Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kuckucksküken bei Zebrafinken

22.04.2010
In jedem fünften Nest finden sich Eier von fremden Weibchen

Einige Zebrafinkenweibchen schieben einen Teil ihrer Brut den Nachbarn unter. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen haben festgestellt, dass in jedem fünften Nest der Koloniebrüter ein Ei steckt, das nicht von den sozialen Eltern stammt.

Sie fanden heraus, dass die Weibchen dabei sehr gezielt vorgehen: Die Eier wurden stets dann in fremde Nester gelegt, wenn die Wirtseltern kurz vor dem Bebrütungsbeginn standen (Online-Veröffentlichung in Animal Behaviour, April 2010).

Zebrafinken brüten in Kolonien, wobei jedes Paar für seinen eigenen Nachwuchs sorgt. Innerartlicher Brutparasitimus, also Kuckucksverhalten unter Zebrafinken, ist jedoch sowohl unter frei lebenden Zebrafinken in Australien als auch in Volierenzuchten erstaunlich häufig. Forscher am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen haben mit genetischen Methoden die Elternschaften aller Eier in Volierenkolonien untersucht und entdeckt, dass jedes 20. Ei ein Kuckucksei war. Dabei waren es meist dieselben Weibchen, die sich darauf spezialisiert hatten, einen Teil ihrer Aufzuchtsarbeit anderen Paaren zu überlassen. Interessanterweise kombinierten sie aber stets den Brutparasitismus mit eigener Jungenaufzucht - reine "Kuckucke" gab es also nicht.

Die "Kuckucks-Zebrafinken" müssen für die Eiablage im fremden Nest genau den richtigen Moment abpassen: Das Brüten startet meist gleich nach der Ablage des ersten oder zweiten Eies. Sitzen die Eltern erst einmal auf ihrem Nest, ist es kaum mehr möglich, ihnen ein Kuckucksei unterzuschieben. Zu früh darf das Weibchen sein Ei aber auch nicht in das vorbereitete Nest der Wirtseltern legen. Sonst besteht die Gefahr, dass diese ihr Nest aufgeben. In der Voliere konnten die Forscher die zeitliche Abfolge des Eierlegens gut beobachten. Tatsächlich: "Die meisten Kuckuckseier tauchten kurz vor dem Bebrütungsbeginn im Nest der Wirtseltern auf", sagt Holger Schielzeth, Erstautor der Studie. "Das zeigt, dass die "Kuckucks"-Weibchen gezielt vorgehen und den Brutbeginn bei den Nachbarn gut im Blick haben." Die Forscher fanden keine Hinweise darauf, dass "Kuckucks"-Weibchen bestimmte Wirtspaare bevorzugt hätten. Eher im Gegenteil: Sie waren nur selten wiederholt betroffen. Das deutet darauf hin, dass sich die Wirtspaare zu wehren lernen.

Die "Kuckucks"-Weibchen legten zumeist gleich mehrere Eier in andere Nester, allerdings fast immer nur eines pro Nest und stets bevor sie mit der Bebrütung eines eigenen Geleges anfingen. Jedoch ist die Kuckucksstrategie nicht so Erfolg versprechend, wie sie klingen mag. "Nur ungefähr ein Drittel der Eier wird letztlich von den Wirtseltern bebrütet", sagt Holger Schielzeth. "Weibchen, die eigene Nachwuchsaufzucht und Brutparasitismus miteinander kombinieren, legen zwar insgesamt mehr Eier, haben aber nicht viel mehr Jungvögel als Weibchen, die nur eigene Nachwuchsaufzucht betreiben." Wenn die Strategie besser funktionieren würde, hätten sich wohl auch reine Kuckucksspezialisten unter den Zebrafinken heraus gebildet. [HS/SP]

Originalveröffentlichung:
Holger Schielzeth and Elisabeth Bolund
Patterns of conspecific brood parasitism in zebra finches
Animal behaviour. Veröffentlicht am 15.04.2010
DOI: 10.1016/j.anbehav.2010.03.006
Kontakt:
Dr. Holger Schielzeth
Max-Planck-Institut für Ornithologie, Seewiesen
z. Zt. Uppsala University
Tel. +46 18 471 2827
E-mail: holger.schielzeth@ebc.uu.se
Dr. Elisabeth Bolund (englischsprachig)
Abteilung Verhaltensökologie und Evolutionäre Genetik
Max-Planck-Institut für Ornithologie, Seewiesen
Tel. +49 (0)8157 932 303
E-mail: bolund@orn.mpg.de

Dr. Sabine Spehn | idw
Weitere Informationen:
http://www.orn.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise