Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Leben unter Extrembedingungen oder: Ist Leben auf dem Mars möglich?

27.10.2016

Mikrobiologen der Universität Regensburg erforschen besondere Mikroorganismen.

Der Mars fasziniert Wissenschaftler seit Jahrhunderten – weil er ein Nachbarplanet der Erde ist und trotz großer Unterschiede als erdähnlich gilt. Die Raumfahrtindustrie träumt davon, in den kommenden Jahrzehnten erstmals Menschen zum Mars zu schicken.

Obwohl die Landung der Mars-Sonde „Schiaparelli" letzte Woche missglückt ist, rechnen Raumfahrtexperten mit einer Fortsetzung der europäisch-russischen Forschungsmission ExoMars. Mit dem Projekt suchen internationale Weltraumexperten und Wissenschaftler nach Spuren des Lebens auf dem Roten Planeten: Wie könnte Leben auf dem Mars aussehen und wie könnte es identifiziert werden?

An der Universität Regensburg forscht der Mikrobiologe Dr. Harald Huber an speziellen Mikroorganismen, sogenannten „Archaeen“, die in extremen und daher eigentlich als lebensfeindlich betrachteten Biotopen leben können. Einige der in Regensburg kultivierten Archaeen wachsen bei Temperaturen über 100 °C und fallen bei unter 80 °C in eine Art Kältestarre.

Es gibt Arten, die auch in Schwefelsäure noch wachsen können, andere gedeihen sogar in verdünnter Natronlauge oder gesättigten Salzlösungen. Das Vorkommen von Mikroorganismen in den sogenannten „Schwarzen Rauchern“, hydrothermalen Quellen am Grund der Tiefsee, bewies den Wissenschaftlern, dass auch in völliger Dunkelheit Leben existieren kann.

Die Archaeen dienen den Regensburger Wissenschaftlern als Modellorganismen für mögliche Lebensformen auf anderen Himmelskörpern. Um den Lebensbedingungen auf anderen Planeten möglichst nahe zu kommen, setzen die Regensburger Forscher ihre Organismen den Bedingungen aus, die dort typischerweise herrschen, dabei arbeiten sie eng mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln zusammen.

Zu den besonderen Bedingungen auf anderen Planeten gehören zum Beispiel Trockenheit oder hohe Konzentrationen an UV- oder ionisierender Strahlung. Im Versuch der Forscher zeigte sich, dass einige Archaeen dies durchaus tolerieren können und sogar in der Lage sind, zum Beispiel durch Strahlen entstandene Schäden zu reparieren. Das Überleben unter solchen simulierten Mars- oder auch Weltraum-Bedingungen bedeutet aber auch, dass diese Organismen einen „Weltraumflug“ überstehen könnten, was auch Konsequenzen für die Raumfahrtorganisationen haben könnte.

Ob Archaeen auf dem Mars überlebensfähig sind, hängt nicht zuletzt von der Frage ab, ob es dort flüssiges Wasser gibt. Einiges deutet darauf hin, dass es in früheren Zeiten Wasservorkommen auf der Oberfläche des Mars gab. Heute sind diese, wie auch ein Großteil seiner Atmosphäre, verschwunden. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass es im Inneren des Mars noch Wasservorkommen geben könnte. Und damit stellt sich die Frage: Hat sich dorthin Leben zurückgezogen, überlebt über Jahrmillionen - und kann man das heute noch nachweisen?

Mit den Forschungen der Mikrobiologen werden zentrale Fragen nach der Entstehung des Lebens auf der Erde wieder ins Zentrum gerückt und um neue Aspekte ergänzt: Ist das Leben vielleicht durch Meteoriten, auf denen Mikroorganismen mitreisten, auf unsere Erde gelangt? Wenn ja, haben diese Himmelskörper noch weitere Planeten oder Monde unseres Sonnensystems mit den gleichen Mikroorganismen „angesteckt“? Dann bestünde in der Tat die Hoffnung, auch auf dem Mars auf sie zu stoßen.

Die Archaebakterien, auch „Archaeen“ genannt, wurden bereits in den 70er Jahren von Molekularbiologen entdeckt. Sie sehen auf den ersten Blick aus wie normale Bakterien, sind in Ihren molekularen Eigenschaften jedoch höheren Organismen sehr viel ähnlicher. Nachdem in den ersten Jahren nach ihrer Entdeckung nur wenige Vertreter dieser Art bekannt waren, entstand an der Universität Regensburg das deutsche Archaeenzentrum, das im Laufe der Zeit die weltgrößte Sammlung von Archaeen aufbaute.

Ansprechpartner für Medienvertreter:
Dr. Harald Huber
Universität Regensburg
Institut für Biochemie, Genetik und Mikrobiologie
Tel: 0941 943-3185
E-Mail: harald.huber@ur.de

Petra Riedl | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-regensburg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neuer Wirkmechanismus von Tumortherapeutikum entdeckt
19.04.2018 | Universität Wien

nachricht Krebsmedikament bei der Arbeit beobachtet
19.04.2018 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gammastrahlungsblitze aus Plasmafäden

Neuartige hocheffiziente und brillante Quelle für Gammastrahlung: Anhand von Modellrechnungen haben Physiker des Heidelberger MPI für Kernphysik eine neue Methode für eine effiziente und brillante Gammastrahlungsquelle vorgeschlagen. Ein gigantischer Gammastrahlungsblitz wird hier durch die Wechselwirkung eines dichten ultra-relativistischen Elektronenstrahls mit einem dünnen leitenden Festkörper erzeugt. Die reichliche Produktion energetischer Gammastrahlen beruht auf der Aufspaltung des Elektronenstrahls in einzelne Filamente, während dieser den Festkörper durchquert. Die erreichbare Energie und Intensität der Gammastrahlung eröffnet neue und fundamentale Experimente in der Kernphysik.

Die typische Wellenlänge des Lichtes, die mit einem Objekt des Mikrokosmos wechselwirkt, ist umso kürzer, je kleiner dieses Objekt ist. Für Atome reicht dies...

Im Focus: Gamma-ray flashes from plasma filaments

Novel highly efficient and brilliant gamma-ray source: Based on model calculations, physicists of the Max PIanck Institute for Nuclear Physics in Heidelberg propose a novel method for an efficient high-brilliance gamma-ray source. A giant collimated gamma-ray pulse is generated from the interaction of a dense ultra-relativistic electron beam with a thin solid conductor. Energetic gamma-rays are copiously produced as the electron beam splits into filaments while propagating across the conductor. The resulting gamma-ray energy and flux enable novel experiments in nuclear and fundamental physics.

The typical wavelength of light interacting with an object of the microcosm scales with the size of this object. For atoms, this ranges from visible light to...

Im Focus: Wie schwingt ein Molekül, wenn es berührt wird?

Physiker aus Regensburg, Kanazawa und Kalmar untersuchen Einfluss eines äußeren Kraftfeldes

Physiker der Universität Regensburg (Deutschland), der Kanazawa University (Japan) und der Linnaeus University in Kalmar (Schweden) haben den Einfluss eines...

Im Focus: Basler Forschern gelingt die Züchtung von Knorpel aus Stammzellen

Aus Stammzellen aus dem Knochenmark von Erwachsenen lassen sich stabile Gelenkknorpel herstellen. Diese Zellen können so gesteuert werden, dass sie molekulare Prozesse der embryonalen Entwicklung des Knorpelgewebes durchlaufen, wie Forschende des Departements Biomedizin von Universität und Universitätsspital Basel im Fachmagazin PNAS berichten.

Bestimmte mesenchymale Stamm-/Stromazellen aus dem Knochenmark von Erwachsenen gelten als äusserst viel versprechend für die Regeneration von Skelettgewebe....

Im Focus: Basel researchers succeed in cultivating cartilage from stem cells

Stable joint cartilage can be produced from adult stem cells originating from bone marrow. This is made possible by inducing specific molecular processes occurring during embryonic cartilage formation, as researchers from the University and University Hospital of Basel report in the scientific journal PNAS.

Certain mesenchymal stem/stromal cells from the bone marrow of adults are considered extremely promising for skeletal tissue regeneration. These adult stem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Mai zum 7. Mal an der Hochschule Stralsund

12.04.2018 | Veranstaltungen

Materialien erlebbar machen - MatX 2018 - Internationale Konferenz für Materialinnovationen

12.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Laser erzeugt Magnet – und radiert ihn wieder aus

18.04.2018 | Physik Astronomie

Neue Technik macht Mikro-3D-Drucker präziser

18.04.2018 | Physik Astronomie

Intelligente Bauteile für das Stromnetz der Zukunft

18.04.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics