Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lebensrettendes Plasma schneller vom Spender zum Patienten

21.02.2011
Ein neues Plasmapräparat wurde jetzt am Institut für Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum Jena entwickelt. Das bereits zugelassene Arzneimittel ist eine EU-weite Neuentwicklung, dessen Herstellung schneller bei gleichzeitig höchster Sicherheit erfolgen kann.

Benötigt wird das Plasma in akuten Notfällen und bei Operationen, aber auch für Blutwäschen, sogenannte Apheresebehandlungen, beispielsweise bei Abstoßungsreaktionen nach Transplantationen oder bei neurologischen und internistischen Erkrankungen.

Obwohl in der Transfusionsmedizin des UKJ 300 Plasmaspenden pro Monat abgenommen werden, mussten die fertigen Plasmapräparate bisher eingekauft werden. Diese sind am UKJ täglich im Einsatz, jährlich werden in den Kliniken bis zu 16.000 Einheiten benötigt.

„Jetzt können wir das gespendete Plasma direkt vor Ort selbst verarbeiten und einsetzen“, erklärt Prof. Dagmar Barz, Direktorin des Instituts für Transfusionsmedizin. „Für uns war es wichtig, ein neues risikoarmes Plasmaprodukt zu entwickeln, dass gut verträglich und für Austauschbehandlungen geeignet ist, weil dabei ein Patient pro Behandlung bis zu 16 Einheiten Fremdplasma erhalten kann“, so Barz.

Zwei Jahre lang arbeitete das Team um Prof. Barz an der Entwicklung des Produkts. Dessen besondere Sicherheit wird nun durch ein zweistufiges Verfahren gewährleistet. Dabei werden in einer Pathogenreduzierung Erreger im Blut und durch einen 65-µm-Filter Blutzellen entfernt. „Blutzellen sind verantwortlich für immunologische Nebenwirkungen“, erklärt Dagmar Barz. „Dieser Filterschritt wird bisher von keinem anderen Hersteller in Europa durchgeführt. Das besondere ist, dass das hergestellte Produkt sofort dem Patienten zur Verfügung gestellt werden kann, was bei dem Standardplasma nicht der Fall ist“, so Barz weiter.

„Auf diese Weise können wir innerhalb eines Tages auch individuell benötigte Transfusionsprodukte herstellen“, erklärt dazu Oberärztin Silke Rummler, Leiterin des therapeutischen Apheresezentrums am Institut für Transfusionsmedizin des UKJ.

Das Plasma wird neben dem Einsatz bei der Behandlung von Notfällen mit starkem Blutverlust beispielsweise für den therapeutischen Plasmaaustausch gebraucht. Dabei werden krankmachende Substanzen wie Allo- und Autoantikörper aus dem Blut des Patienten entfernt, indem das eigene Plasma in einer mehrstündigen Prozedur entzogen und durch meist Frischplasma ersetzt wird. Besonders häufig kommt der therapeutische Plasmaaustausch in der Frühphase nach Transplantationen zum Einsatz, wenn das Immunsystem das neue Organ angreift. Mit der Apherese lassen sich solche Abstoßungsreaktionen stoppen, und bei früh einsetzenden Behandlungen, manchmal bereits vor der Transplantation, sogar verhindern. „Manche unserer Patienten benötigen nur ein bis zwei Behandlungen, andere entwickeln eine chronische Störung und müssen regelmäßig zur Apherese zu uns kommen“, so Rummler.

Für die Plasmaspender in der Jenaer Uniklinik-Blutspende ist die Neuentwicklung eine gute Nachricht. „Dass dadurch meine Spende jetzt auch direkt am Klinikum eingesetzt werden kann, finde ich wichtig“, erklärt Lars Siegmund. Der 28jährige Student spendet regelmäßig Plasma am UKJ, auch, um den Jenaer Patienten zu helfen.

Inzwischen wird das neue Präparat am Universitätsklinikum Jena bereits eingesetzt und in einer Anwendungsbeobachtung wissenschaftlich weiter untersucht und begleitet. Erste Ergebnisse dazu erwarten die Mediziner etwa in zwei Jahren.

Kontakt:
Prof. Dr. Dagmar Barz
Direktorin des Instituts für Transfusionsmedizin, Universitätsklinikum Jena
Tel. 03641/9 32 55 20
E-Mail: Dagmar.Barz@med.uni-jena.de
Oberärztin Dr. Silke Rummler
Leiterin des Apheresezentrums für therapeutische Behandlungen, Institut für Transfusionsmedizin, Universitätsklinikum Jena
Tel. 03641/9 32 55 81
E-Mail: silke.rummler@med.uni-jena.de

Helena Reinhardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur
17.08.2017 | Deutsches Krebsforschungszentrum

nachricht Magenkrebs: Auch Bakterien können Auslöser sein
17.08.2017 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Scharfe Röntgenblitze aus dem Atomkern

17.08.2017 | Physik Astronomie

Fake News finden und bekämpfen

17.08.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Effizienz steigern, Kosten senken!

17.08.2017 | Messenachrichten