Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lippenbläschen ade

01.06.2011
Herpesinfektionen an Lippen, Augen oder Nase sind schmerzhaft, langwierig und unangenehm. Ein neues 3-D-Herpesinfektionsmodell bringt Hoffnung: Wirkstoffe und neue Therapieverfahren lassen sich damit zuverlässig testen, Tierversuche könnten schon bald der Vergangenheit angehören.

Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart. Eine Herpeserkrankung ist nicht immer ungefährlich. Im schlimmsten Fall kommt es zu Entzündungen des Nervensystems und des Gehirns. Die Wissenschaftlerin hat zusammen mit ihrem Team und der Abteilung Zellsysteme ein 3-D-Herpesinfektionsmodell entwickelt. Erstmals gelingt es so, das komplizierte Ruhestadium des Virus in ein Hautmodell zu integrieren. Das neue Verfahren wurde jetzt zum Patent angemeldet.


Mit dem 3-D-Infektionsmodell lassen sich Infektionsmechanismen wie etwa eine Herpeserkrankung untersuchen. (© Fraunhofer IGB)

»Herpesviren ziehen sich nach dem Abklingen der Bläschen in Nervenzellen zurück und ruhen da. In diesem Stadium ist nur noch die DNA des Virus nachweisbar«, erläutert die Expertin die Besonderheit des Krankheitserregers. Sobald ein Mensch zu viel Stress oder auch intensiver Sonnenbestrahlung ausgesetzt ist, kann die Nervenzelle das Virus freisetzen. Entlang von Nervenbahnen wandert es an Stellen, an denen es bereits öfter ausgebrochen ist. Die Neuinfektion wird sichtbar.

Bisher genutzte Hautmodelle für Nachweis- und Wirkstofftests gegen das Virus waren nur sehr einfach und konnten das Schlummerstadium des Erregers nicht abbilden. »Wir haben in das zertifizierte Hautmodell des IGB eine neuronale Zelllinie integriert und können erstmals dieses Latenzstadium darstellen. Wie in den menschlichen Nervenzellen sind die Partikel des Virus selbst nicht zu sehen, lediglich die DNA kann man per PCR-Analyse – einer Polymerase-Kettenreaktion – nachweisen«, erläutert die Expertin. Die Forscherin und ihr Team haben das Hautmodell anschließend einer Ultraviolettstrahlung im Wellenlängenbereich von 280 bis 315 Nanometern (UVB) ausgesetzt. Dadurch konnte das Herpes-Virus reaktiviert werden, am Hautmodell trat eine Infektion auf. Auch an einer Co-Kultur gelang der Nachweis dieser Reaktivierung. Dazu setzten die Forscher die latent infizierte neuronale Zelllinie auf einen Träger mit Poren. Die Zellen wurden im Anschluss ebenfalls mit UVB bestrahlt. Das Virus wurde reaktiviert, durchdrang diese Poren, und infizierte Hautkeratinozyten, sprich hornbildende Zellen, die zuvor kultiviert worden waren.

Als Nachweis für die Infektion nutzten die Wissenschaftler einen spezifischen Antikörper, der an ein spezielles Protein auf der Außenhülle des Virus bindet. Mittels dieser Antikörperfärbung konnte die Infektion der Hautzellen durch den reaktivierten Virus aus den Nervenzellen eindeutig gezeigt werden. »Das 3-D-Herpesinfektionsmodell bildet also die In-vivo-Situation genau nach. Tierversuche werden künftig weitgehend überflüssig«, freut sich die Doktorandin Ina Hogk, die von Anfang an bei der Entwicklung des Modells mitgewirkt hat.

Vom 3-D-Herpesinfektionsmodell der IGB-Forscher kann zum einen die Wirkstoffforschung profitieren, zum anderen lassen sich damit Infektionsmechanismen besser untersuchen. Denkbar wäre das Verfahren künftig auch für das Testen neuer Medikamente gegen Gürtelrose, die ebenfalls von einer Herpesvariante ausgelöst wird. Auf der Messe BIO vom 27. bis 30. Juni in Washington DC (German Pavilion, Booth 2305) beantworten die Fraunhofer-Wissenschaftler Fragen zu ihrer Neuentwicklung.

Dr. Anke Burger-Kentischer | Fraunhofer Mediendienst
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2010-2011/18/lippenblaeschen-infektionsmodell-infektionsmechanismen.jsp

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht In Hochleistungs-Mais sind mehr Gene aktiv
19.01.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Warum es für Pflanzen gut sein kann auf Sex zu verzichten
19.01.2018 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie