Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mäusemänner betören mit ihrem Duft

31.10.2013
Den Geruch von Urin nehmen Menschen als eher unangenehm wahr, aber weibliche Mäuse finden ihn so anziehend wie Aftershave.

Forscher vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung an der Vetmeduni Vienna untersuchten rund 100 Hausmäuse und fanden heraus, dass Männchen, die besonders viele „Duft“-Markierungen hinterlassen, mehr Nachkommen produzieren. Wahrscheinlich können Mausweibchen aus den Markierungen Schlüsse auf die Qualität der Männchen ziehen. Die Forscher veröffentlichten ihre Daten im Fachjournal Animal Behaviour.


"Stinkende" Mäuseriche haben mehr Erfolg bei den Damen und produzieren mehr Nachkommen.
Bild: Kerstin Thonhauser / Vetmeduni Vienna

Viele Tiere markieren ihr Territorium, indem sie an strategischen Punkten urinieren. Dieses Verhalten ist ein wichtiges Kommunikationsmittel und stellt unter anderem klar, wer sozial dominant oder untergeordnet ist. Markierungen dienen wahrscheinlich auch dem Werben um die Weibchen und sollen mögliche Mitbewerber abschrecken. Der Geruch der Mäusemarkierungen scheint ein sekundäres Geschlechtsmerkmal zu sein – vergleichbar mit den Federn eines Pfaus. Weibchen können also über den Duft beurteilen, ob ein Männchen stark und gesund ist. Untergeordnete Mäusemänner oder gar kranke produzieren weniger auffällige und attraktive Duftmarkierungen.

Die besseren Markierer haben mehr Nachkommen

Weibliche Mäuse durften für die Studie ihre Sexualpartner frei wählen und dann ihre Jungtiere austragen. Vaterschaftsanalysen bei den Nachkommen ergaben, dass gerade die Männchen, die zuvor am stärksten markierten, auch am häufigsten Väter wurden. Der Verhaltensforscher Dustin Penn erklärt: „Wir zeigen hier erstmals, dass die sexuelle Selektion das Markierverhalten aufrecht erhält. Weibchen wählen nämlich die starken Markierer für die Fortpflanzung aus, wenn sie frei wählen können.“

Es gibt verschiedene Erklärungsmodelle dafür, warum Weibchen sich für die stärkeren Markierer entscheiden. Einerseits vermittelt starkes Markieren wahrscheinlich gute Gesundheit und Kondition der Männchen. Markieren kostet allerdings Energie. Schwache Männchen können es sich also gar nicht leisten, viel zu markieren. Darüber hinaus locken die Tiere mit ihrem Markierungsverhalten ungewollt Fressfeinde an, und das können sich schwache Mäuse schon gar nicht leisten.

Der Geruch fremder Männchen regt Markierverhalten an

Es war bereits bekannt, dass dominante Männchen ihr Territorium stärker markieren als untergeordnete. Erstautorin Kerstin Thonhauser und ihre Kollegen wollten herausfinden was passiert, wenn fremde Männchen in das Territorium anderer männlicher Mäuse eindringen. Um dies herauszufinden, simulierten die Forscher Eindringlinge, indem sie die Käfige mit PVC Platten auslegten. Nach einiger Zeit vertauschten die Forscher die Platten mit denen anderer Männchen und entließen die einzelnen Mäuseriche wieder in die nun fremd riechenden Käfige. Dort konnten die Mäuse erneut ihre eigenen Duftmarken setzen. Nach Auswertung der Markierungsspuren zeigte sich eindeutig, dass männliche Mäuse stärker Markieren, wenn sie dem Geruch anderer Mausmännchen ausgesetzt sind. Sie versuchen also Eindringlinge mit starker Markierung abzuschrecken.

Schwächere Männchen sind nur die „guten Freunde“

Die sexuell weniger erfolgreichen Männchen gehen aber auch nicht leer aus. Mausweibchen bevorzugen es, mit den weniger attraktiven Männchen Zeit zu verbringen, während sie die starken Männer zum Fortpflanzen auswählen. Die „guten Freunde“ sind also nicht gleich attraktive Sexualpartner. Die Forscher untersuchen nun die genaue Zusammensetzung des Urins der Tiere. Vielleicht finden sie hier Hinweise darauf, wie Mäuse Informationen über Gesundheit und körperliche Kondition im Markierverhalten weitergeben.

Die Studie „Scent marking increases male reproductive success in wild house mice“, von Kerstin E. Thonhauser, Shirley Raveh, Attila Hettyey, Helmut Beissmann und Dustin J. Penn wurde im Jounal Animal Behaviour veröffentlicht. http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0003347213003904

Über die Veterinärmedizinische Universität Wien

Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ist die einzige universitäre veterinärmedizinische Bildungs- und Forschungsstätte Österreichs und zugleich die älteste im deutschsprachigen Raum. Die Vetmeduni Vienna beschäftigt 1200 Mitarbeiter und bildet zurzeit 2300 Studierende aus. Der Campus liegt im Norden von Wien und beherbergt ein Tierspital und zahlreiche Spin-Off Unternehmen. http://www.vetmeduni.ac.at

Wissenschaftlicher Kontakt:
Dr. Dustin Penn
Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 4890915 M +43 664 60257-6050
dustin.penn@vetmeduni.ac.at
Aussenderin:
Dr.rer.nat. Susanna Kautschitsch
Wissenschaftskommunikation / Public Relations
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 25077-1153
susanna.kautschitsch@vetmeduni.ac.at

Dr. Susanna Kautschitsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.vetmeduni.ac.at
http://www.vetmeduni.ac.at/de/infoservice/presseinformationen/presseinfo2013/maeuse-duft/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neue Arten in der Nordsee-Kita
05.12.2016 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

nachricht Alter beeinflusst den Mikronährstoffgehalt im Blut
05.12.2016 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden «Krebssignatur» in Proteinen

05.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Wichtiger Prozess für Wolkenbildung aus Gasen entschlüsselt

05.12.2016 | Geowissenschaften

Frühwarnsignale für Seen halten nicht, was sie versprechen

05.12.2016 | Ökologie Umwelt- Naturschutz