Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lebensraum Manganknolle - Abbau von Manganknollen bedroht Artenvielfalt in der Tiefsee

13.06.2016

Senckenberg-Wissenschaftler haben mit einem internationalen Team die möglichen Auswirkungen des Manganknollen-Abbaus auf die Artenvielfalt erforscht. Während ihrer Expedition mit dem Forschungsschiff SONNE konnten die Meeresforscher anhand von Videoaufnahmen zeigen, dass die Individuenzahl in Gebieten mit Manganknollen um ein Zweifaches höher ist als in Tiefseebereichen ohne die erzhaltigen Konkretionen. Die Auswirkungen eines Abbaus sind zudem noch knapp 40 Jahre später deutlich sichtbar. Die Studie wurde kürzlich im Nature-Journal „Scientific Reports“ veröffentlicht.

Die Nachfrage nach mineralischen Ressourcen steigt weltweit kontinuierlich. Daher ist es kaum verwunderlich, dass auch die Tiefsee nach Erzen, wie Nickel, Kupfer oder Kobalt erkundet wird. Diese wertvollen Mineralien liegen in Form von Manganknollen besonders häufig im zentralen Pazifik am Meeresboden, und zwar in der sogenannten Clarion-Clipperton-Bruchzone in über 4000 Meter Wassertiefe.


Seestern inmitten eines Manganknollen-Feldes

© ROV Kiel 6000, GEOMAR

„Diese Manganknollenfelder sind aber viel mehr als nur potentielle Unterwasser-Bergbaugebiete. Unsere Forschung zeigt, dass sie wahre ‚Hotspots’ der Tiefwasserfauna darstellen“, erklärt Prof. Dr. Pedro Martínez Arbizu vom Deutschen Zentrum für Marine Biodiversitätsforschung bei Senckenberg am Meer in Wilhelmshaven.

Der Meeresbiologe hat mit einem Wissenschaftler-Team aus Belgien, Frankreich und Portugal während einer Expedition mit dem Forschungsschiff SONNE von März bis April 2015 die Auswirkungen eines potentiellen Manganknollen-Abbaus auf die Artenvielfalt der Tiefsee untersucht.

In ihrer Studie zeigen die Forscher anhand von 17 Video-Transekten, dass Tiefseegebiete mit einer hohen Anzahl von Manganknollen eine mehr als zweifach höhere Anzahl an sichtbaren Individuen aufzeigen als Bereiche mit wenigen oder keinen Manganknollen.

„In Gebieten mit Manganknollen leben im Schnitt 25 Organismen auf 100 Quadratmetern Tiefseeboden, in Gebieten ohne Manganknollen sind es weniger als 10 Individuen. Dies zeigt uns, dass die mineralischen Knollen ein wichtiger Baustein des Lebensraums für die Tiefseefauna sind“, ergänzt Martínez Arbizu.

Manganknollen wachsen über einen Zeitraum von Millionen von Jahren. Die Fauna rund um die Tiefseemineralien ist daher an sehr gleichförmige Lebensbedingungen angepasst. Manganknollenfelder sind Lebensraum für verschiedene Seesternarten, Seegurken und Seeigel. Auf den Knollen selbst leben Korallen, Schwämme, Moostierchen und Anemonen, aber auch mikroskopische Fadenwürmer, Krebse und Einzeller.

„Wir wollten wissen, wie sich der Abbau von Manganknollen auf diese Tiefsee-Gemeinschaft auswirkt und ob, wie schnell und von wo aus die abgebauten Gebiete wieder besiedelt werden“, erläutert Martínez Arbizu.

Zwei der untersuchten Transekte liegen daher in Gebieten, in denen vor 20 bzw. 37 Jahren der Abbau von Manganknollen simuliert wurde. „Darüber hinaus haben wir uns auch die Tierwelt in zwei aktuellen – acht Monate und 3 Jahre alten – experimentell gestörten Testgebieten angeschaut“, fügt der Wilhelmshavener Meeresforscher hinzu und fährt fort: „Das Ergebnis ist erschreckend: Selbst knapp 40 Jahre nach dem Abbau von Manganknollen ist noch eine deutliche Störung sowie ein Verlust der Artenvielfalt zu erkennen.“

In ihrer Studie zeigt das Wissenschaftlerteam, dass die Anzahl sessiler, am Boden festsitzender Organismen von 24 außerhalb des Testgebietes auf 3 Individuen pro 100 Quadratmeter innerhalb des Testgebietes sinkt. Am härtesten trifft der geplante Abbau laut der Studie Korallen und Schwämme, die den harten Untergrund der Knollen als Lebensraum benötigen – auf dem weichen Sediment in der umliegenden Tiefsee finden sie keinen Halt.

„Der Abbau von Manganknollen beeinflusst die Vielfalt der Tiefsee-Fauna auch auf lange Sicht negativ“, resümiert Martínez Arbizu und ergänzt: „Wir empfehlen daher ein verantwortungsvolles Management des Unterwasser-Bergbaus unter Berücksichtigung von Schutzzonen für die Tiefsee-Fauna.“

Kontakt
Prof. Dr. Pedro Martinez
Senckenberg am Meer Wilhelmshaven
Abteilung: Deutsches Zentrum für Marine Biodiversitätsforschung
Tel. 04421/9475-100
Pedro.Martinez@senckenberg.de

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
pressestelle@senckenberg.de

Publikation
Vanreusel, Ann, Hilario, Ana, Ribeiro, Pedro A., Menot, Lenaick, Arbizu, Pedro Martínez (2016): Threatened by mining, polymetallic nodules are required to preserve abyssal epifauna. Scientific Reports, 2016/06/01/online
http://dx.doi.org/10.1038/srep26808

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr fast 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung“ sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert. Mehr Informationen unter www.senckenberg.de

2016 ist Leibniz-Jahr. Anlässlich des 370. Geburtstags und des 300. Todestags des Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz (*1.7.1646 in Leipzig, † 14.11.1716 in Hannover) veranstaltet die Leibniz-Gemeinschaft ein großes Themenjahr. Unter dem Titel „die beste der möglichen Welten“ – einem Leibniz-Zitat – rückt sie die Vielfalt und die Aktualität der Themen in den Blick, denen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der bundesweit 88 Leibniz-Einrichtungen widmen. www.bestewelten.de 

Judith Jördens | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Multifunktionaler Mikroschwimmer transportiert Fracht und zerstört sich selbst
26.04.2018 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme

nachricht Der lange Irrweg der ADP Ribosylierung
26.04.2018 | Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Why we need erasable MRI scans

New technology could allow an MRI contrast agent to 'blink off,' helping doctors diagnose disease

Magnetic resonance imaging, or MRI, is a widely used medical tool for taking pictures of the insides of our body. One way to make MRI scans easier to read is...

Im Focus: Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

Das Kleben der Zellverbinder von Hocheffizienz-Solarzellen im industriellen Maßstab ist laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und dem Anlagenhersteller teamtechnik marktreif. Als Ergebnis des gemeinsamen Forschungsprojekts »KleVer« ist die Klebetechnologie inzwischen so weit ausgereift, dass sie als alternative Verschaltungstechnologie zum weit verbreiteten Weichlöten angewendet werden kann. Durch die im Vergleich zum Löten wesentlich niedrigeren Prozesstemperaturen können vor allem temperatursensitive Hocheffizienzzellen schonend und materialsparend verschaltet werden.

Dabei ist der Durchsatz in der industriellen Produktion nur geringfügig niedriger als beim Verlöten der Zellen. Die Zuverlässigkeit der Klebeverbindung wurde...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Konferenz »Encoding Cultures. Leben mit intelligenten Maschinen« | 27. & 28.04.2018 ZKM | Karlsruhe

26.04.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zur Marktentwicklung von Gigabitnetzen in Deutschland

26.04.2018 | Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Weltrekord an der Uni Paderborn: Optische Datenübertragung mit 128 Gigabits pro Sekunde

26.04.2018 | Informationstechnologie

Multifunktionaler Mikroschwimmer transportiert Fracht und zerstört sich selbst

26.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Berner Mars-Kamera liefert erste farbige Bilder vom Mars

26.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics