Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Leukämie: Suche nach molekular-gezielten Therapieansätzen

04.02.2009
Trotz der stark verbesserten Therapiemöglichkeiten kann ein Großteil der leukämischen Erkrankungen noch nicht geheilt werden.

Erste Erfolge wurden mit der Entwicklung kleinmolekularer Hemmstoffe gegen unkontrolliert-aktive Proteinkinasen in chronisch myeloischer Leukämie erzielt. In einem von der Wilhelm Sander-Stiftung geförderten Projekt untersucht die Forschungsgruppe um Prof. Jürg Schwaller vom Departement Biomedizin des Universitätsspitals Basel die Rolle der PIM Proteinkinasen bei der Entstehung und Therapie leukämischer Erkrankungen.

Proteinkinasen sind enzymatisch-aktive Eiweiße welche durch Übertragen von Phosphatgruppen die biologische Aktivität einer Vielzahl von Molekülen der Zelle regulieren. Die durch genetische Veränderungen hervorgerufene unkontrollierte Aktivität verschiedener Proteinkinasen, ist ein zentrales Element in der Entstehung bösartiger Krebserkrankungen. Ein bekanntes Beispiel ist die durch Genfusion konstitutiv-aktive ABL Proteinkinase welche für die Enstehung der chronisch myeloischen Leukämie (CML) verantwortlich ist. Durch die erfolgreiche Entwicklung kleinmolekularer Hemmstoffe gegen ABL konnte die Therapie der CML stark verbessert werden.

Von den über 500 bekannten Proteinkinasen des Menschen scheint eine Vielzahl eine Rolle in der Krebsentstehung zu spielen ohne selber genetische Läsionen aufzuweisen. Die unkontrollierte Aktivität solcher Kinasen ist meist eine Folge verschiedenster genetischer Veränderungen welche ein komplexes Netzwerk von Signalübertragungswegen in Gang setzen. In früheren Arbeiten konnte das Forschungsteam von Prof. Schwaller zeigen, dass bestimmte genetische Läsionen in Leukämiezellen zur erhöhten Expression von PIM Proteinkinasen führen.

In normalen Blutzellen findet man zwei von drei bekannten menschlichen PIM Proteinkinasen: PIM1 und PIM2. PIM Proteinkinasen beeinflussen sowohl Wachstum wie auch Überleben von Zellen. Durch gezieltes Ausschalten der PIM Proteinkinasen mittels genetischer Methoden, wie zum Beispiel der RNA-Interferenz konnte das Wachstum leukämischer Zellen signifikant vermindert werden. In enger Zusammenarbeit mit Strukturbiologen (Prof. Stefan Knapp, Oxford) charakterisierte die Gruppe von Prof. Schwaller neue kleinmolekulare Hemmstoffe gegen PIM Proteinkinasen. Interessanterweise blockierten diese nicht nur die enzymatische Aktivität der PIM Proteinkinasen im Reagenzglas sondern reduzierten auch das Überleben und Wachstum von menschlichen leukämischen Zellen.

Nach diesen Vorarbeiten möchte die Gruppe von Prof. Schwaller neue und verbesserte PIM Proteinkinasenhemmer in verschiedenen Leukämiemodell-systemen testen. Dazu soll herausgefunden werden, welche Rolle PIM Proteinkinasen in der Entstehung von leukämischen Erkrankungen spielen. Um diese Frage experimentell anzugehen, hat die Gruppe um Prof. Schwaller verschiedene Mausmodelle menschlicher Leukämien entwickelt. Das Forschungsvorhaben wird nicht nur wichtige Erkenntnisse für die Entstehung leukämischer Krankheiten liefern, sondern könnte auch helfen neue Wirkstoffe zu finden, welche in einem späteren Stadium für die Leukämie-Therapie am Patienten zum Einsatz kommen.
Kontakte:
Prof. Dr. Jürg Schwaller, Universitätsspital Basel, Departement Biomedizin, Hebelstrasse 20, CH-4031 Basel. E-mail:J.Schwaller@unibas.ch,

http://biomedizin.unibas.ch/nc/research/research-group-details/home/researchgrou...

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 80.000 €. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe, | idw
Weitere Informationen:
http://www.sanst.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Treibjagd in der Petrischale
24.11.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

nachricht Dinner in the Dark – ein delikates Wechselspiel der Mikroorganismen
24.11.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Metamaterial mit Dreheffekt

Mit 3D-Druckern für den Mikrobereich ist es Forschern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gelungen ein Metamaterial aus würfelförmigen Bausteinen zu schaffen, das auf Druckkräfte mit einer Rotation antwortet. Üblicherweise gelingt dies nur mit Hilfe einer Übersetzung wie zum Beispiel einer Kurbelwelle. Das ausgeklügelte Design aus Streben und Ringstrukturen, sowie die zu Grunde liegende Mathematik stellen die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Science vor.

„Übt man Kraft von oben auf einen Materialblock aus, dann deformiert sich dieser in unterschiedlicher Weise. Er kann sich ausbuchten, zusammenstauchen oder...

Im Focus: Proton-Rekord: Magnetisches Moment mit höchster Genauigkeit gemessen

Hochpräzise Messung des g-Faktors elf Mal genauer als bisher – Ergebnisse zeigen große Übereinstimmung zwischen Protonen und Antiprotonen

Das magnetische Moment eines einzelnen Protons ist unvorstellbar klein, aber es kann dennoch gemessen werden. Vor über zehn Jahren wurde für diese Messung der...

Im Focus: New proton record: Researchers measure magnetic moment with greatest possible precision

High-precision measurement of the g-factor eleven times more precise than before / Results indicate a strong similarity between protons and antiprotons

The magnetic moment of an individual proton is inconceivably small, but can still be quantified. The basis for undertaking this measurement was laid over ten...

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mathematiker-Jahrestagung DMV + GDM: 5. bis 9. März 2018 an Uni Paderborn - Über 1.000 Teilnehmer

24.11.2017 | Veranstaltungen

Forschungsschwerpunkt „Smarte Systeme für Mensch und Maschine“ gegründet

24.11.2017 | Veranstaltungen

Schonender Hüftgelenkersatz bei jungen Patienten - Schlüssellochchirurgie und weniger Abrieb

24.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mathematiker-Jahrestagung DMV + GDM: 5. bis 9. März 2018 an Uni Paderborn - Über 1.000 Teilnehmer

24.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Maschinen über die eigene Handfläche steuern: Nachwuchspreis für Medieninformatik-Student

24.11.2017 | Förderungen Preise

Treibjagd in der Petrischale

24.11.2017 | Biowissenschaften Chemie