Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Made in Germany - und anderswo ... Max-Planck-Forscher entwickeln in Dresden einen Mikroskopie-Bausatz

17.07.2013
– die Nutzung und Weiterentwicklung legen sie in die Hände von Laboren weltweit

Selective Plane Illumination Microscopy (SPIM) ist eine innovative Mikroskopie-Methode, bei der nur wenige Mikrometer dünne Ebenen einer Probe mit Licht angeregt werden. So kann man etwa die Entwicklung eines gesamten Embryos in Echtzeit sichtbar machen.


Passt locker in einen Koffer: Der SPIM-Bausatz. Die Einfachheit des Systems soll zur Weiterentwicklung einladen. Einzige Bedingung: Das neue Wissen muss geteilt werden. Foto: MPI-CBG, Dresden

Da nur hauchdünne Schichten der Probe beleuchtet und abgebildet werden, werden negative Effekte wie Bleichen oder lichtinduzierter Stress minimal gehalten. Forscher in Dresden haben nun einen Grundbausatz entwickelt, mit dem sich jedes Labor einfach und schnell ein solches Mikroskop zusammenbauen kann.

Hilfe dazu gibt es auf einer Website, dort werden auch Ideen zur Weiterentwicklung des Systems gesammelt und mit allen Nutzern geteilt. Diese Offenheit ist Programm: OpenSPIM soll die innovative Mikroskopie-Methode möglichst vielen zugänglich machen und ihre Weiterentwicklung vorantreiben.

Die SPIM-Methode eignet sich vor allem, um die Aktivität einzelner Gene in einem wachsenden Embryo sichtbar zu machen. Da sich aber die Entwicklung mancher Modellorganismen einige Tage hinziehen kann und ihre Genome auch Tausende von Genen umfassen, steht noch viel Arbeit bevor.

Je mehr Leute also parallel mit dieser Technik arbeiten, um so schneller kommen wir voran, dachten sich Forscher am Dresdner Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik (MPI-CBG) – und entwickelten einen Grundbausatz, aus dem sich nun jeder schnell und unkompliziert ein eigenes SPIM-Mikroskop basteln kann. Das Ergebnis dieser Entwicklungsarbeit der Arbeitsgruppen von Pavel Tomancak und Jan Huisken am MPI-CBG ist OpenSPIM, ein Do it yourself-Mikroskop, das einfach, kompakt und mit Modulen erweiterbar ist.

Handlich und idiotensicher
OpenSPIM besteht im Grundaufbau aus einem Anregungslaserstrahl und einem Detektionsobjektiv – dem Grundprinzip der Lichtblatt-Mikroskopie. Gekoppelt ist das ganze System an die Open-Source-Software Fiji. Johannes Schindelin und sein Team an der University of Wisconsin-Madison erweiterten dazu die gängige Software µManager und integrierten sie in die Bildverarbeitungssoftware. Das Ganze passt locker in einen kleinen Rollkoffer. Dass das System wirklich einfach aufzubauen und in Betrieb zu nehmen ist, haben im März Schüler der African Leadership Academy bei einem Mikroskopie-Kurs in Südafrika bewiesen: In weniger als zwei Stunden bauten sie ihr eigenes SPIM-Mikroskop erfolgreich auf. Alle Teilnehmer des Kurses bestätigten die einfache Handhabung des SPIM-Starter Sets, in den Feedback-Bögen dazu notierten sie: „Absolut idiotensicher“.

Auf der Website openspim.org werden in Videos, Texten oder Bildern Hilfestellungen für den Zusammenbau gegeben und alle Bauteile bis ins kleinste Detail erklärt, Hinweise und Feedback von Nutzern gesammelt, sowie Weiterentwicklungen mit allen geteilt. Die Vision der Dresdner Forscher ist, dass sich eine quirlige Community aus Biologen und Mikroskopie-Spezialisten bildet, die gemeinsam die Technologie voranbringen – und dabei ganz nebenbei komplexe biologische Fragen klären.

Originalveröffentlichung:
Peter G Pitrone, Johannes Schindelin, Luke Stuyvenberg, Stephan Preibisch, Michael Weber, Kevin W Eliceiri, Jan Huisken & Pavel Tomancak:
OpenSPIM: an open-access light-sheet microscopy platform
Nature Methods 10, 598–599 (2013), doi:10.1038/nmeth.2507
Florian Frisch
Information Office
Max Planck Institute of
Molecular Cell Biology and Genetics
Pfotenhauerstr. 108
01307 Dresden
phone: +49 351 210 2840
fax: +49 351 210 1689
www.twitter.com/infooffice

Florian Frisch | Max-Planck-Institute
Weitere Informationen:
http://www.mpi-cbg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens
23.01.2017 | Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland e.V.

nachricht Ionen gegen Herzrhythmusstörungen – Nicht-invasive Alternative zu Katheter-Eingriff
20.01.2017 | GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie

Vom Feld in die Schule: Aktuelle Forschung zu moderner Landwirtschaft für den Unterricht

23.01.2017 | Bildung Wissenschaft

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten