Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Magdeburger Forscher identifizieren wichtiges Gen für Hirnhauttumore und erkunden seine Funktion

26.09.2013
Die meisten Hirnhauttumore sind chirurgisch heilbar, aber ein Teil von ihnen muss wiederholt operiert und bestrahlt werden, weil der Tumor erneut aufflammt.

Ein geringer Prozentsatz ist zudem biologisch aggressiv und führt trotz Behandlung zum Tode. Diese aggressiven Varianten sind in feingeweblichen Untersuchungen erkennbar.

In diesen Subtypen wies das Magdeburger Forscherteam um Professor Christian Mawrin bereits die Inaktivierung eines Erbfaktors (miR-145-Gen) nach, aus der sich möglicherweise neue therapeutische Ansatzpunkte ergeben. Im aktuellen Projekt geht es daher um die Identifizierung der Rolle von Eiweißen, die von miR-145 in den Tumoren reguliert werden.

Obwohl für wiederholt aufflammende oder bösartige Formen der Hirnhauttumore eine Chemotherapie wünschenswert wäre, ist eine solche zusätzliche Therapie zu Chirurgie und Bestrahlung gegenwärtig nicht etabliert. Gesucht werden zielgerichtete Chemotherapie-Optionen, die auf einzelne veränderte Eiweiße der Tumorzellen abheben und mit geringen Nebenwirkungen verbunden sind. Das Feld solcher zielgerichteten Therapeutika testet derzeit auch das Labor von Professor Christian Mawrin an Mausmodellen. Gleichzeitig wird dort nach neuen Ansatzpunkten gesucht, das heißt nach neuen Eiweißen, die für das Wachstum dieser Tumore bedeutsam sind.

In diesem Zusammenhang war es im Vorfeld von besonderem Interesse, auf molekularer Ebene Unterschiede zu finden zwischen gutartigen und aggressiven Hirnhauttumoren. Bislang war vor allem ein einzelner Erbfaktor bekannt (NF2), der bei circa der Hälfte aller Hirnhauttumore verändert ist und mit größter Sicherheit eine Rolle bei der Tumorentwicklung spielt. Allerdings betreffen die Veränderungen von NF2 nicht vorrangig die bösartigen Formen, sondern gleichermaßen alle Subtypen. Das wichtigste Ergebnis der ersten Projektphase war daher das Aufspüren eines Erbfaktors (miR-145-Gen), dessen Produkt (miR-145) in den bösartigen Formen deutlich vermindert ist. Außerdem konnte nachgewiesen werden, dass miR-145 eine Rolle bei der Anheftung der Tumorzellen an Oberflächen und bei ihrem Wandern spielt, aber in nur in geringem Maße auch für die Zellteilung relevant ist.

MiR-145 ist selbst kein Eiweiß, gehört aber zu einer Klasse von Molekülen, von denen bekannt ist, dass sie die Herstellung einer meist größeren Gruppe von Eiweißen in der Zelle steuern. Um also eventuelle Ziel-Eiweiße für einen therapeutischen Eingriff zu finden, galt es zunächst, die von miR-145 in den Tumorzellen regulierten Eiweiße zu identifizieren. Zwei Kandidaten wurden bereits aufgedeckt, die eine denkbare Verbindung zur Zell-Anheftung und -beweglichkeit haben. Die Wirkung dieser beiden Eiweiße wird im aktuellen Projekt anhand gentechnisch manipulierter Tumorzelllinien und anhand von Mausmodellen analysiert.

Die Wilhelm Sander-Stiftung förderte dieses Forschungsprojekt in der ersten Phase bereits mit 74.000 Euro und unterstützt die derzeitige Forschung noch einmal mit rund 40.000 Euro. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Millionen Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Kontakt (Projektleitung)
Prof. Dr. Christian Mawrin, Universität Magdeburg
Telefon: +49 (0)391 6715828, E-Mail: christian.mawrin@med.ovgu.de

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise