Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Krebstherapie: Kinasen haben positiven Einfluss auf die Wirkung von Chemotherapie

21.05.2010
In der Krebstherapie können körpereigene Boten-Enzyme (Kinasen) die Wirkung einer Chemotherapie positiv beeinflussen. Ziel zahlreicher Krebsmedikamente ist es, das Erbgut der Krebszellen zu schädigen und den Tumor dadurch zu bekämpfen.

Allerdings sterben Tumorzellen nicht zwangsläufig nach einer solchen Behandlung. Die Reaktion der Zelle wird vielmehr durch bestimmte Kinasen bestimmt.

Die Arbeitsgruppe um Professor Dr. Matthias Dobbelstein an der Universität Göttingen hat solche Enzyme identifiziert. Jetzt wollen die Wissenschaftler untersuchen, inwiefern die Reaktion von Tumorzellen, die mit dem Krebsmedikament Gemcitabin behandelt wurden, von solchen Kinasen abhängt.

Durch die Behandlung mit Medikamenten (Chemotherapie) können Tumoren zuweilen erfolgreich, mitunter jedoch nur für einige Zeit in ihrem Wachstum gehemmt werden. Manchmal sprechen sie auch gar nicht auf die Therapie an. Die Gründe hierfür sind bisher nur teilweise bekannt und unterscheiden sich offenbar bei verschiedenen Chemotherapeutika.

Klar ist, dass nicht allein die Dosis des Medikaments den Behandlungserfolg bestimmt. Vielmehr gibt es in der Zelle Signalwege, die die Antwort auf die Behandlung steuern. Je nach Aktivität dieser Signalwege kann die Zelle das Medikament „ignorieren“ oder aber auf die Behandlung reagieren.

Die Aufklärung dieser Mechanismen beinhaltet zwei Chancen: Mediziner könnten das Ansprechen eines Tumors besser vorhersagen und damit leichter entscheiden, ob ein Patient mit einem bestimmten Medikament behandelt werden sollte. Zusätzlich könnten sie die Wirkung des Medikaments durch gezielte Beeinflussung der Mechanismen verstärken.

Die Göttinger Wissenschaftler um Professor Dobbelstein wollen diesen Signalwegen in einem von der Wilhelm Sander-Stiftung geförderten Projekt auf den Grund gehen. Exemplarisch wollen sie die Reaktion von Tumorzellen auf den Wirkstoff Gemcitabin künftig besser vorhersagen und wenn möglich auch gezielt verändern. Gemcitabin ist ein Chemotherapeutikum, das vor allem bei Tumoren der Bauchspeicheldrüse (Pankreaskarzinom), aber beispielsweise auch bei Brustkrebs zum Einsatz kommt. Es wirkt, weil es als falscher Baustein in die Erbinformation der Zelle eingebaut wird und so die Vermehrung des Erbgutes in der Zelle stört. Auch bei einer Behandlung mit Gemcitabin bestimmt erst die Aktivität bestimmter Signalwege, ob die Zelle tatsächlich abgetötet wird.

In einem breiten Ansatz haben die Forscher alle bekannten Enzyme aus der Gruppe der sogenannten Kinasen dahingehend untersucht, ob sie im Prozess der zellulären Reaktion auf Erbgut-Schädigung eine regulierende Rolle spielen. Auf diese Weise konnten sie einen bestimmten Signalweg identifizieren, der durch Gemcitabin-Behandlung verstärkt wird. Dieser Signalweg ist für die Antwort der Zelle fast unerlässlich: In Abwesenheit seiner Bestandteile ist die Zelle weitgehend resistent gegen Gemcitabin.

In dem geförderten Projekt wollen die Göttinger Wissenschaftler herausfinden, welche Mechanismen diesen Signalweg nach Gemcitabin-Behandlung in Gang setzen und wie er nach seiner Aktivierung das Absterben der behandelten Zellen herbeiführt. Darüber hinaus sind Versuche geplant, die Aktivität der Signalkomponenten und damit die Wirkung des Medikaments gezielt zu verstärken.

Kontakt:
Prof. Dr. med. Matthias Dobbelstein, Göttinger Zentrum für Molekulare Biowissenschaften (GZMB) Abteilung Molekulare Onkologie; Justus-von-Liebig-Weg 11, 37077 Göttingen
Email: mdobbel@uni-goettingen.de
http://www.moloncol.med.uni-goettingen.de/index.html
Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 170.000 Euro. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de
http://www.moloncol.med.uni-goettingen.de/index.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Designerviren stacheln Immunabwehr gegen Krebszellen an
26.05.2017 | Universität Basel

nachricht Wachstumsmechanismus der Pilze entschlüsselt
26.05.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften