Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit dem Kuschelhormon Oxytocin gegen Aggression?

16.01.2014
EU fördert Projekt von Regensburger Neurobiologin

Im Rahmen einer internationalen Kooperation sollen in den kommenden vier Jahren sogenannte Biomarker – also charakteristische biologische Merkmale – für soziales Fehlverhalten bei Mädchen und jungen Frauen identifiziert werden. Im Zentrum stehen dabei Aggressivität und Gewaltverhalten.

Der Europäische Forschungsrat (ERC) finanziert das Projekt, in dem Psychiater, Psychologen und Neurobiologen aus acht europäischen Ländern zusammen arbeiten, mit annähernd sechs Millionen Euro; die Gesamtkosten betragen über 8,2 Millionen Euro. Beteiligt ist auch Prof. Dr. Inga Neumann von der Universität Regensburg. Allein ihr Projekt wird mit über 300.000 Euro gefördert.

Soziales Fehlverhalten – bis hin zu aggressivem und gewalttätigem Verhalten – hat als Krankheitsbild nicht nur schwerwiegende Folgen für die betroffenen Individuen und ihre Integration in Familie, Schule, Arbeit oder Gesellschaft, sondern birgt natürlich auch ein Risiko für potentielle Gewaltopfer. Die meisten Studien zu den Ursachen dieser psychischen Störungen beschäftigten sich bislang mit männlichen Erwachsenen und Jugendlichen, obwohl soziales Fehlverhalten und eine damit verbundene Gewalttätigkeit zunehmend auch bei Frauen zu beobachten ist.

Das internationale Kooperationsprojekt nimmt vor diesem Hintergrund die psychischen und neurobiologischen Ursachen von sozialem Fehlverhalten bei Mädchen und jungen Frauen in den Blick. So sollen in den nächsten Jahren über Speichelproben unterschiedliche genetische Muster sowie der Hormonhaushalt von Probandinnen analysiert und dann mit den entsprechenden Verhaltensweisen verglichen werden. Aber auch mögliche Zusammenhänge zwischen traumatischen Erfahrungen in der frühen Kindheit (bspw. Missbrauch oder emotionale Vernachlässigung) und einem aggressivem Verhalten vor oder nach der Pubertät stehen im Mittelpunkt der künftigen Untersuchungen der internationalen Arbeitsgruppen.

Die Regensburger Forscherin Inga Neumann wird als einzige Neurobiologin des von klinischen Forschern dominierten Verbundes die Arbeitsweise des Gehirns von aggressiven und nicht-aggressiven Tieren untersuchen und in diesem Rahmen mögliche Behandlungsstrategien entwickeln. Gemeinsam mit ihrer niederländischen Humboldt-Stipendiatin Dr. Trynke de Jong und der ungarischen Doktorandin Fruzsina Rabi richtet sie dabei ein besonderes Augenmerk auf das als Kuschelhormon bekannt gewordene Oxytocin, das Mutterliebe, Paarbindung und Gesichtserkennung fördert. In Vorversuchen konnte Neumann bereits zeigen, dass Oxytocin auch zu einer Abschwächung von aggressivem Verhalten führt.

Das Regensburger Projekt ist in den Themenverbund der Universität Regensburg „Gewalt und Aggression in Natur und Kultur“ eingebettet. Diese interdisziplinäre Forschungsinitiative, die von Inga Neumann mit ins Leben gerufen wurde, untersucht medizinische, biologische, gesellschaftliche und sprachliche Ursachen, Motive und Folgen von Aggressionsverhalten bei Menschen und Tieren. Neben Biologen und Medizinern sind daran Theologen, Medien-, Literatur-, Kultur-, Rechts- und Politikwissenschaftler beteiligt.

Titel des internationalen EU-Kooperationsprojekts:
“Neurobiology and Treatment of Adolescent Female Conduct Disorder: The Central Role of Emotion Processing”

http://ec.europa.eu/research/health/medical-research/brain-research/projects/femnat-cd_en.html

Titel des Regensburger Forschungsprojekts in Kooperation mit dem Universitätsklinikum (Psychiatrie) Heidelberg:

“Pharmaco-Challenge and Neurobiological Studies on Oxytocinergic and Serotonergic Neurotransmission”

Informationen zum Regensburger Themenverbund „Gewalt und Aggression“ unter:
www.uni-regensburg.de/forschung/gewalt-und-aggression/index.html
Ansprechpartnerin für Medienvertreter:
Prof. Dr. Inga Neumann
Universität Regensburg
Institut für Zoologie
Tel.: 0941 943-3055
Inga.Neumann@biologie.uni-regensburg.de

Alexander Schlaak | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-regensburg.de

Weitere Berichte zu: Aggression Fehlverhalten Kuschelhormon Oxytocin Themenverbund

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise