Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Krebstherapie: Kleine Moleküle mit großer Wirkung

23.02.2015

Chemiker der Universität Leipzig haben erstmals Moleküle mit sehr gezielter Wirkung auf ein wichtiges Protein für die Krebstherapie entwickelt.

Den Forschern um Prof. Dr. Thorsten Berg gelang damit gleichzeitig der Nachweis, dass eine biologisch wichtige Familie von Proteinen mit wirkstoffartigen Substanzen in ihrer Funktion gehemmt werden kann. Dadurch ergäben sich neue Perspektiven für die zukünftige Behandlung menschlicher Erkrankungen, erklärte Berg, der seine Ergebnisse kürzlich in der Onlineausgabe der international führenden Fachzeitschrift "Angewandte Chemie" veröffentlicht hat.


Prof. Dr. Thorsten Berg von der Universität Leipzig.

Foto: Privat

Die Wirkstoffe der Medikamente, die in Apotheken verkauft werden, sind kohlenstoffreiche, sogenannte organische Moleküle. Diese meisten Wirkstoffe beeinflussen die Funktion von Eiweißmolekülen, sogenannten Proteinen, im menschlichen Körper.

"Die derzeitig im Handel befindlichen Wirkstoffe können jedoch nur einen kleinen Teil aller menschlichen Proteine in ihrer Funktion beeinflussen," erläutert Berg. "Die meisten menschlichen Proteine sind nie als Zielstrukturen für Wirkstoffe in Betracht gezogen worden, weil sie der Pharmaindustrie als zu schwierig gelten."

Die Wissenschaftler der Arbeitsgruppe Berg befassen sich mit der Entwicklung von Methoden für die Erschließung der "schwierigen Fälle", das heißt der bislang nicht pharmakologisch beeinflussten menschlichen Proteine als Angriffspunkte für zukünftige Wirkstoffe.

Der vielversprechendste Weg dorthin sei die Unterdrückung der Bindung von Proteinen aneinander, erklärt Berg. Schwierig sei jedoch die Entwicklung von Molekülen mit sehr gezielter Wirkung. "Eine Wirkung haben viele Substanzen. Die besondere Herausforderung liegt darin, gezielt die Bindungseigenschaften von nur einem einzigen Protein zu beeinflussen."

Zusammen mit den Koautoren der neuen Studie - den Forschern Nagarajan Elumalai, Angela Berg, Kalaiselvi Natarajan und Andrej Scharow von der Universität Leipzig - ist Berg dem gesteckten Ziel nun ein gutes Stück näher gekommen. Die Wissenschaftler konnten mit organischen Molekülen ganz gezielt die Bindungseigenschaften eines menschlichen Proteins beeinflussen, von dem ein "fast" eineiiges Zwillingsprotein existiert.

Letzteres wird jedoch trotz seiner großen Ähnlichkeit nicht von den Substanzen gehemmt. Dass das gehemmte Protein ein Angriffspunkt für die Krebstherapie ist, macht die Substanzen für die biomedizinische Forschung interessant.

"Unsere Ergebnisse belegen die Möglichkeit, wirkstoffartige Moleküle auch gegen solche Proteine zu entwickeln, die bislang nicht als Angriffspunkte für Pharmazeutika genutzt werden. Dadurch ergeben sich perspektivisch vielfältige Möglichkeiten zur Behandlung menschlicher Krankheiten, wenngleich die von uns entwickelten Substanzen natürlich keine Medikamente sind", betont Berg.

Originaltitel der Fachveröffentlichung:

"Angewandte Chemie": Nanomolar Inhibitors of the Transcription Factor STAT5b with High Selectivity over STAT5a

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ange.201410672/abstract

DOI: 10.1002/ange.201410672

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Thorsten Berg
Institut für Organische Chemie der Universität Leipzig
Telefon: +49 341 97 36527
E-Mail: tberg@uni-leipzig.de

Susann Huster | Universität Leipzig

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Kaltwasserkorallen: Versauerung schadet, Wärme hilft
27.04.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Auf dem Gipfel der Evolution – Flechten bei der Artbildung zugeschaut
27.04.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mit Urzeitalgen zu gesundem Wasser: Wirtschaftliches Verfahren zur Beseitigung von EDC im Abwasser

27.04.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Kaltwasserkorallen: Versauerung schadet, Wärme hilft

27.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

IAB-Arbeitsmarktbarometer: Arbeitsmarkt bleibt im Aufwind

27.04.2017 | Wirtschaft Finanzen