Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lockige Katzen: Spontane Genmutation begründet neue Katzenrasse

30.10.2012
Neben vielen Hunderassen gab es bisher auch drei traditionelle Katzenrassen mit gelocktem Haar. Eine vierte Rasse mit dem Namen Selkirk Rex wurde 1987 in den USA begründet, nachdem dort ein Muttertier gänzlich unerwartet ein Junges mit gekräuseltem Fell zur Welt gebracht hatte.

Serina Filler und Gottfried Brem von der Vetmeduni Vienna konnten jetzt zeigen, dass sich Selkirk Rex auch genetisch deutlich von den drei bisher bekannten Rassen mit lockigem Fell unterscheidet. Ihre Ergebnisse zeigen zudem, dass die Locken der Katzenrasse Selkirk Rex auf eine einzige spontane Mutation zurückgehen. Ihre Arbeit wurde in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Journal of Heredity“ veröffentlicht.


Katze der Rasse Selkirk Rex
Foto: Vetmeduni Vienna/Filler

Im Jahr 1987 brachte eine Katze aus einem Tierheim in Montana, USA, ein Junges zur Welt, das zur Überraschung der dortigen Tierpfleger ein vollständig gekräuseltes Fell hatte. Erwachsen geworden, paarte sich das Tier mit einem Perserkater und bekam Junge, von denen einige ein glattes, andere wieder ein gekräuseltes Fell hatten. Das bedeutete für Züchter, dass die Genmutation, die für die Locken sorgte, dominant war: Es genügte, dass eines der beiden Genkopien im Genom der Tiere (väterlich oder mütterlich) mutiert war, um das Fell des Trägertieres zu kräuseln.

Genmutation erstmals beschrieben

Die kraushaarigen Katzen fanden bei Katzenfreunden viel Zuspruch und wurden rasch als neue Rasse mit dem Namen Selkirk Rex eingeführt. Die Tiere der mittlerweile auf der ganzen Welt registrierten Züchter von Selkirk Rex sind heute überaus beliebt. Bisher ist die genetische Grundlage für diese neue Rasse jedoch noch nicht erforscht worden. Gemeinsam mit Kollegen an der University of California in Davis unter Leitung von Leslie A. Lyons und vom Veterinärdiagnostischen Labor Agrobiogen in Deutschland haben Serina Filler und Gottfried Brem von der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni Vienna) die neue Katzenrasse untersucht und erstmals die Genmutation beschrieben, die für das gekräuselte Fell sorgt.

Gleichheit bringt Nachteile

Weil die Mutation dominant ist, genügt es, wenn entweder nur der väterliche oder nur der mütterliche Chromosomensatz die Fellmutation trägt („heterozygot“). Auch wenn beide, väterliche und mütterliche Chromosomensätze des Trägertieres, die Mutation tragen („homozygot“), ist sein Fell gekräuselt. Es stellte sich jedoch heraus, dass die heterozygoten Tiere (die jeweils das ursprüngliche und das mutierte Gen tragen) beliebter sind, da sie kürzere Ohren, einen rundlicheren Kopf und zudem ein stärker gelocktes Fell haben als die homozygoten Tiere (die das mutierte Gen doppelt tragen). Zudem tendieren die homozygoten Tiere dazu, in ihrer Jugend eine große Menge der Fellhaare zu verlieren, jedoch ohne deshalb völlig nackte Hautstellen zu bekommen.

Vor neun Generationen mutiert

Serina Filler untersuchte bei mehr als 150 Katzen, wie sich all die Rassemerkmale vererben, und untersuchte zudem die Erbsubstanz (DNS) bei fast all diesen Tieren. Sie fand heraus, dass die Mutation bei Selkirk Rex tatsächlich eine völlig andere ist als die bei den anderen anerkannten Katzenrassen mit lockigem Fell. Sie nannte die neue Mutation SADRE (Selkirk autosomal dominant Rex). Aus Fillers Genanalysen ging zudem hervor, dass diese Mutation vor etwa acht oder neun Generationen passiert sein muss, was sehr gut mit der Entstehungsgeschichte der Selkirk-Rex-Katzen übereinstimmt.

Gesunde Mischung

Die Zuchtrichtlinien erlauben ein Kreuzen von Selkirk Rex nicht nur mit Tieren derselben Rasse, sondern auch mit Perserkatzen und mit den Rassen Exotisch Kurzhaar, Britisch Kurzhaar und Britisch Langhaar. Deshalb weist die Katzenrasse Selkirk Rex eine hohe genetische Variabilität und niedrige Inzuchtkoeffizienten auf. Am nächsten scheint Selkirk Rex mit Perserkatzen und Britisch Kurzhaar verwandt zu sein, was darauf hindeutet, dass diese beiden Rassen in der Vergangenheit oft eingekreuzt wurden. Filler konnte zudem den Eindruck bestätigen, dass sich insbesondere Britisch Kurzhaar, aber auch andere Outcrossrassen genetisch wenig bis gar nicht von den Selkirk-Rex-Katzen unterscheiden lassen.

Relativ unkomplizierte Zucht

Die Studie bestätigt also, dass die Katzenrasse Selkirk Rex aus einer einzigen spontanen Mutation hervorgegangen ist, die vor etwa 25 Jahren passiert sein muss. Weil diese Mutation dominant vererbt wird, ist es vergleichsweise einfach, sie in der Zucht zu erhalten. Die Rasse hat allgemein ein vorteilhaftes Maß an genetischer Vielfalt, da in der Vergangenheit mehrmals andere Rassen eingekreuzt wurden. Serina Filler dazu: „Wir nehmen an, dass das hohe Maß an genetischer Diversität bei Selkirk Rex uns erlaubt, die Zahl der zur Einkreuzung freigegebenen Katzenrassen auf einige wenige zu beschränken. Das würde dabei helfen, bei Selkirk Rex eine einzigartige Kopf- und Körperform zu züchten und sie damit noch deutlicher von anderen Katzenrassen unterscheidbar zu machen.“

Der Artikel “Selkirk Rex: Morphological and Genetic Characterization of a New Cat Breed” von Serina Filler, Hasan Alhaddad, Barbara Gandolfi, Jennifer D. Kurushima, Alejandro Cortes, Christine Veit, Leslie A. Lyons und Gottfried Brem ist in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Journal of Heredity“ (J Hered (2012) 103 (5): 727-733) erschienen.

Zusammenfassung des wissenschaftlichen Artikels online (Volltext gegen Entgelt oder Subskription):

http://jhered.oxfordjournals.org/content/early/2012/07/26/jhered.ess039

Rückfragehinweis
O.Univ.Prof. Dr. Gottfried Brem
Institut für Tierzucht und Genetik
Veterinärmedizinische Universität Wien
T +43 1 25077-5600
gottfried.brem@vetmeduni.ac.at
Aussender
Mag. Klaus Wassermann
Public Relations/Wissenschaftskommunikation
Veterinärmedizinische Universität Wien
T +43 1 25077-1153
klaus.wassermann@vetmeduni.ac.at

Klaus Wassermann | idw
Weitere Informationen:
http://www.vetmeduni.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Der Evolutionsvorteil der Strandschnecke
28.03.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Mobile Goldfinger
28.03.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit

Antibiotikaresistenz zeigt sich durch Leuchten

28.03.2017 | Biowissenschaften Chemie