Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Magenbakterium schädigt menschliches Erbgut

06.09.2011
Das Magenbakterium Helicobacter pylori ist der wichtigste Risikofaktor für die Entstehung von Magenkrebs. Weltweit ist Magenkrebs die dritthäufigste Krebstodesursache. Molekularbiologen der Universität Zürich identifizierten jetzt einen Mechanismus von Helicobacter pylori, der zur Schädigung von Magenschleimhautzellen führen könnte.

Magenkrebs gehört weltweit zu den häufigen und oft tödlich verlaufenden Krebserkrankungen: Jeder dritte Krebstote lässt sich auf ein Magenkarzinom zurückführen. Hauptrisikofaktor für die Entwicklung von Magenkrebs bildet die chronische Infektion der Magenschleimhaut mit dem Bakterium Helicobacter pylori.

Seit der Entdeckung dieses Bakteriums im Jahr 1983 wird darüber gerätselt, welche molekularen Mechanismen die Krebserkrankung auslösen. Jetzt weisen mehrere Forschungsgruppen unter der Leitung von Prof. Anne Müller und Prof. Massimo Lopes vom Institut für Molekulare Krebsforschung der Universität Zürich in In-vitro-Versuchen nach, wie Helicobacter pylori menschliche und tierische Wirtszellen schädigt. Wie aus der im Wissenschaftsmagazin «PNAS» veröffentlichten Arbeit hervorgeht, führt die Infektion in der Wirtszelle zu DNA-Brüchen in beiden Strängen der Doppelhelix.

Schädigungsgrad abhängig von Infektionsdauer

Müller, Lopes und ihre Teams können u.a. zeigen, dass die Häufigkeit der Doppelstrang-Brüche von der Intensität und der Dauer der Infektion abhängt. Die durch die Infektion mit Helicobacter pylori verursachten Brüche lösen zwar die gängigen DNA-Schädigungssignale und Reparaturmechanismen aus. Wird das Bakterium in den In-vitro-Versuchen nach wenigen Stunden mit Antibiotikum ausgerottet, können die meisten Brüche auch tatsächlich erfolgreich repariert werden. Länger andauernde Infektionen, die die Bedingungen im chronisch infizierten Wirt imitieren, führen hingegen dazu, dass sich die Reparaturfähigkeit der Zelle erschöpft und sich die gefährlichen Doppelstrang-Brüche nicht mehr oder nur noch ungenau reparieren lassen. Genetische Mutationen oder der Tod der Zelle sind die Folge. Die neuen Erkenntnisse decken sich mit der für Magenkrebs typischen genetischen Instabilität der Krebszellen und werden für die Entwicklung neuer Therapieformen von grosser Bedeutung sein.

Die Forschungen wurden u.a. mit Beiträgen des Schweizerischen Nationalfonds, der Schweizer Krebsliga und dem Forschungskredit der Universität Zürich finanziert.

Literatur:
Isabella M. Toller, Kai Neelsen, Martin Steger, Mara L. Hartung, Michael O. Hottiger, Manuel Stucki, Behnam Kalali, Markus Gerhard, Alessandro A. Sartori, Massimo Lopes and Anne Müller: The Carcinogenic Bacterial Pathogen Helicobacter pylori triggers DNA Double Strand Breaks and a DNA Damage Response in its Host Cells", IN: PNAS Early Edition, doi: 10.1073/pnas.1100959108
Kontakte:
Prof. Dr. Anne Müller
Universität Zürich
Institut für molekulare Krebsforschung
Tel. +41 44 635 34 74
E-Mail: mueller@imcr.uzh.ch
Prof. Massimo Lopes
Universität Zürich
Institut für molekulare Krebsforschung
Tel. +41 44 635 34 67
E-Mail: lopes@imcr.uzh.ch

Beat Müller | Universität Zürich
Weitere Informationen:
http://www.uzh.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Studie entschlüsselt neue Diabetes-Gene
22.01.2018 | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

nachricht Forschungsteam schafft neue Möglichkeiten für Medizin und Materialwissenschaft
22.01.2018 | Humboldt-Universität zu Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungen

Transferkonferenz Digitalisierung und Innovation

22.01.2018 | Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Forschungsteam schafft neue Möglichkeiten für Medizin und Materialwissenschaft

22.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

Ein Haus mit zwei Gesichtern

22.01.2018 | Architektur Bauwesen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics