielten. „Während der zwei Monate, in denen wir Proben gesammelt haben, war fast jedes Tier wenigstens einmal mit Malaria-Erregern infiziert“, sagt Helene De Nys vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie und vom Robert-Koch-Institut. „Unsere Daten zeigen außerdem, dass zu jedem Zeitpunkt wenigstens ein Mitglied der Schimpansengruppe infiziert gewesen ist.“

Weitere Untersuchungen ergaben, dass bei älteren Tieren weniger oft Malaria-Erreger nachgewiesen werden konnten als bei jüngeren. Ob es sich bei ihnen um weibliche oder männliche Tiere handelte, war hingegen nicht von Belang. „Dies sind die ersten Hinweise darauf, dass die epidemiologischen Merkmale einer Malaria-Infektion bei frei lebenden Schimpansen mit denen bei menschlichen Populationen vergleichbar sind“, sagt Roman Wittig vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. „Wie beim Menschen, spielt die Herausbildung einer erworbenen Immunität möglicherweise auch bei Schimpansen eine wichtige Rolle.“

Im Laufe dieses Prozesses tragen Malaria-Parasiten möglicherweise auch direkt zur Sterblichkeit junger Schimpansen bei. Während bei der Untersuchung von mehr als 30 verstorbenen erwachsenen Schimpansen derselben Gemeinschaft Malaria als mögliche Todesursache ausgeschlossen werden konnte, bleibt die Frage hinsichtlich der Jungtiere offen. Zwar ist bekannt, dass die Sterblichkeitsrate bei jungen Schimpansen sehr hoch ist; ihre Kadaver sind aber selten zugänglich, da sie schwerer auffindbar sind und oft mehrere Tage lang von ihren Müttern getragen werden. „Noch können wir nichts Genaues über die Pathogenität von Malaria-Erregern bei frei lebenden Schimpansen sagen. Unsere Ergebnisse zeigen jedoch, dass der ständige Kontakt dieser Schimpansenpopulation mit Malaria-Erregern bei den Tieren zu einer gewissen Immunität geführt hat”, sagt Fabian Leendertz vom Robert Koch-Institut.

Originalpublikation:
Hélène M. De Nys, Sébastien Calvignac-Spencer, Ursula Thiesen, Christophe Boesch, Roman M. Wittig, Roger Mundry & Fabian H. Leendertz
Age-related effects on malaria parasite infection in wild chimpanzees
Biology Letters, 29 May 2013, DOI: http://dx.doi.org/10.1098/rsbl.2012.1160

Ansprechpartner
Dr. Roman Wittig
Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig
Telefon: +49 341 3550-204
E-Mail: wittig@­eva.mpg.de

Dr. Fabian Leendertz
Robert-Koch-Institut
Telefon: +49 30 4547754-2592
E-Mail: LeendertzF@­rki.de

Sandra Jacob
Pressebeauftragte
Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig
Telefon: +49 341 3550-122
E-Mail: info@­eva.mpg.de

Dr Harald Rösch | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://­www.eva.mpg.de
http://­www.rki.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wegbereiter für Vitamin A in Reis
21.07.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Pharmakologie - Im Strom der Bläschen
21.07.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten