Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Libellen: Neuer Hotspot der Artenvielfalt in Afrika

20.04.2012
Erste komplette Erfassung der Biodiversität einer Insektengruppe auf einem Kontinent
TU Braunschweig: Wissenschaftler haben die räumliche Verteilung der Biodiversität aller 700 Libellenarten Afrikas und ihre Gefährdung untersucht. Dabei wurde die Artenzahl in allen (mehr als 7000) Flusseinzugsgebieten ermittelt. Es ist damit die weltweit erste komplette Erfassung der Biodiversität einer Insektengruppe für einen gesamten Kontinent. Die Ergebnisse können für Naturschutz- und Planungszwecke genutzt werden.

Unter der Projektleitung von Dr. Viola Clausnitzer, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung Görlitz, war das Team von Prof. Dr. Frank Suhling vom Institut für Geoökologie der Technischen Universität Braunschweig an dem internationalen Verbundprojekt entscheidend beteiligt. Es lieferte unter anderem die Analyse der Daten im Geografischen Informationssystem.
Ein wichtiges Ergebnis der Studie ist die Erkenntnis, dass die höchste Artenzahl nicht im tropischen Regenwald zu finden ist, sondern eher in seinen Randbereichen. Ein bisher unerkannter Hotspot der Artendiversität, wo fast die Hälfte aller afrikanischen Libellenarten zu finden ist, liegt auf der Wasserscheide zwischen dem Kongo und dem Sambesi Fluss, in einem Gebiet, dass von ausgedehnten Mooren und Sümpfen dominiert wird.

„Ein positives Ergebnis der Studie ist, dass von allen afrikanischen Libellen aktuell nur neun Prozent der Arten gefährdet sind“, erklärt Prof. Frank Suhling. „Regional können aber Unterschiede auftauchen. Besonders viele gefährdete Arten leben zum Beispiel am Kap der Guten Hoffnung, in den Küstenwäldern und Gebirgsregionen Ostafrikas und dem Hochland Äthiopiens.“
Die Gefährdung ist, so Suhling, insbesondere dort hoch, wo der Druck auf Süßwasserressourcen hoch ist. Denn Libellen sind in ihrer Entwicklung an Wasser gebunden. Sie sind daher auch eine gute Indikatorgruppe für den Qualitätszustand von Gewässern. Zurzeit hat die Projektgruppe ein auf Libellen basierendes Indikatorsystem in Entwicklung und Erprobung, das in Zukunft für ganz Afrika angewendet werden soll.

Durchgeführt wurde die Studie im Verbund mit Wissenschaftlern aus Algerien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und Südafrika. Auftraggeberin ist die IUCN (International Union for Conservation of Nature, http://www.iucn.org/). Das Forschungsprojekt wurde im April in der Fachzeitschrift der Ecological Society of America, Frontiers in Ecology and the Environment, publiziert.

Quelle:
Clausnitzer V, Dijkstra KD-B, Koch R, Boudot JP, Darwall W, Kipping J, Samraoui B, Samways M, Simaika J, Suhling F, 2012. Focus on African freshwaters: hotspots of dragonfly diversity and conservation concerns. Frontiers in Ecology and the Environment 10: 129-134.

Crenigomphus kavangoensis kommt nur am Mittellauf des Okavango-Flusses vor und hat daher nur ein sehr kleines Verbreitungsgebiet.
Quelle: Frank Suhling / TU Braunschweig


Rhyothemis fenestrina
Quelle: Frank Suhling / TU Braunschweig

Front Ecol Environ 2012; 10(3): 129–134, doi:10.1890/110247 (published online 24 Feb 2012): http://www.esa.org/pdfs/Clausnitzer.pdf

Vergleiche die Presseinformation des Senckenberg Forschungsinstituts im idw vom 29.2.2012: idw-online.de/pages/de/news465497

Kontakt
Prof. Dr. Frank Suhling
Institut für Geoökologie
Technische Universität Braunschweig
Langer Kamp 19c, Raum 303
38106 Braunschweig
Tel.: 0531 391 5915
E-Mail: f.suhling@tu-braunschweig.de

Ulrike Rolf | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-braunschweig.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zellen auf Wanderschaft: Falten in der Zellmembran liefern Material für nötige Auswölbungen
23.11.2017 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Neues Verfahren zum Nachweis eines Tumormarkers in bösartigen Lymphomen
23.11.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Seminar „Leichtbau im Automobil- und Maschinenbau“ im Haus der Technik Berlin am 16. - 17. Januar 2018

23.11.2017 | Seminare Workshops

Biohausbau-Unternehmen Baufritz erhält von „ Capital“ die Auszeichnung „Beste Ausbilder Deutschlands“

23.11.2017 | Unternehmensmeldung