Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Krebszellen auf der Spur

20.05.2014

Almut Schulze, neue Professorin am Biozentrum der Uni Würzburg, erforscht die Molekularbiologie von Krebszellen. Dabei sucht die Wissenschaftlerin auch neue Möglichkeiten, die Therapie von Tumorkrankheiten weiter zu verbessern.

Krebs: Hinter dieser Diagnose verbergen sich mindestens 200 verschiedene Krankheitsbilder. Doch damit nicht genug. Auch bei einzelnen Krebsarten, wie zum Beispiel bei Brustkrebs, gibt es noch viele unterschiedliche Tumortypen.


Krebsforscherin Almut Schulze ist neue Professorin am Biozentrum der Universität Würzburg.

Foto: Robert Emmerich

„Genau darin liegt ein Problem. Die verschiedenen Krebstypen lassen sich nicht fein genug voneinander abgrenzen, um die Therapien möglichst zielgenau zu gestalten“, sagt Almut Schulze. Mit ihrer Arbeit will die Professorin dazu beitragen, dass sich das ändert.

Almut Schulze (46) forscht seit Januar 2014 am Biozentrum der Uni Würzburg, genauer: am Lehrstuhl für Biochemie und Molekularbiologie. Mit ihrem Team charakterisiert sie Stoffwechselvorgänge in Krebszellen, unter anderem die Regulation der Genexpression. Sie interessiert sich besonders für Merkmale, die Krebszellen von gesunden Zellen unterscheiden.

Bislang war die Wissenschaftlerin 16 Jahre an einem Krebsforschungsinstitut in London tätig, am „Cancer Research UK London Research Institute“, die letzten elf Jahre davon als Gruppenleiterin. Warum sie sich nun für Würzburg entschieden hat?

Weil ihre Forschung viele Gemeinsamkeiten mit der von Lehrstuhlinhaber Martin Eilers aufweist. Aber auch mit anderen Forschungsgruppen an der Universität und am Klinikum, etwa in der Pathologie, sieht sie sehr gute Kooperationsmöglichkeiten im Bereich des Tumormetabolismus.

Studium und Promotion in Darmstadt und Heidelberg

Almut Schulze ist in Friedberg (Hessen) aufgewachsen und zur Schule gegangen. Als begeisterte Hobby-Taucherin wollte sie ursprünglich Meeresbiologin werden. Doch bei ihrem Biologiestudium an der Technischen Universität Darmstadt merkte sie, dass sie Biochemie und Molekularbiologie weitaus spannender fand.

Um Krebsforschung drehte sich schon ihre Diplomarbeit. Darin befasste sie sich mit den Viren, die Gebärmutterhalskrebs auslösen können. Folgerichtig wechselte sie für ihre Doktorarbeit ans Deutsche Krebsforschungszentrum nach Heidelberg. Dort erforschte sie die Regulierung des Zellzyklus – also die Mechanismen, die dafür sorgen, dass Zellen sich ordnungsgemäß teilen und wachsen. „Damals wurden viele Komponenten des Zellzyklus neu entdeckt, das war sehr spannend“, blickt die Biologin zurück.

Postdoc und Gruppenleitung in London

Allerneueste Forschungsgebiete betrat Almut Schulze auch als Postdoc. Für diese Phase ihrer wissenschaftlichen Karriere ging sie 1997 an genau das Krebsforschungsinstitut in London, an dem sie dann insgesamt 16 Jahre blieb. In der Gruppe von Julian Downward, der zu Beginn seiner Karriere ein wichtiges Krebsgen entdeckt hatte, arbeitete sie an Genexpressionsstudien. Dafür kam eine brandneue Technik zum Einsatz (DNA-Microarrays), mit der sich die Aktivität mehrerer tausend Gene gleichzeitig messen ließ.

„Bei etwas Neuem ganz früh dabei zu sein, hat mir großen Spaß gemacht“, sagt die Professorin. Auch die Atmosphäre am Institut stimmte. Almut Schulze fand sich in einer sehr internationalen Gruppe wieder: „Wir alle wollten unsere Karriere voranbringen und haben dafür viel gearbeitet.“ Auch ihre knapp bemessene Freizeit verbrachten die jungen Wissenschaftler miteinander – schließlich kamen sie fast alle aus anderen Ländern und wollten London erleben.

Förderung durch die EMBO

Nach fünf Jahren als Postdoc übernahm Almut Schulze an dem Londoner Institut dann die Leitung einer unabhängigen Forschungsgruppe. Sie untersuchte nun, wie verschiedene Signalketten die Stoffwechselprozesse in Krebszellen regulieren.

Befeuert wurde ihre Karriere in den Jahren 2008 bis 2011 auch dadurch, dass die Europäische Molekularbiologie-Organisation EMBO sie in ihr prestigeträchtiges „Young Investigator Programme“ aufnahm. Dafür wählt die Organisation jeweils die besten Nachwuchs-Molekularbiologen Europas aus. Von der EMBO war Almut Schulze auch in ihrer Postdoc-Zeit gefördert worden, und zwar in Form eines „long-term fellowship“.

Kontakt

Prof. Dr. Almut Schulze, Lehrstuhl für Biochemie und Molekularbiologie, Biozentrum der Universität Würzburg, T (0931) 31-83290, almut.schulze@uni-wuerzburg.de

Gunnar Bartsch | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Entzündung weckt Schläfer
29.03.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Rostocker Forscher wollen Glyphosat „entzaubern“
29.03.2017 | Universität Rostock

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten