Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Leukämie: Kölner Forscher sind dem „Lebenselixier“ der Krebszellen auf der Spur

30.03.2012
Die chronische lymphatische Leukämie (CLL) entsteht durch eine Anhäufung kranker B-Lymphozyten (CLL-Zellen) im Blut, Knochenmark und Lymphknoten.
Um zu Überleben, benötigen die Krebszellen Kontakt mit gesunden Zellen in ihrer Umgebung. Forscher der Uniklinik Köln wollen herausfinden, ob der Eiweißstoff Angiopoietin-2, welcher bei CLL-Patienten in erhöhtem Maße im Blut nachgewiesen werden kann, für das Wechselspiel zwischen CLL-Zellen und dem gesunden Gewebe wichtig ist. Wäre dies der Fall, kann Angiopoietin-2 als Ansatzpunkt für eine zielgerichtete Therapie genutzt werden. Die Interaktion der Krebszellen mit ihrer Umgebung könnte unterbunden und so ihr Absterben gefördert werden.

Wenn CLL-Zellen aus ihrer natürlichen Umgebung im Körper des Patienten herausgenommen werden, sterben sie schnell ab. Aus diesem Grund geht man davon aus, dass das Nebeneinander von entarteten Zellen und gesunden Zellen des umliegenden Gewebes (das sogenannte Mikromilieu) einen entscheidenden Faktor für das Überleben der Krebszellen darstellt.

Von anderen Krebsarten ist bekannt, dass Eiweißstoffe, die normalerweise an der Bildung von Blutgefäßen beteiligt sind, eine wichtige Rolle für das Überleben des Tumors spielen. Auch bei Leukämien, wie der CLL, konnten solche Eiweißstoffe, zum Beispiel der vaskuläre endotheliale Wachstumsfaktor (VEGF) oder Angiopoietin-2, in erhöhtem Maße im Blut der Patienten nachgewiesen werden.

PD Dr. Karl-Anton Kreuzer und Dr. Iris Gehrke aus der Klinik I für Innere Medizin der Uniklink Köln konnten in früheren Arbeiten nachweisen, dass die Hemmung des VEGF-Rezeptors CLL-Zellen dazu bringt, abzusterben. Außerdem konnten sie zeigen, dass von normalem Knochenmarkbindegewebe produziertes VEGF das Überleben der CLL-Zellen unterstützt. CLL-Patienten mit geringen Heilungschancen weisen besonders hohe Blutspiegel von Angiopoietin-2 auf.

In einem von der Wilhelm-Sander-Stiftung geförderten Projekt wird die Arbeitsgruppe von PD Dr. Kreuzer und Dr. Gehrke die Rolle des Proteins Angiopoietin-2 und dessen korrespondierenden Rezeptor Tie-2 bei der CLL genauer untersuchen. Dabei liegt ein Schwerpunkt in der Aufklärung der Bedeutung dieser beiden Proteine für das Mikromilieu der CLL. Diese Untersuchungen werden mit Hilfe von Zellkultursystemen durchgeführt, welche CLL-Zellen und Zellen aus ihrem natürlichen Umgebungsgewebe im Körper enthalten. Um die Situation im Körper des Patienten noch besser nachzustellen, werden die Forscher der Uniklinik Köln zudem den Sauerstoffgehalt der Umgebungsluft so ändern, dass er dem vorherrschenden Milieu im Körper nahe kommt.
Die Untersuchungen sollen einen Beitrag zum Verständnis des Wechselspiels von CLL-Zellen und ihrem Mikromilieu leisten. Das übergeordnete Ziel ist hierbei, Angiopoietin-2 und/oder Tie-2 als potentiellen Angriffspunkt für eine neue zielgerichtete Therapie für die CLL zu identifizieren.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit rund 90.000 Euro. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.
Kontakt (Projektleitung):
Dr. rer. nat. Iris Gehrke
Klinik I für Innere Medizin, Universität zu Köln
Kerpener Strasse 62, 50937 Köln
Telefon: +49 (0) 221 478 97384
Email: iris.gehrke@uk-koeln.de

Sylvia Kloberdanz | idw
Weitere Informationen:
http://wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Proteine entdecken, zählen, katalogisieren
28.06.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Chemisches Profil von Ameisen passt sich bei Selektionsdruck rasch an
28.06.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive