Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Kunst der Zellteilung

14.06.2012
Mit dem EU-Projekt MitoSys fördert die Europäische Kommission eine internationale Forschungsanstrengung, die zu einem umfassenden Verständnis der Zellteilung führen soll. Neben führenden Wissenschaftlern sind auch Künstler verschiedener Disziplinen an dem Projekt beteiligt.
Unter dem Mikroskop, dünn geschnitten und gefärbt, offenbaren Pflanzen eine strukturierte Schönheit, die an gotische Spitzbögen und bunt leuchtende Kirchenfenster erinnert. Der bildende Künstler Rob Kesseler lässt sich von der floralen Ästhetik zu ungewöhnlichen Tellern, Vasen und Schalen inspirieren. Der Professor für Keramikkunst und Design am “Central Saint Martins College of Arts and Design” ist einer der Künstler, die das europäische Zellteilungs-Projekt MitoSys begleiten und vermitteln werden.

MitoSys ist der Kurzname des wissenschaftlichen Programms „Systems Biology of Mitosis”, das die detaillierte Aufklärung der molekularen Vorgänge bei der Zellteilung (Mitose) zum Ziel hat. Projektleiter Jan-Michael Peters vom Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien koordiniert die Expertise von dreizehn europäischen Institutionen und Betrieben aus acht Ländern. MitoSys schließt thematisch an das Vorgängerprogramm MitoCheck an, das sämtliche 22 000 Gene des Menschen in Hinblick auf ihre Beteiligung an der Mitose untersucht hat. Bei 600 Genen wurden die Forscher fündig, nun sollen die entsprechenden Proteine und ihr Zusammenwirken studiert werden. MitoSys hat eine Laufzeit von fünf Jahren und wird von der Europäischen Kommission mit zehn Millionen Euro gefördert.
Eine der Auflagen der EU ist die Vermittlung der Forschungsinhalte an eine breite Öffentlichkeit. Zusätzlich zu führenden Biologen, Biochemikern, Mathematikern und Biophysikern werden daher bei MitoSys renommierte Künstler in das Konsortium eingebunden. Das Kunstprojekt „Meeting of Minds“, das nun an den Start geht, soll einen Zugang eröffnen, der auch ein nicht-wissenschaftliches Publikum erreicht. Dabei stehen nicht Ergebnisse im Vordergrund sondern der Prozess des wissenschaftlichen Denkens und der Weg, auf dem Erkenntnisse gewonnen werden.

Für das Projekt wurden vier Paare gebildet: jeweils einem Wissenschaftler, der ein Spezialgebiet der Mitose bearbeitet, wird ein Künstler oder Künstlerduo zur Seite gestellt. Die Teams treffen einander regelmäßig und erhalten Einblicke in die Arbeitsweise des jeweils anderen. Als Resultat dieses Austauschs entstehen vier Videos, die zur Präsentation „Meeting of Minds“ zusammengefügt und im Rahmen von Ausstellungen gezeigt werden. Das Kunstprojekt wird von Marina Wallace kuratiert, die eine Professur an der University of the Arts in London innehat.

Die Kombination von Forschern mit Künstlern aus ganz unterschiedlichen Bereichen lässt vielfältige und ungewöhnliche Interpretationen erwarten: Der Keramik-Designer Rob Kesseler wird Melina Schuh begleiten, die in Cambridge an Mitose forscht. Shobana Jeyasingh, der sich als experimentierfreudiger Choreograph einen Namen gemacht hat, schaut dem Hefegenetiker Kim Nasmyth in Oxford über die Schulter. Der Zellbiologe Tony Hyman trifft auf das britische Duo Ackroyd & Harvey, deren vielseitige Werke sich mit Wachstums- und Transformationsvorgängen auseinandersetzen. Und Projektleiter Jan-Michael Peters, der am IMP Zellzyklusforschung betreibt, teilt sein Forschungsthema mit den bildenden Künstlern Lucy and Jorge Orta aus Paris.

Jan-Michael Peters, Wittgenstein-Preisträger des vorigen Jahres, ist nicht nur leidenschaftlicher Forscher, sondern auch Kunstliebhaber und Sammler. Für ihn wirft das Kunstprojekt spannende Fragen auf: „ Mich interessiert, welche Rolle die Kreativität in der Kunst und in der Forschung spielt und wieweit sich Künstler und Forscher in ihrem Zugang ähneln. Ich vermute, dass wir im Grunde alle von denselben Fragen getrieben sind: wie ist die Welt beschaffen, in der wir uns bewegen, und was hält sie zusammen?“

Über MitoSys
Das Integrierte Projekt MitoSys (Systems Biology of Mitosis) läuft bis Juni 2015. Ziel des internationalen Projekts ist es, die Zellteilung aus systembiologischer Perspektive zu beschreiben. Dreizehn Gruppen aus acht Ländern entschlüsseln die Funktion von Genen und Proteinen, die an der Mitose beteiligt sind. Die Europäische Union fördert das Projekt im siebenten Rahmenprogramm mit zehn Millionen Euro.

Über Jan-Michael Peters
Der deutsche Biologe Jan-Michael Peters, Koordinator von MitoSys, kam 1996 als Gruppenleiter ans IMP. Seit 2002 ist er Senior Scientist und seit 2011 stellvertretender Direktor des Instituts. Für seine Arbeiten zur Zellteilung hat Jan-Michael Peters zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den EMBO Young Investigator Award und den österreichischen Wittgensteinpreis 2011.

Über das IMP
Das Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie betreibt in Wien biomedizinische Grundlagenforschung und wird dabei maßgeblich von Boehringer Ingelheim unterstützt. Mehr als 200 ForscherInnen aus über 30 Nationen widmen sich der Aufklärung grundlegender molekularer und zellulärer Vorgänge, um komplexe biologische Phänomene im Detail zu verstehen und Krankheitsmechanismen zu entschlüsseln.

Rückfragehinweis
Dr. Heidemarie Hurtl
IMP-IMBA Communications
Tel.: (1) 79730 3625
Mobil: 0664/8247910
hurtl@imp.ac.at

Dr. Heidemarie Hurtl | idw
Weitere Informationen:
http://www.imp.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen
09.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP

nachricht Wolkenbildung: Wie Feldspat als Gefrierkeim wirkt
09.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie