Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Krebstherapie mit körpereigenem Protein: Leipziger Forschungsteam eröffnet Alternativen zur Chemo

18.03.2010
Nach etlichen Jahren intensivster Zusammenarbeit haben Wissenschaftler der Universität Leipzig und des Fraunhofer-Institutes für Zelltherapie und Immunologie IZI die Funktionsweise eines körpereigenen Blutproteins bei einem der gefährlichsten Gehirntumore entschlüsselt.

Diagnose Krebs versetzt Betroffene wie Angehörige in Angst und Schrecken. 13 Prozent aller Sterbefälle sind auf Krebs zurückzuführen – fast jeder vierte Deutsche ist im Laufe seines Lebens mit dieser Nachricht konfrontiert. Unvorhersagbare Therapieerfolge und ein Konglomerat möglicher Nebenwirkungen tragen zur Verunsicherung bei.

Dabei unterscheiden Wissenschaftler zwischen den gutartigen, sich nicht ausbreitenden und nicht weiterwachsenden, Krebsarten und den sogenannten malignen Geschwüren, die unkontrolliert wachsen, sich im menschlichen Körper ausbreiten beziehungsweise metastasieren und schnellstmöglich therapiert werden müssen.

Das Augenmerk des 10-köpfigen Leipziger Forschungsteams liegt auf der Beeinflussung des malignen Zellwachstums der Gliazellen. Diese bilden das Stützzellengewebe, in welchem die Nervenzellen des Gehirns eingebettet sind. Das entartete Wachstum der Gliazellen charakterisiert einen der bösartigsten Gehirntumore, da es unter anderem mit einem exzessiven und gefährlichen Wachstum der Blutgefäße und einer Penetration ins Nervenzellgewebe einhergeht.

Beeinflusst wird das invasive Zellwachstum durch die Gabe eines körpereigenen, aus dem menschlichen Blut gewonnenen, Proteins namens α2-Macroglobulin. Dieses Protein kommt in zwei unterschiedlichen Formen im Blut vor, von denen nur das sogenannte transformierte Protein die Hemmung von Tumorzellen bewirkt. Dieses dockt an einem spezifischen Rezeptor auf den Zelloberflächen an und hemmt dadurch den Wnt/ß-catenin Signalpfad, der für die Aktivierung tumorfördernder Gene im Zellkern verantwortlich gemacht wird. Die Proteine des Wnt- Signalwegs sind daher wichtige Zielscheiben für eine Krebsprävention und -therapie geworden.

Tausende Substanzen bzw. chemische Verbindungen sind bisher mehr oder weniger erfolgreich in diesem Zusammenhang getestet worden. »Wir konnten zum ersten Mal zeigen, dass ein körpereigenes Protein im menschlichen Blut existiert, das diese Funktion erfüllt«, so Professor Birkenmeier, Institut für Biochemie in Leipzig (Gerd.Birkenmeier@medizin.uni-leipzig.de) und der entscheidende Kopf des Projektes.

Vorteil dieser Entdeckung ist ein weitestgehend nebenwirkungsfreier therapeutischer Einsatz, da körpereigene Mechanismen simuliert und somit keine toxikologischen Reaktionen erwartet werden. Universität und Fraunhofer-Institut IZI streben nunmehr eine Zusammenarbeit mit pharmazeutischen Unternehmen an, um ein entsprechendes Medikament zu entwickeln. Birkenmeier: »Trotz des vielversprechenden Forschungsstandes wissen wir sehr wohl, dass noch eine Vielzahl von Studien vor uns liegt, bevor mit einer Markteinführung eines Medikamentes zu rechnen ist.«

Die Fraunhofer-Gesellschaft ist die führende Organisation für angewandte Forschung in Europa. Unter ihrem Dach arbeiten 59 Institute an über 40 Standorten in ganz Deutschland. Rund 17 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erzielen das jährliche Forschungsvolumen von 1,5 Mrd Euro. Davon erwirtschaftet die Fraunhofer-Gesellschaft rund zwei Drittel aus Aufträgen der Industrie und öffentlich finanzierten Forschungsprojekten. Die internationale Zusammenarbeit wird durch Niederlassungen in Europa, den USA und Asien gefördert.

Das Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie IZI ist Mitglied des Fraunhofer-Verbund Life Science. Ziel des Instituts ist es, spezielle Problemlösungen an den Schnittstellen von Medizin, Biowissenschaften und Ingenieurswissenschaften für Partner aus der medizinorientierten Industrie und Wirtschaft zu finden. Kernkompetenzen liegen dabei in der regenerativen Medizin, d.h. bei zelltherapeutischen Ansätzen zur Wiederherstellung funktionsgestörter Gewebe und Organe bis hin zum biologischen Ersatz durch in vitro gezüchtete Gewebe (Tissue Engineering). Damit die Gewebe ohne Probleme anwachsen können, müssen zelluläre und immunologische Abwehr- und Kontrollmechanismen erfasst und in die Verfahrens- und Produktentwicklung integriert werden. Um diese Kernkompetenzen herum ergibt sich eine Vielzahl von Aufgaben für neue Produkte und Verfahren. Das Institut ist besonders kliniknah orientiert und übernimmt Qualitätsprüfungen, GMP-Herstellung von klinischen Prüfmustern und klinische Studien im Auftrag. Darüber hinaus unterstützt es die Erlangung von Herstellungsgenehmigungen und Zulassungen.

Dr. Wilhelm Gerdes | Fraunhofer Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.izi.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Der Bluthochdruckschalter in der Nebenniere
20.02.2018 | Forschungszentrum Jülich GmbH

nachricht Markierung für Krebsstammzellen
20.02.2018 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Highlight der Halbleiter-Forschung

20.02.2018 | Physik Astronomie

Wie verbessert man die Nahtqualität lasergeschweißter Textilien?

20.02.2018 | Materialwissenschaften

Der Bluthochdruckschalter in der Nebenniere

20.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics