Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lichtverschmutzung behindert die Regeneration von Regenwäldern

11.03.2014

Zunehmende Lichtverschmutzung in tropischen Lebensräumen kann die Regeneration von Regenwäldern behindern. Nachtaktive, Samen verbreitende Tiere werden gestört. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin.

Zum ersten Mal konnte in einem tropischen Regenwald, in Costa Rica, nachgewiesen werden, dass Samen verbreitende Fledermäuse weniger Früchte in lichtverschmutzten als in dunklen Gebieten ernten.


Früchte fressende Fledermaus (Carollia sowelli) in Costa Rica.

Foto: Schneeberger K/IZW


Früchte fressende Fledermaus (Carollia sowelli) in Costa Rica.

Foto: Schneeberger K/IZW

Die Folge davon ist eine verminderte Verbreitung von Samen, was wiederum die Regeneration von Regenwäldern behindern kann. Diese Ergebnisse einer Studie wurden jetzt in der Fachzeitschrift Journal of Applied Ecology der British Ecological Society veröffentlicht.

Daniel Lewanzik, Doktorand am IZW und Erstautor der Studie, unterteilte einen Flugkäfig in zwei Kammern. In der einen war es dunkel, die andere wurde mit einer Natriumdampflampe beleuchtet. Diese Lampen werden weltweit bei Straßenbeleuchtungen eingesetzt. In den Kammern wurde Früchte fressenden Kurzschwanz-Blattnasenfledermäusen (Carollia sowelli) ihr Lieblingsessen angeboten: Früchte von Pfeffergewächsen der Gattung Piper.

Die Ergebnisse des Versuches zeigten, dass die Fledermäuse die dunkle Kammer doppelt so häufig wie die beleuchtete aufsuchten, und in der dunklen Kammer auch fast doppelt so viele Früchte ernteten.

In einem zweiten Experiment richtete Lewanzik die gleichen Straßenlampen auf frei im Regenwald stehende Pfeffergewächse. Es stellte sich heraus, dass die Fledermäuse bei beleuchteten Pflanzen nur 78 % der reifen Früchte ernteten. Wurden die Pflanzen nicht beleuchtet, holten sich die Fledermäuse hingegen alle reifen Früchte.

Die Meidung von künstlichem Licht ist bereits von europäischen, Insekten fressenden Fledermäusen bekannt, wurde aber noch nie bei tropischen, Frucht fressenden Fledermäusen nachgewiesen.

Der Umstand, dass Frucht fressende Fledermäuse der Tropen beleuchtete Gebiete meiden, kann beträchtliche Auswirkungen auf die Regeneration von Regenwäldern haben. Früchte fressende Fledermäuse spielen bei der Ausbreitung von Samen eine zentrale Rolle.

„Besonders bedeutsam ist die Samenausbreitung von Fledermäusen auf degradierten oder abgeholzten Waldflächen. Die Freiflächen werden oft schon nach wenigen Jahren nicht mehr bewirtschaftet, da tropische Böden zu wenige Nährstoffe enthalten. Neben Fledermäusen tragen kaum andere Tiere Samen von Pionierpflanzen in solch offene und wenig Schutz bietende Flächen ein. Diese Pionierpflanzen, wie z. B. Pfeffergewächse, sind aber essentiell um eine Wiederbewaldung anzustoßen“, erklärt Daniel Lewanzik.

Unter natürlich dunklen Bedingungen erzeugen Früchte fressende Fledermäuse einen ausgiebigen „Samen-Regen“, indem sie während des Fluges die Samen mit ihrem Kot verteilen. Durch die Lichtverschmutzung reduziert sich womöglich der produktive „Samen-Regen“, da in beleuchteten Gebieten die nächtliche Nahrungssuche der Früchte fressenden Fledermäuse geringer ausfällt. Besonders in tropischen Ländern, in denen Bevölkerung und Wirtschaft rapide wachsen, nimmt die Lichtverschmutzung stark zu.

„Durch ein entsprechend verändertes „Lichtdesign“ könnte die Lichtverschmutzung reduziert werden. Künstliches Licht muss in Zukunft gezielter eingesetzt werden, um schädliche Effekte auf Mensch und Natur zu minimieren. Die Erhaltung und Schaffung von miteinander verbundenen, nicht beleuchteten Flächen (dunkle Korridore), ist für lichtsensible Wildtiere wie z. B. der Fledermaus sehr wichtig. Einerseits dienen diese dunklen Flächen als Rückzugsgebiet, andererseits kann die Samenverteilung durch Fledermäuse weitflächiger erfolgen, was die Biodiversität erhöht“, sagt Lewanzik.

Publikation:
Lewanzik D, Voigt CC (2014): Artificial light puts ecosystem services of frugivorous bats at risk. Journal of Applied Ecology.
DOI: 10.1111/1365-2664.12206.

Foto:
Früchte fressende Fledermaus (Carollia sowelli) in Costa Rica. Bildautorin: Schneeberger K/IZW

Kontakt
Leibniz-Institut für Zoo und Wildtierforschung (IZW)
Daniel Lewanzik
Tel.: +49 30 5168-326
lewanzik@izw-berlin.de

Leibniz-Institut für Zoo und Wildtierforschung (IZW)
Dr. Christian C Voigt
Tel.: +49 30 5168-517
voigt@izw-berlin.de

Leibniz-Institut für Zoo und Wildtierforschung (IZW)
Steven Seet
(Öffentlichkeitsarbeit)
Tel.: +49 30 5168-125
seet@izw-berlin.de

Hintergrundinformationen:
Das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) ist eine national und international renommierte Forschungseinrichtung, die anwendungsorientierte und interdisziplinäre Grundlagenforschung in den Bereichen Evolutionsökologie und -genetik, Wildtierkrankheiten, sowie Reproduktionsbiologie und -management bei Zoo- und Wildtieren betreibt. Aufgabe des IZW ist die Erforschung der Vielfalt der Lebensweisen, der Mechanismen evolutionärer Anpassungen und der Anpassungsgrenzen inklusive Krankheiten von Zoo- und Wildtieren in und außerhalb menschlicher Obhut sowie ihrer Wechselbeziehungen mit Mensch und Umwelt. Die gewonnenen Erkenntnisse sind Voraussetzung für einen wissenschaftlich begründeten Artenschutz und für Konzepte der ökologischen Nachhaltigkeit der Nutzung natürlicher Ressourcen. Das IZW gehört zum Forschungsverbund Berlin e.V. (FVB), einem Zusammenschluss von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. In ihnen arbeiten mehr als 1.500 Mitarbeiter. Die vielfach ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft.

Weitere Informationen:

http://www.batlab.de
http://www.izw-berlin.de
http://www.journalofappliedecology.org
http://www.youtube.com/watch?v=1kb-So7sZmY&list=PLj2iBP9OyvXMhylmhjjNOaxawag...

Karl-Heinz Karisch | Forschungsverbund Berlin e.V.

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise