Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Malaria: Neues vom Erreger

02.06.2009
Mit einer klebrigen Hülle aus Proteinen umgibt sich der Malaria-Erreger in einer bestimmten Phase seiner Vermehrung.

Das haben Wissenschaftlerinnen vom Zentrum für Infektionsforschung der Uni Würzburg herausgefunden. Die neue Erkenntnis könnte für die Entwicklung von Impfstoffen bedeutsam sein.

Der Malaria-Erreger Plasmodium falciparum ist ein Parasit, der nur aus einer einzigen Zelle besteht. Durch den Stich der Anopheles-Mücke wird er auf den Menschen übertragen. In dessen Körper befällt er die roten Blutkörperchen, ernährt sich von ihnen - und bringt den Menschen in Lebensgefahr.

Seine sexuelle Vermehrung erledigt der Parasit in den Mücken: Wenn die einen infizierten Menschen stechen, nehmen sie mit seinem Blut auch den Erreger in ihren Darm auf. Die Plasmodien reifen dort zu unterschiedlich großen Geschlechtszellen heran, die im Prinzip mit den Ei- und Samenzellen des Menschen vergleichbar sind: Sie verschmelzen miteinander, verlassen den Darm und wandern in die Speicheldrüsen der Mücke. Sticht die erneut einen Menschen, infiziert sie ihn und der Kreislauf hat sich geschlossen.

Proteinhülle umgibt Geschlechtszellen des Erregers

Ein Würzburger Forschungsteam um Gabriele Pradel und Nina Simon hat nun nachgewiesen: Der Erreger bringt kurz vor der Entstehung seiner Geschlechtszellen sechs spezielle Proteine hervor, die sich untereinander zu größeren Komplexen zusammenlagern. Diese Proteinhaufen finden sich später ausschließlich auf der Oberfläche seiner "Eizellen" wieder und bilden dort eine klebrige Hülle. Publiziert ist diese Entdeckung im Journal of Biological Chemistry.

Warum das ein spannendes Ergebnis ist? "Möglicherweise dient die klebrige Hülle dazu, die 'Samenzellen' festzuhalten. Denkbar ist aber auch, dass die 'Eizelle' sich damit gegen aggressive Substanzen schützt, die im Darm der Mücken vorkommen", mutmaßt Gabriele Pradel.

Plausibel wäre ein Schutzmechanismus. Denn im Mückendarm leben die Malaria-Erreger anfangs im Schutz der roten Blutkörperchen des Menschen. Diese platzen aber auf, sobald die Geschlechtszellen reif sind - von diesem Moment an könnte ein neuer Schutzschirm sinnvoll sein.

Neues Angriffsziel für Impfstoffe gefunden?

Eventuell ist die klebrige Hülle ein wunder Punkt des Malaria-Erregers. Denn falls sie für seine Fortpflanzung absolut notwendig ist, eignet sie sich als Angriffsziel für so genannte transmissionsblockierende Impfstoffe. Doch zuerst einmal muss Gabriele Pradel mit ihrem Team herausfinden, wozu die Hülle wirklich gut ist. Das kann einige Jahre dauern.

Neue Arzneimittel und Impfstoffe gegen die Malaria sind dringend nötig: Schätzungsweise ein bis drei Millionen Menschen sterben pro Jahr weltweit an dieser Infektion. Gegen die verfügbaren Medikamente werden die Erreger zunehmend unempfindlich, ein möglicher Impfstoff befindet sich derzeit in der klinischen Erprobung. Frühere Impfstoff-Kandidaten hatten sich allesamt als wirkungslos erwiesen.

Mückenzucht brachte Forschungserfolg

Die Entwicklung des Malaria-Erregers in der Anopheles-Mücke analysiert die Würzburger Forschungsgruppe in einem gesicherten Labor. Dort werden die Mücken gezüchtet, von den Eiern über die Larven und Puppen bis zu den erwachsenen Insekten. Für die Experimente nehmen die Wissenschaftler Mücken aus der Zucht heraus und lassen sie Menschenblut saugen, das zuvor mit Plasmodien versetzt wurde.

Die Zucht der Anopheles-Mücken im so genannten Insektarium ist der ganze Stolz von Gabriele Pradel: "Diese Forschungsmöglichkeit gibt es in Deutschland sonst nur noch in Hamburg und Heidelberg." Selten ist sie auch weltweit: Nur insgesamt rund zehn Labors verfügen darüber.

Gabriele Pradel: Zur Person

Die Mikrobiologin Gabriele Pradel leitet seit 2005 am Würzburger Zentrum für Infektionsforschung eine Nachwuchsgruppe. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert ihre Arbeit im Rahmen des Emmy-Noether-Programms.

Kontakt: PD Dr. Gabriele Pradel, T (0931) 31-2174, gabriele.pradel@uni-wuerzburg.de

"Sexual Stage Adhesion Proteins Form Multi-protein Complexes in the Malaria Parasite Plasmodium falciparum", Nina Simon, Sabrina M. Scholz, Cristina K. Moreira, Thomas J. Templeton, Andrea Kuehn, Marie-Adrienne Dude, and Gabriele Pradel. The Journal of Biological Chemistry, Vol. 284, Issue 21, 14537-14546, MAY 22, 2009. DOI 10.1074/jbc.M808472200

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise