Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mainzer Mikrobiologen decken neuen Weg der HPV-Viren in die Zelle auf

18.11.2008
Humane Papillomviren werden mithilfe tetraspaninreicher Mikrodomänen in die Körperzellen geschleust - Veröffentlichung in PLoS ONE

Mikrobiologen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz haben einen neuen Weg entdeckt, auf dem bestimmte Humane Papillomviren (HPV) in die Körperzelle eindringen. Sie widersprechen damit den bisher gültigen wissenschaftlichen Auffassungen, wie die Viren den Weg in die Zelle finden, und begründen möglicherweise auch neue Ansätze für eine Therapie gegen Erkrankungen wie Gebärmutterhalskrebs.

Gegen diese Infektionserkrankung wurde vor kurzem ein Impfstoff entwickelt, eine medikamentöse Therapie steht jedoch bislang nicht zur Verfügung. Die Arbeit der Wissenschaftler vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene hat das Fachjournal PLoS ONE veröffentlicht.

Bei der Entstehung einer infektiösen Erkrankung ist es von entscheidender Bedeutung, wie der Erreger es schafft, in die Zelle hineinzukommen, um sich dort zu vervielfältigen. Im Falle der Humanen Papillomviren vom Typ 16 (HPV16), die als gefährlichster Auslöser für Gebärmutterhalskrebs gelten, ging die Wissenschaft seit Mitte der 90er Jahre davon aus, dass das Protein Clathrin den Eintritt der Viren in die Zelle vermittelt. Für den HPV-Typ 31 konnten amerikanische Wissenschaftler zeigen, dass das Protein Caveolin die Viren in die Zelle schleust. "Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Eingangswege von HPV16 nicht benutzt werden, sondern dass sie mithilfe tetraspaninreicher Mikrodomänen in die Zelle geschleust werden", teilte Dr. Carsten Lambert vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene dazu mit. In ihrer Arbeit zeigen die Wissenschaftler, dass die Infektionsrate zurückgeht, wenn Tetraspanine durch einen Antikörper blockiert oder durch kleine RNA-Moleküle spezifisch depletiert werden. Hier könnte auch eine zukünftige Therapie ansetzen.

Zunächst gilt es jedoch, den Aufnahmeweg näher zu charakterisieren. Es wird vermutet, dass die Krankheitserreger nach der Bindung an einen Primärrezeptor auf einen zweiten, spezifischen Rezeptor übertragen werden. Dieser ist bislang jedoch nicht identifiziert. "Unsere Hypothese ist, dass dieser Sekundärrezeptor mit Tetraspaninen verbunden ist", erklärt Dr. Luise Florin, eine der Autorinnen der Studie. Bekannt ist aus jüngeren Publikationen, dass Tetraspanine auch bei der Immunerkrankung HIV und bei Hepatitis C eine Rolle spielen, dass beispielsweise die Neubildung von HIV-Viren an Tetraspanin-Inseln stattfindet. In der Tetraspanin-Familie sind bislang 33 Varianten bekannt, die beim Menschen, aber auch bei anderen Säugetieren vorkommen. Ein Molekül durchkreuzt die Zellwand an vier Stellen und reicht so mit zwei Schlaufen in den Zwischenzellraum. Tetraspanine können untereinander interagieren und auch Verknüpfungen zu anderen Transmembranmolekülen herstellen. Dadurch entstehen tetraspaninreiche Mikrodomänen (TEMs), spezifische Mikro-Plattformen innerhalb der Membran. "Wir wollen bei unseren künftigen Arbeiten den sekundären Rezeptor identifizieren, den wir in TEMs vermuten", fasst Luise Florin die künftige Ausrichtung der mikrobiologischen Aufgaben zusammen.

Originalveröffentlichung:
Gilles Spoden, Kirsten Freitag, Matthias Husmann, Klaus Boller, Martin Sapp, Carsten Lambert, Luise Florin (2008) Clathrin- and Caveolin-Independent Entry of Human Papillomavirus Type 16--Involvement of Tetraspanin-Enriched Microdomains (TEMs). PLoS ONE 3(10): e3313. doi:10.1371/journal.pone.0003313
Kontakt und Informationen:
Dr. rer. nat. Luise Florin; Dr. rer. nat Carsten Lambert
Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Tel. 06131 39-30211; Fax 06131 39-32359
E-Mail: lflorin@uni-mainz.de; lambert@uni-mainz.de

Petra Giegerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.mikrobiologie.medizin.uni-mainz.de
http://www.plosone.org/home.action

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut
20.10.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Aus der Moosfabrik
20.10.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise