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Langschläfer werden häufiger betrogen - Tagesrhythmus beeinflusst Vaterschaften bei Kohlmeisen

05.06.2015

Spätes Aufstehen ist gemütlicher, aber es verringert auch den Fortpflanzungserfolg – zumindest wenn man eine Kohlmeise ist.

Forscher vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen und Radolfzell haben zusammen mit Kollegen aus den Vereinigten Staaten nämlich herausgefunden, dass Kohlmeisen, die später als ihre Artgenossen aufstehen, öfter von ihren Weibchen betrogen werden. Die Ergebnisse bringen neue Erkenntnisse für das Verständnis der Evolution der inneren Uhr.


Kohlmeise mit Sender.

Timothy Greives

Fast alle Lebewesen, von einfachen Mikroben bis zu Menschen, haben einen Tagesrhythmus, der von einer inneren Uhr gesteuert wird. Diese sogenannten circadianen Rhythmen sind ungefähr 24 Stunden lang und helfen den Organismen, sich auf regelmäßige Änderungen ihrer Umgebung, wie beispielsweise den Sonnenuntergang, vorzubereiten.

Diese Tagesrhythmen könnten auch einen Einfluss auf das Überleben und den Fortpflanzungserfolg haben. Trotzdem weiß man erstaunlich wenig, wie sich die Änderungen im Verhalten und der Physiologie auf die Fitness auswirken.

Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell und Seewiesen haben nun zusammen mit Kollegen der North Dakota State University bei Kohlmeisen (Parus major) den Einfluss der inneren Uhr auf den Fortpflanzungserfolg untersucht. Diese Art lässt sich gut untersuchen, da sie in Nistkästen brüten.

Um festzustellen, wann die Tiere morgens aufwachen, versahen die Forscher die männlichen Tiere mit Minisendern und schoben ihnen ein kleines Implantat unter die Haut.

Ein Teil der Implantate enthielt Melatonin, ein Hormon, das wichtig für die Regulierung der inneren Uhr ist. Nach dem Schlupf der Jungen nahmen die Forscher eine Blutprobe, um die Vaterschaften zu bestimmen.

Vögel, die ein Melatonin-Implantat erhalten hatten, wachten etwas später auf. Sie wurden öfter von ihrem Weibchen betrogen, so dass viele Jungen in ihrem Nest von anderen Männchen gezeugt wurden. Anstatt also früh wach zu sein und das Weibchen gegen Konkurrenten zu verteidigen, schliefen sie noch tief und fest.

“Diese Ergebnisse zeigen, dass verzögerte morgendliche Aktivität die biologische Fitness eines Singvogel-Männchens reduzieren kann, da sie öfter betrogen werden. Somit kann die sexuelle Selektion, zusätzlich zur natürlichen Selektion, die Tagesrhythmik bei freilebenden Tieren beeinflussen“, sagt Timothy Greives, Erstautor der Studie.

Weitere Informationen:

http://orn.iwww.mpg.de/3574832/news_publication_9259165?c=2162

Dr. Stefan Leitner | Max-Planck-Institut für Ornithologie

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