Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Leberversagen bei einer Blutvergiftung frühzeitig erkennen

28.01.2014
Innovatives Verfahren zur raschen Diagnose eines Leberschadens infolge einer Sepsis

Durch ein neues Verfahren kann eine Leberfunktionsstörung bei Patienten mit einer bakteriellen Blutvergiftung frühzeitig nachgewiesen werden. Dies ist das Ergebnis einer Studie von Wissenschaftlern der Charité – Universitätsmedizin Berlin, die in der Fachzeitschrift Critical Care* veröffentlicht ist.

Somit ist es jetzt möglich, bei septischen Patienten rechtzeitig eine verbesserte und die Leber schützende Therapie einzuleiten und Komplikationen zu vermeiden.

Patienten mit einer Sepsis entwickeln häufig ein Organversagen. Bislang konnte eine Minderfunktion der Leber im Gegensatz zur Dysfunktion anderer Organe jedoch nur unzuverlässig beschrieben werden. In der aktuellen Studie untersuchten Dr. Magnus Kaffarnik und Privatdozent Dr. Martin Stockmann aus der Klinik für Allgemein-, Visceral- und Transplantationschirurgie am Campus Virchow–Klinikum Patienten mit einer Blutvergiftung hinsichtlich der Entwicklung eines Leberversagens.

Die Forscher verglichen verschiedene Leberfunktionstests mit einem an der Charité entwickelten, innovativen Diagnoseverfahren, dem sogenannten LiMAx-Test. Dieser misst die Enzymleistung der Leber und kann damit die aktuelle Leberleistung bestimmen. Für die Messung wird dem Patienten ein bestimmtes Präparat verabreicht, das in der Leber verarbeitet wird und dessen Abbauprodukt in der Atemluft gemessen werden kann. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass durch den LiMAx-Test eine Störung der Leberfunktion frühzeitig und präziser nachgewiesen werden kann und dass ein Zusammenhang zwischen Testergebnis und der Sterbe- und Komplikationswahrscheinlichkeit besteht.

„Bisher war die frühzeitige Diagnose eines Leberschadens bei Patienten mit Blutvergiftung so problematisch, weil die Leberwerte aus dem Blut erst mit einer gewissen Latenzzeit steigen. Dann können sie zwar eine Schädigung zeigen, aber nicht genau die Leberleistung messen“, erläutert Dr. Martin Stockmann. So konnte es bisher passieren, dass trotz einer bereits deutlich eingeschränkten Leberfunktion normale Laborwerte angezeigt werden. Der neue Test erfasst einen Leberschaden bereits im Frühstadium. „Durch die Genauigkeit der Werte kann die Therapie früher und besser an den Patienten angepasst werden“, betonen die Wissenschaftler.

Der LiMAx-Test ist ein nicht-invasiver Leberfunktionstest, der auf der schnellen Verstoffwechselung des speziell markierten Arzneimittels 13C-Methacetin beruht. 13C-Methacetin wird in der Leber zu Paracetamol und markiertem Kolendioxid (13CO2) abgebaut. Letzteres wird mit dem Atem ausgeatmet, über eine Atemmaske aufgefangen und in einem spezifischen, hoch sensitiven Gerät am Patientenbett online analysiert. Aus der resultierenden Kinetik wird der LiMAx-Wert entsprechend der aktuellen Leberleistung unmittelbar berechnet (Point-of-care). Der Test wurde an der Charité von Dr. Stockmann entwickelt und wird von der Firma Humedics, einer gemeinsamen Ausgründung der Charité und der Freien Universität Berlin, zur Serienreife und Zulassung gebracht. Das neue Verfahren wird bereits routinemäßig in der Charité und einigen anderen Kliniken eingesetzt.

*Kaffarnik MF et al. Early diagnosis of sepsis-related hepatic dysfunction and its prognostic impact on survival: a prospective study with the LiMAx test. Crit Care 2013;17(5):R259. doi:10.1186/cc13089.

Kontakt:
Privatdozent Dr. Martin Stockmann
Dr. Magnus Kaffarnik
Klinik für Allgemein-, Visceral- und Transplantationschirurgie
Campus Virchow-Klinikum
Charité - Universitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 552 001
Weitere Informationen:
Workgroup for the liver:
http://www.charite.de/avt/forschung/workgroup_for_the_liver/index.html
Klinik für Allgemein-, Visceral- und Transplantationschirurgie
http://www.charite.de/avt/

Dr. Julia Biederlack | idw
Weitere Informationen:
http://www.charite.de/avt/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Ionen gegen Herzrhythmusstörungen – Nicht-invasive Alternative zu Katheter-Eingriff
20.01.2017 | GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH

nachricht Leibwächter im Darm mit chemischer Waffe
20.01.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise